"Neue Form von Digitaljournalismus"

So startet nun auch der Stern mit Online-Bezahlinhalten - und hofft auf IVW-Effekte

Das Logo von Stern Plus
© G+J
Das Logo von Stern Plus
Zur Kasse bitte: Nach dem Probelauf mit Stern Crime geht es wie angekündigt auch beim Haupttitel los mit digitalen Bezahlangeboten: Ab dieser Woche bietet G+J unter dem Namen Stern Plus täglich kostenpflichtige Online-Inhalte. Die spannende Frage wird sein, ob der Stern damit via E-Paper ebenso wie Spiegel und Zeit seine IVW-Auflagen stabilisieren kann.

Im Abo-Paket enthalten sind ausgewählte Geschichten zu wichtigen Themen (teilweise eingelesen als Audiostory), Podcasts zu Stern-Rubriken und von Stern Crime sowie aufwendigere multimediale Reportage-Projekte. Außerdem können sich Abonnenten mit der Redaktion austauschen, an Umfragen teilnehmen und Fragen stellen – die Antworten sollen per Video kommen. Das Angebot richte sich an „Leser, die sich jenseits der schnellen Nachricht für Hintergründe und Service interessieren“, so G+J.



Fester Bestandteil von Stern Plus wird das wöchentliche E-Paper des Stern, mit Online- und Offline-Zugriff sowie Zusatzfunktionen (Merklisten, automatisierter Wiedereinstieg an den letzten Lese- oder Hörpositionen). Ein interessanter Punkt: Auf Nachfrage bestätigt eine G+J-Sprecherin, dass Stern Plus relevant sei für die Ausweisung in der IVW.

Der Stern macht in Sachen Paid Content ernst
© G+J
Der Stern macht in Sachen Paid Content ernst
Das dürfte bedeuten: Das Inhaltspaket und das Pricing sind offenbar so bemessen, dass es die IVW-Regularien gestatten, die Plus-Abos als Teil der verkauften Auflage mitzuzählen. Auf diese Weise gelingt es vor allem Spiegel und Zeit schon seit längerem, ihre sinkenden Papierauflagen durch steigende Digitalverkäufe auszugleichen. Der Stern dagegen hat hier bislang wenig zu bieten.


Chefredakteurin Anna-Beeke Gretemeier
© Guido Rottmann
Chefredakteurin Anna-Beeke Gretemeier
Das digitale Abo kostet 13,99 Euro im Monat (inklusive E-Paper), mit Print-Magazin 23,99 Euro pro Monat. Hierbei bepreist der Verlag das Heft demnach indirekt lediglich mit 2,50 Euro; im normalen Print-Abo und Einzelverkauf kostet es 4,90 Euro. Bestehende Stern-Abonnenten erhalten Sonderkonditionen.

Neben der Frage, inwieweit es dem Stern gelingt, durch sein Plus-Angebot die Auflagen zu stabilisieren, sind zwei weitere Punkte interessant: Wann und wie wird G+J die Inhalte des Abo-Bereichs ausbauen – und vielleicht gleichzeitig die werbefinanzierten Gratis-Inhalte auf Stern.de zurückfahren, ähnlich wie zuvor andere Nachrichtenportale auch? Und wann und wie wird auch Stern Plus werbevermarktet? Vorerst jedenfalls bleibt das Paid-Angebot werbefrei.

Chefredakteur Florian Gless
© Guido Rottmann
Chefredakteur Florian Gless
Für Stern Plus sollen die Print- und Digitalredaktionen des Stern vernetzter zusammenarbeiten und den Austausch mit den Lesern intensivieren, sagen Anna-Beeke Gretemeier und Florian Gless, die beiden Chefredakteure. Man wolle eng mit deren „Lebenswirklichkeit verbunden“ sein. Und: „Diese neue Form von Digitaljournalismus erlaubt uns, aufwendigere Recherchen zu betreiben und sämtliche Inhalte von der Stern-Dokumentation verifizieren zu lassen.“

Mit Paid Content ist der Stern (und überhaupt G+J) später dran als andere Verlage. Bisher haben die Hamburger lediglich auf bezahlte Services gesetzt, etwa für Apps für Diäten (Hirschhausen) und Meditation (Balloon) oder für die Mitgliedschaft bei der Rezepte-Community Chefkoch. Für den Aufbau der technischen Plattform hinter Stern Plus hat der Verlag im Rahmen der Google Digital News Initiative eine Anschubfinanzierung erhalten. rp

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