Neue Deutsche Medienmacher*innen

Journalisten-Netzwerk fordert mehr Diversität im TV

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Die Medien sollen vielfältiger werden, fordern die Neuen Deutschen Medienmacher*innen
© Illustration: imago / Malte Mueller / fStop Images
Die Medien sollen vielfältiger werden, fordern die Neuen Deutschen Medienmacher*innen
Das Journalisten-Netzwerk Neue Deutsche Medienmacher*innen fordert mehr Sichtbarkeit von Diversität im Fernsehen. Die Organisation legte am Dienstag eine Auswertung vor, bei der sie die Abendnachrichten von ARD ("Tagesthemen" im Ersten), ZDF ("heute journal") und RTL ("RTL aktuell") in den Wochen vor der Bundestagswahl und in der Woche danach darauf überprüft hatte, ob zum Beispiel Menschen mit einer Behinderung zu sehen sind oder Menschen mit einem sichtbaren Migrationshintergrund.

Einige Kernergebnisse: Verglichen mit dem Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund in der Bevölkerung seien Eingewanderte und ihre Nachkommen deutlich unterrepräsentiert. Ebenso verhalte es sich mit Menschen mit einer Behinderung. Auch Frauen bleiben demnach unterrepräsentiert, nicht-binärgeschlechtliche Menschen seien quasi unsichtbar.


Der Erste Chefredakteur von ARD aktuell ("Tagesthemen"), Marcus Bornheim, teilte auf dpa-Anfrage in einem Statement auf die Auswertung mit: "Unser Ziel ist es, die Pluralität der Gesellschaft bestmöglich abzubilden." In der tagesaktuellen Berichterstattung, bei der Expertinnen- und Experten-Anfragen häufig sehr kurzfristig erfolgen und mit vielen Absagen verbunden seien, sei das eine besondere Herausforderung. Man sei dabei, die Suche nach Expertinnen und Experten für Interviews auszuweiten und zu intensivieren - "um die Pluralität der Gesellschaft auch in der Tagesaktualität noch besser darstellen zu können".
„Unser Ziel ist es, die Pluralität der Gesellschaft bestmöglich abzubilden.“
Marcus Bornheim, ARD aktuell
Vom ZDF hieß es: "Dem ZDF geht es darum, auf allen Ebenen des Programms die Vielfalt der Gesellschaft abzubilden. Und das gilt entsprechend auch für die Nachrichten- und Informationssendungen." Der öffentlich-rechtliche Sender nannte zum Beispiel unter anderen Nachrichtenjournalistinnen und -journalisten wie Jana Pareigis und Mitri Sirin in der 19.00-Uhr-"heute"-Sendung, die für diese Entwicklung stünden.

In den Nachrichten- und Informationssendungen sowie auf dem Online-Nachrichtenportal ZDFheute werden demnach eine Vielzahl von Expertinnen und Experten zu den unterschiedlichsten Themen interviewt und zitiert. "Um die Auswahl der Fachleute transparenter zu gestalten und eine größere Vielfalt zu erreichen, bietet das ZDF online eine Überblicksliste zu den Expertinnen und Experten an. Auch mit Blick darauf nehmen die zuständigen ZDF-Redaktionen die Studie zur Kenntnis." Unlängst hatten sich öffentlich-rechtliche (ARD und ZDF) und private Sender (RTL und ProSiebenSat.1) auf Grundlage einer Studie, an der sie sich beteiligt hatten, dafür ausgesprochen, TV noch diverser zu machen. Auch in dieser Studie zum TV-Programm hatte es geheißen: "Behinderung, sexuelle Orientierung, Migrationshintergrund und Zuschreibungen der ethnischen Herkunft sind nicht so vielfältig sichtbar, wie in der Bevölkerung verteilt." Auch hier wurde festgestellt, dass das Geschlechterverhältnis weiterhin unausgewogen sei. Auf eine Frau kommen demnach über alle TV-Programme hinweg nach wie vor rund zwei Männer. Aber die Studienmacher sahen auch positive Entwicklungen. So sei das Geschlechterverhältnis in den fiktionalen TV-Produktionen nahezu ausgewogen.

Vor wenigen Tagen hatte das Gleichstellungsbündnis "Pro Quote Film" in der Fernseh- und Kinobranche noch immer schlechtere Chancen für Frauen angemahnt. dpa

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