Netflix & Co

Die Zeit der ganz großen Wachstumssprünge ist vorbei

Vor allem für junge Menschen gehören Streamingdienste mittlerweile zum Alltag
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Vor allem für junge Menschen gehören Streamingdienste mittlerweile zum Alltag
Erst kürzlich schockte Netflix Anleger mit überraschend schlechten Quartalszahlen. Das Kundenwachstum blieb im 2. Quartal deutlich hinter den Erwartungen zurück. Auch in Deutschland nähert sich der Markt in einigen Zielgruppen mittlerweile der Sättigungsgrenze. Das geht aus dem Media Consumer Survey von Deloitte hervor. Allerdings verbringen die Nutzer immer mehr Zeit mit Video-on-Demand-Diensten - zulasten des klassischen Fernsehens. 
Die Zeit der ganz großen Wachstumssprünge für Netflix & Co. ist laut Deloitte vorbei - zumindest in Deutschland. Die Nutzung von Streamingdiensten ist für viele Menschen mittlerweile Normalität, vor allem für Jüngere. Bei den unter 35-Jährigen nutzen 85 Prozent VoD-Dienste, im mittleren Alterssegment ist es mehr als jeder Zweite. Großes Wachstumspotenzial gibt es für Netflix & Co. also nur noch bei den über 55-Jährigen. Die Nutzungszeit von VoD-Diensten steigt allerdings nach wie vor: 32 Prozent der Befragten gaben an, mehr Zeit mit Streamingdiensten zu verbringen als ein Jahr zuvor. 


„Unsere Daten zeigen, dass die befürchtete Disruption der TV-Branche nicht stattfindet.“
Klaus Böhm
Vor allem in der jungen Zielgruppe steigt der Anteil der Zuschauer, die sich Filme und Serien häufiger über VoD-Dienste als im linearen Fernsehen anschauen. Bei den unter 35-Jährigen schaltet mittlerweile fast jeder Dritte (29 Prozent) öfter Netflix, Prime Video &. Co ein als klassische Programme. "Besonders klar zeigt sich diese Entwicklung bei den jüngeren Altersgruppen", erklärt Klaus Böhm, Leiter des Bereichs Media & Entertainment bei Deloitte. "Treu bleiben Zuschauer über 55. Wenn der Nachwuchs fehlt, geht der sukzessive Zuschauerverlust weiter. Doch unsere Ergebnisse machen auch deutlich, dass das klassische Fernsehen durchaus Zukunftschancen hat. Unsere Daten zeigen, dass die befürchtete Disruption der TV-Branche nicht stattfindet." 

So würden nur die wenigsten Zuschauer ausschließlich Streamingdienste nutzen. Während viele Filme und Serien mittlerweile am liebsten flexibel im Internet schauen, schalten sie für Sportevents oder die Nachrichten weiterhin den Fernseher ein. 


"Nach ein paar turbulenten Jahren deuten unsere Daten auf eine gewisse Beruhigung im Bewegtbildmarkt hin. Video-on-Demand und Short-Form haben sich bei den Nutzern etabliert, gleichzeitig hat eine gewisse Entmystifizierung stattgefunden - ökonomisch wird man damit nicht nahtlos an das goldene TV-Zeitalter anknüpfen können", bilanziert Klaus Böhm, Leiter des Bereichs Media & Entertainment bei Deloitte. "Neue Dynamik sowie spannende Chancen könnten aus dem Aufbrechen von Silos entstehen: Die Serie 'Babylon Berlin' war sowohl als VoD wie auch später im linearen TV ein Erfolg. Long-Form-Angebote können beispielsweise durch Short-Form-Videos auf Social-Media-Kanälen ergänzt werden - hier gibt es viele spannende Möglichkeiten."

Für die Media Consumer Survey wurden im Auftrag von Deloitte 2000 deutsche Konsumenten zwischen 14 und 75 Jahren befragt. dh
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