Negativ-Preis

Tesla bekommt "Verschlossene Auster" für Umgang mit Medien

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Die Gigafactory Berlin-Brandenburg ist der erste Tesla-Produktionsstandort in Europa.
© IMAGO / Jochen Eckel
Die Gigafactory Berlin-Brandenburg ist der erste Tesla-Produktionsstandort in Europa.
Die Tesla-Ansiedlung im brandenburgischen Grünheide sorgt bundesweit für großes Aufsehen. Medienvertretern wird die Berichterstattung über die Fabrik aber erschwert – dafür erhält das Unternehmen jetzt den Negativ-Preis "Verschlossene Auster" der Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche.

Als Grund nannte die Vereinigung das "intransparente Verhalten von Tesla gegenüber Medien und Öffentlichkeit". Beispiele dafür seien die Verhinderung von Berichterstattung durch selektive Auswahl von Berichterstattern und das Nichtbeantworten von Presseanfragen, hieß es in einer Mitteilung. Das Unternehmen äußerte sich dazu gegenüber der Deutschen Presse-Agentur nicht.


Auf eine Einladung der Journalistenvereinigung an Tesla, den Preis entgegenzunehmen und eine Dankes- beziehungsweise Gegenrede zu halten, habe es keine Reaktion gegeben, hieß es bei der Verleihung in Hamburg, die im Livestream übertragen wurde.

Seine Presseabteilung in den USA hat Tesla aufgelöst. In der Tesla-Fabrik in Grünheide werden seit der Eröffnung am 22. März Elektroautos produziert.

Gut ein halbes Jahr nach dem Start hat Tesla eine wöchentliche Produktion von 2000 Fahrzeugen erreicht. Der Elektroauto-Hersteller gab die Marke am Wochenende bei Twitter bekannt. Dazu gab es ein Foto von Mitarbeitern neben einem Tesla mit dem aufgeklebten Schriftzug "2000" - wie schon bei Erreichen der 1000er-Marke Mitte Juni.

Das im März eröffnete Werk ist die einzige europäische Fabrik von Tesla-Chef Elon Musk. Das Unternehmen will dort einmal mit 12 000 Mitarbeitern 500 000 Elektroautos im Jahr herstellen. Die Produktion ist weiterhin im Aufbau. Nach dpa-Informationen wird für das erste Quartal 2023 die Marke von 5000 Fahrzeugen pro Woche angepeilt.

Gründe für Presseanfragen gab es während der Bauphase der Fabrik und nach dem Start viele. Die Ansiedlung des US-Elektroautobauers wurde begleitet von Kritik von Umweltschützern und einer Bürgerinitiative. Sie kritisieren seit langem, dass Behörden mit Auflagen für Tesla nicht stringent genug umgehen. Zudem befürchten sie Folgen für die Umwelt, weil das Gelände teils im Wasserschutzgebiet liegt.

Im Mai dieses Jahres wurde das Tesla-Werk nach Angaben des Brandenburger Umweltministeriums einer umfassenden Kontrolle unterzogen. Geprüft wurde, ob die Anlage tatsächlich genehmigungskonform errichtet wurde und betrieben wird. Tesla hatte staatliche Auflagen zum Schutz vor Verunreinigungen und zum Naturschutz in der Fabrik in Grünheide nach Angaben des Landesumweltamts überwiegend erfüllt.

Zuletzt wurde bekannt, dass in der Fabrik des US-Elektroautobauers seit Produktionsbeginn die Brandmeldeanlage und Sprinkler nicht funktionieren. Stattdessen patrouillieren zur Brandvorbeugung Mitarbeiter in der Halle. Die zuständige Behörde sieht darin kein Problem für den Brandschutz. Umweltschützer kritisieren das Vorgehen.

Einen Lagerplatz für Abfälle auf seinem Gelände muss Tesla stilllegen. Am vergangenen Montag hatten Abfälle wie Papier und Holzmaterial gebrannt. Da Löschmittel ins Erdreich gelangten, wurden Bodenproben untersucht. Ein Ergebnis stand nach Angaben des zuständigen Landkreises Oder-Spree noch aus.

Mit dem Negativ-Preis zeichnet das Netzwerk Recherche seit 2002 Personen und Institutionen aus. Frühere Preisträger waren etwa der ADAC, die katholische Kirche, Facebook, Aldi, die Fifa, die bayerische Staatsregierung und Russlands Präsident Wladimir Putin.  dpa

 

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