Nach Trennung von Reporter

RTL entdeckt mehr manipulierte Beiträge

 Gelobt Besserung: RTL-Chefredakteur Michael Wulf
Gelobt Besserung: RTL-Chefredakteur Michael Wulf
Erfundene Schicksale, verfälschte Selbst-Experimente, Schummel mit Archivbildern: Wegen Manipulationsvorwürfen hatte sich der Privatsender RTL im Juni von einem Reporter getrennt - inzwischen zeichnet sich das ganze Ausmaß ab.

Wie der Sender berichtet, hatte er im Juni sofort "eine umfängliche Verifizierung aller Beiträge des ehemaligen Mitarbeiters" eingeleitet. Nach neuen Erkenntnissen hat der Ex-Mitarbeiter von RTL Nord das Fernsehpublikum offensichtlich deutlich häufiger getäuscht als zunächst bekannt. Die Verfahren, mit denen Beiträge abgenommen werden, wurden überprüft.



Ein Team von sechs Leuten hatte laut der Mitteilung alle 104 Reportagen des früheren Mitarbeiters - "vornehmlich für das Mittagsjournal "Punkt 12"" - gesichtet. Hatten zunächst sieben manipulierte Beiträge in Rede gestanden, hat das Team inzwischen 14 weitere Manipulationsfälle aufgedeckt. Darüber hinaus gebe es "weitere Verdachtsmomente, die noch nicht abschließend verifiziert" werden konnten, hieß es. "Über einen Zeitraum von knapp zehn Jahren hat der Reporter demnach sowohl die eigene Redaktion als auch die Zuschauer immer wieder systematisch und vorsätzlich getäuscht."

„Wir sind erschrocken, dass trotz unserer umfangreichen Kontrollmechanismen ein Mitarbeiter über Jahre hinweg vorsätzlich täuschen und manipulieren konnte. “
Michael Wulf
Bei den nun nachgewiesenen Manipulationen seien drei wiederkehrende Muster erkennbar: "Zum einen täuschte der Reporter bei Selbstversuchen mehrmals die angebliche Dauer seiner Experimente vor. Zum anderen hat der Reporter mehrfach Menschen dazu überredet, Dinge zu behaupten, die ihnen niemals widerfahren sind oder Geschichten nachzuerzählen, die ihm Protagonisten, die nicht gefilmt werden wollten, berichtet hatten. Dabei wurde zumeist verdeckt gedreht. Der Reporter gab gegenüber den Protagonisten vor, Szenen nur nachzustellen, band sie dann aber in seine Beiträge als "echte", verfremdete Szenen ein. Darüber hinaus nutzte der Reporter häufig Archivbilder, um seine Thesen zu untermauern und seine Beiträge stärker zu machen. Doch anstatt dies kenntlich zu machen, suggerierte er mehrmals, dass er die Bilder frisch gedreht habe."


RTL-Chefredakteur Michael Wulf reagierte bestürzt: "Wir sind erschrocken, dass trotz unserer umfangreichen Kontrollmechanismen ein Mitarbeiter über Jahre hinweg vorsätzlich täuschen und manipulieren konnte. Aus diesem Grund haben wir gemeinsam mit dem Qualitätsmanagement unsere Abnahmeverfahren deutlich ausgebaut und werden zusätzlich Beiträge von unseren Reportern stichprobenartig kontrollieren." dpa

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