Wegen Satire-Beitrag

SWR verurteilt Drohungen gegen Schlecky Silberstein und prüft Maßnahmen

In dem Satirebeitrag werden die Ereignisse in Chemnitz karikiert
© Screenshot Youtube
In dem Satirebeitrag werden die Ereignisse in Chemnitz karikiert
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Der Südwestrundfunk (SWR) hat sich zu den Drohungen gegen den Satiriker Schlecky Silberstein zu Wort gemeldet. Man werde es nicht hinnehmen, dass Produzenten bedroht werden und prüfe entsprechende Maßnahmen. Der Satiriker war wegen eines Satire-Videos für das Funk-Format "Bohemian Browser Ballett" ins Visier von AfD-Anhängern geraten. 
Das "Bohemian Browser Ballett" hatte am Montag bei Youtube den satirischen Beitrag "Volksfest in Sachsen" veröffentlicht, der die Ereignisse in Chemnitz auf's Korn nimmt. Dabei ist unter anderem ein Stand der AfD zu sehen. Die Partei hatte daraufhin private Aufnahmen der Dreharbeiten veröffentlicht und den Anschein erweckt, der SWR habe mit einem gefälschten AfD-Stand und "gestellten Jagdszenen" gezielt "Fake News" über die AfD verbreitet. Dass es sich dabei um einen Dreh für eine Satirebeitrag handelte, der auch die Rolle der Polizei, die Reaktionen der Medien und die Gegendemonstration unter dem Motto #Wirsindmehr thematisierte, wurde in dem AfD-Video nicht thematisiert.
Ein Abgeordneter der AfD tauchte sogar mit einem Kameramann vor dem Haus von Silbersteins Produktionsfirma auf, filmte das Klingelschild und machte so die Adresse von Silbersteins Partner publik. Im Internet wurde daraufhin dazu aufgerufen, Namen und Adressen von weiteren Mitgliedern von Silbersteins Filmcrew herauzufinden und sogar unverblümte Morddrohungen ausgesprochen.

"Die Morddrohung aus dem Antisemitismus-Baukasten ging am 16. September ein und ich lehne mich hoffentlich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte: Ohne die Initiative von Bundes- und Berlin-AfD, wäre sie uns erspart geblieben", schreibt Silberstein in seinem Blog, in dem er die Ereignisse aus seiner Sicht schildert. 

Der SWR zeigt sich nun in einer Stellungnahme besorgt über die Reaktionen auf den Beitrag. Bei Satire können man immer darüber streiten, ob man sie gelungen finde oder nicht. "Aber wenn Drohungen und Einschüchterungsversuche gegen Künstler, Produzenten oder andere Medienschaffende erfolgen, zeigen sich gesellschaftliche Zustände, die Anlass zu Besorgnis geben. Die Freiheit der Kunst, der Presse und der Meinungsäußerung sind für den SWR nicht verhandelbare hohe Güter", erklärt Gerold Hug, Programmdirektor Kultur des SWR, der das "Bohemian Browser Ballett" produzieren lässt.

Der SWR nehme es nicht hin, dass seine Produzenten bedroht werden. Man werde die Drohungen "sorgfältig und sachlich prüfen" und gegebenenfalls "die notwendigen Maßnahmen einleiten". Der Sender werde es nicht hinnehmen, dass die in seinem Auftrag handelnden Produzenten diskreditiert oder bedroht werden. dh



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