Nach Fälschungen

"Zeit" legt Regeln für Autoren fest

Die Zeit hat nach dem Fälschungsskandal um Claas Relotius Regeln für Autoren festgelegt
© Die Zeit
Die Zeit hat nach dem Fälschungsskandal um Claas Relotius Regeln für Autoren festgelegt
Die Zeit und Zeit Online haben Standards und Regeln festgelegt, an die sich alle ihre Autorinnen und Autoren halten müssen. Sie sind am Dienstag unter der Überschrift "Was ist in journalistischen Beiträgen erlaubt, was nicht?" im Zeit-Online-Blog "Glashaus" veröffentlicht worden.

Darin heißt es zum Beispiel, Autoren dürften dramaturgische Mittel benutzen, um die Wirklichkeit in Szene zu setzen, nicht aber, um die Darstellung der Wirklichkeit zu verfremden. Auch dürfe keine Augenzeugenschaft vorgespiegelt werden: "Schilderungen und Erlebnisse, die aus zweiter Hand stammen, weil unser Autor nicht persönlich dabei war, sind als solche zu kennzeichnen", heißt es in dem Blogbeitrag. 



Außerdem sollen Artikel künftig regelmäßig stichprobenartig geprüft werden, zum einen auf sachliche Richtigkeit, zum anderen auf die Quellen, in begründeten Fällen auch mit Anrufen bei Gesprächspartnern der Recherche, wie es im "Glashaus"-Blog heißt. "Dies gilt auch für jeden Redakteur und jede Redakteurin von Zeit und Zeit Online." Dafür seien die jeweiligen Ressorts zuständig. Darüberhinaus prüften Redakteure im Auftrag der Chefredaktion nach dem Zufallsprinzip regelmäßig ausgewählte Beiträge. "Fallen bei den Überprüfungen von Texten gravierende Unsauberkeiten auf, die auf Täuschungsversuche schließen lassen, so ist die Chefredaktion sofort zu informieren." 

Das Regelwerk ist die Konsequenz aus der Diskussion um Fälschungen bei mehreren Medien. Unter anderem hatte der Spiegel im Dezember den Fall eines Mitarbeiters öffentlich gemacht. Der Journalist Claas Relotius hatte zum Beispiel Protagonisten erfunden. Der Zeitverlag hatte Anfang März die Zusammenarbeit mit einem freien Mitarbeiter beendet, von dem sich zuvor schon die Süddeutsche Zeitung getrennt hatte. Nach Angaben von Zeit und Zeit Online war bei der Überprüfung seiner Artikel aufgefallen, dass etwa in einer Reportage Ereignisse, die an mehreren Tagen spielten, zur Beschreibung eines einzigen Tages verdichtet worden waren. 


In den jetzt veröffentlichten Regeln heißt es dazu: "In einem Text, in dem unmissverständlich von einer chronologischen Folge von Ereignissen die Rede ist, darf diese Chronologie nicht verfälscht werden." "Wir wollen einem Reporter keinesfalls verbieten, seine erzählerischen Möglichkeiten auszuspielen, aber es muss Grenzen geben für das, was die Beschreibung der Wirklichkeit betrifft", sagte Stefan Willeke, Mitglied der Chefredaktion der Zeit und Leiter der Kommission, die nach dem Relotius-Fälschungsfall untersuchen sollte, welche Konsequenzen beim Zeitverlag daraus zu ziehen seien. 
Stefan Willeke ist Mitglied der Zeit-Chefredaktion
© Nicole Sturz
Stefan Willeke ist Mitglied der Zeit-Chefredaktion
"Wir haben aufgeschrieben, was bei uns immer schon galt, aber so klar und so allgemeingültig noch nicht fixiert worden ist", sagte Willeke. Bei manchen dieser Regeln - beispielsweise nicht zwei Orte zu einem zu verschmelzen -, denke ich: Das müsste doch selbstverständlich sein. Darüber müssten wir uns doch gar nicht unterhalten. Aber offenbar, und das zeigen ja die jüngsten Fälle von Täuschungen, ist es nicht selbstverständlich." 

Zu den Stichprobentests sagte Willeke, so etwas habe es bisher nicht gegeben. "Wir haben immer vertrauensvoll mit unseren Leuten zusammengearbeitet, das tun wir auch weiterhin, aber wir ziehen Konsequenzen aus dem Fall Relotius. Wir können nicht so tun, als ginge uns das alles nichts an." Die Tests könnten aufgrund des Zufallsprinzips den Chefredakteur genauso treffen wie einen freien Mitarbeiter. dpa

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