Mehr Sicherheit, mehr Exklusivität

Twitter führt Safety Mode und Abomodell "Super Follows" ein

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Nutzer sollen bei Twitter künftig besser vor Hass und Beleidigungen geschützt werden - und für Promi-Accounts bezahlen
© IMAGO / ZUMA Wire
Nutzer sollen bei Twitter künftig besser vor Hass und Beleidigungen geschützt werden - und für Promi-Accounts bezahlen
Der Kurznachrichtendienst Twitter experimentiert weiter mit Neuerungen. Nach den Sonderfunktionen für Abonnenten in Australien und Kanada im Juni folgt nun mit "Super Follows" ein kostenpflichtiges Abomodell für die Tweets von Promis auf der Plattform, die sonst für die User nicht sichtbar wären. Um auch Belästigungen und Hasskommentare stärker einzudämmen, führt Twitter zudem einen Sicherheitsmodus ein, durch den sich die Accounts von Hatern sperren lassen.
Dass Twitter-Nutzer sich bei ihren Posts gegenseitig nicht gerade mit Samthandschuhen anfassen, sorgt immer wieder für grundsätzliche Kritik an dem Netzwerk. Seiner allzu präsenten Beleidigungskultur will der Dienst nun mit einem sogenannten Safety Mode entgegentreten und damit unerwünschte Interaktionen verringern. Die neue Sicherheitsfunktion steht aktuell nur einer kleinen Feedbackgruppe auf iOS, Android und Twitter.com zur Verfügung und beschränkt sich dabei zunächst auf Accounts, die als Spracheinstellung Englisch aktiviert haben.

Über den Safety Mode können Nutzerkonten vorübergehend für sieben Tage gesperrt werden, wenn sich dort entweder Beleidigungen oder Hasskommentare häufen oder sie wiederholt unaufgefordert Nachrichten an andere User senden oder diese in ihren eigenen Tweets erwähnen. Das Twitter-System bewertet bei aktiviertem Sicherheitsmodus automatisch die Wahrscheinlichkeit eines negativen Engagements für einzelne Tweets.

Dazu werden sowohl der Inhalt des Tweets als auch die Beziehung zwischen dem Verfasser und dem Antwortenden analysiert, so dass Accounts, denen ein Nutzer folgt oder mit denen dieser häufig interagiert nicht automatisch, sondern erst bei nach eingehender Prüfung blockiert werden. Wenn dies passiert, kann der gesperrte Nutzer dem Account des Users, der den Schutzmodus aktiviert hat, vorübergehend nicht folgen, dessen Tweets nicht sehen und keine Direktnachrichten senden. Bevor der Safety Mode nach sieben Tagen endet, erhält der Sperrende eine Benachrichtigung und eine Zusammenfassung der zwischenzeitlich als unangemessen markierten Tweets des blockierten Accounts.

Twitter räumt ein, dass es bei diesem Verfahren durchaus zu Fehlern kommen könne, weshalb Nutzer die automatischen Sperrungen jederzeit selbst verwalten könnten. Bevor der Safety Mode für alle Twitter-Nutzer zugänglich gemacht wird, soll er für einige Wochen getestet und angepasst werden. Bei der Entwicklung des neuen Sicherheitsmodus' habe man insbesondere das Feedback von Personen aus marginalisierten Gemeinschaften und von Journalisten berücksichtigt.

Prominente Inhalte gegen Bezahlung

Ein weiteres neues Feature: Influencer und andere Personen des öffentlichen Lebens, die in den USA und Kanada auf Twitter aktiv sind, können dort nun mit exklusiven Inhalten Geld verdienen. Im Rahmen des neuen Abomodells "Super Follows" machen sie Nutzern für drei bis zehn Dollar im Monat ihren Sonder-Content zugänglich. Das Konzept erinnert an das des äußerst erfolgreichen Webdienstes Onlyfans, der vor allem für seine zahlreichen freizügigen und pornografischen Inhalte bekannt ist.

Auch für Twitter selbst stellt diese Funktion eine neue Einnahmequelle abseits von Werbung dar, denn der Kurznachrichtendienst erhebt mindestens drei Prozent der Abo-Einnahmen als Gebühr. Generiert ein Promi-Account mehr als 50.000 Dollar mit seinen Inhalten, steigt der Anteil, den Twitter für sich beansprucht schon auf ganze 20 Prozent. Die "Super Follows" sollen in den nächsten Wochen auch in weiteren Ländern eingeführt werden.
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