Medientage München

Wie die TV-Sender auf die zunehmende Konkurrenz durch Netflix & Co. reagieren

Die TV-Manager nehmén den Wettbewerb mit den neuen Anbietern selbstbewusst an
© David Hein
Die TV-Manager nehmén den Wettbewerb mit den neuen Anbietern selbstbewusst an
Der TV-Markt ist im Umbruch. Streamingdienste wie Netflix und Prime Video knabbern an den Reichweiten der klassischen TV-Sender, mit Disney und Apple arbeiten zwei weitere finanzstarke US-Konzerne an eigenen Diensten. Die hiesigen Sender begegnen der Konkurrenz indes selbstbewusst und nutzen die neuen Möglichkeiten der digitalen Verbreitung selbst nach Kräften, wie beim TV-Gipfel der Medientage München deutlich wurde.
"Noch nie konnte man Inhalte so frei umsetzen wie heute“, betonte Vox-Geschäftsführer Sascha Schwingel und hob zugleich die Vorteile der Content Alliance zwischen den Bertelsmann-Töchtern RTL, Gruner + Jahr & Co hervor. „Die Content Alliance ist der größte Spielplatz für Kreative und die Zuschauer.“


Frank Zervos, Leiter der Hauptredaktion Fernsehfilm/Serie des ZDF, sieht die Vielzahl neuer Konkurrenten kritischer. Es gebe einen harten Kampf um die besten Ideen und Talente: „Wir erleben den War for Talent ganz konkret jeden Tag.“ Erst kürzlich habe man ein Projekt, an dem man ein Jahr gearbeitet habe, an einen Wettbewerber verloren. Allerdings gebe es auch mehr Möglichkeiten für die Sender. So produziere das ZDF mittlerweile mehr internationalen Content, wie aktuell die Serie „Der Schwarm“ nach dem Bestseller von Frank Schätzing.

„Wir erleben den War for Talent ganz konkret jeden Tag.“
Frank Zervos
Für die Produzenten hat der intensive Wettbewerb um Ideen aber auch Vorteile: „Die Redaktionen waren lange sehr satt und bräsig. Da hat man eine Idee über die Mauer geworfen und dann manchmal nie wieder etwas gehört“, erzählte Schwingel von seiner Erfahrung als Produzent. „Das ändert sich jetzt.“


Bei der Verbreitung ihres Contents haben sich die Sender an die Konkurrenz durch Netflix & Co. angepasst. So arbeitet mittlerweile auch die ARD an einer Online-first-Strategie. „Es gibt heute kein entweder oder mehr, sondern ein entschiedenes sowohl als auch“, sagte Yvette Gerner, Intendantin von Radio Bremen. Die ARD müsse sich mit ihren Inhalten in einer Welt, in der Content King ist, nicht verstecken. Beim ZDF will man künftig drei Serien pro Jahr gezielt zuerst in der Mediathek und bei ZDF Neo veröffentlichen. „Wir müssen auf beiden Gleisen unterwegs sein“, betonte ZDF-Mann Zervos. „Die Jungen gehen uns sonst verloren.“

Einig war sich die Runde indes, dass das lineare Fernsehen nach wie vor eine große Rolle spielt. „Das lineare Fernsehen hat natürlich noch eine Zukunft“, betonte Elke Walthelm, die bei Sky die Programmstrategie verantwortet. Es gebe nach wie vor Content, der vor allem linear genutzt werde. Das klassische Fernsehen habe noch immer eine hohe Strahlkraft. Bei fiktionalen Inhalten müsse man vor allem von der Zielgruppe her denken. „Wir müssen unsere Inhalte klug kuratieren.“

Zuvor hatte James Farrell, Head of International Originals der Amazon Studios, in seiner Keynote Einblicke in das Erfolgsrezept des E-Commerce- und Streamingriesen gegeben. So konzentriert sich Amazon in den wichtigsten Märkten auf 6 bis 12 Produktionen pro Jahr, so dass man den Nutzern etwa jeden Monat etwas Neues bieten kann. Amazon-Produktionen sollten den Zuschauern dabei vor allem eine Alternative zu den klassischen Sendern bieten. „Wir suchen nach Content, der einzigartig und herausragend ist. Es geht uns nicht um Quantität, sondern um Qualität.“

In Bezug auf die Konkurrenz mit den klassischen Sendern und neuen Streamingdiensten gab sich der Amazon-Manager gelassen: „Es gibt noch genug Raum für TV-Sender und andere Streamingdienste.“ dh 
stats