Fünf neue Eigenproduktionen

Netflix kündigt Serien-Offensive in Deutschland an

"Dark" war die erste deutsche Serie von Netflix
© Netflix
"Dark" war die erste deutsche Serie von Netflix
Nach dem großen Erfolg der ersten deutschen Netflix-Serie "Dark" kündigt Kelly Luegenbiehl, Vice President Creative International Originals, fünf weitere deutsche Formate an. "Solange wir tolle Geschichten zu erzählen haben, werden wir hier investieren", sagt sie auf den Medientagen München.

Die neuen Serien decken verschiedene Genre ab und spielen in unterschiedlichen Epochen. "Tribes of Europe" erzählt von einem Europa im Jahr 2070, in dem verschiedene Staaten um die Vorherrschaft kämpfen. Drei Geschwister versuchen sich in der unsicheren Welt wiederzufinden. Das Projekt stammt von Wiedemann & Berg, die auch schon "Dark" produziert haben. 



"Don‘t try this at home" ist ein Comedy-Format. Es stammt von den Machern von "Neo Magazin Royale", der Bild und Tonfabrik. Darin geht es um einen Schüler, der aus seinem Kinderzimmer heraus einen riesigen Drogenversand aufbaut. Die Geschichte lehnt sich an einer wahren Begebenheit an. 

"Skylines" spielt in Frankfurt, in "Crack City", wie Netflix die Finanzhochburg nennt. Dort bekommt ein junger Hip-Hopper die Chance zum Durchbruch, wird dann aber von einem kriminellen Rap-Star unter Druck gesetzt.
„Wir lernen noch viel darüber, was deutsche Kunden von Netflix wollen.“
Kelly Luegenbiehl
Luegenbiehl war es wichtig, in dieser deutschen Version von "Empire" auch einmal eine andere deutsche Stadt als Berlin in den Fokus zu rücken. 


"Die Barbaren" geht zurück in die Zeit nach Jesu Geburt und greift die Schlacht zwischen den germanischen Kriegern und römischen Legionären im Teutoburger Wald auf. Die Geschichte stammt von Arne Nolting und Jan-Martin Scharf, die auch das Drehbuch für "Club der roten Bänder" geschrieben haben. Namenlos ist derzeit noch eine Weihnachtsserie. Auf einem Weihnachtsfest kommen Familiengeheimnisse ans Licht.

"Wir lernen noch viel darüber, was deutsche Kunden von Netflix wollen", sagt Luegenbiehl. Über alle Länder hinweg könne man sehen, dass die Stoffe je besser funktionieren, um so spezifischer, lokaler und authentischer sie sind. "Dark" ist die erste Show, die auch bei Hollywood-Produzenten Beachtung fand. In den ersten Monaten rangierte sie in 130 Ländern in der Top10. Netflix hat die zweite Staffel bereits beauftragt. 

Seit "Dark" sei die Zusammenarbeit mit deutschen Produzenten einfacher, so Luegenbiehl. Sie könne nun besser erklären, welche Art von Stoffen Netflix sucht. Im Gegensatz zu anderen Ländern seien die deutschen Produzenten "mit großer Intensität, Leidenschaft und Detailversessenheit" am Werk. "Ich bin beeindruckt, von jedem, mit dem wir gearbeitet haben".  Die Netflix-Strategie, Talente exklusiv an sich zu binden, stößt in der Szene jedoch übel auf. Das Unternehmen hat die "Dark"-Macher Jantje Friese und Baran do Odar mit einem mehrjährigen Serienvertrag gebunden. "Es geht um Fairness im Markt", sagt Heike Hempel, Leiterin der ZDF Hauptredaktion TV Serien 2 und stellvertretende Programmdirektorin.  Talente würden jahrelang mit hohen Investments aufgebaut. "Autoren fallen nicht vom Himmel, sie werden ausgebildet. Wo ist da die Kontribution von neuen Playern?" 

Auch Nico Hofmann, CEO von Ufa, gefällt das Vorgehen nicht. "Wer in diesem Markt bestehen will, muss sich um Talent bemühen und kann es nicht wegkaufen." Generell findet Hofmann jedoch das Aufschauen zu Netflix unnötig. Die deutsche Filmlandschaft habe sich schon vor dem Markteintritt der US-Amerikaner deutlich nach vorne entwickelt wie Projekte wie "Unsere Mütter, unsere Väter" zeigen. "Wir müssen nicht von Netflix wachgeküsst werden", sagt er und verweist auf weitere Projekte wie "Club der roten Bänder" und "Deutschland 83 bzw. 86".  Und Hempel ergänzt: "Im ZDF senden wir Originals seit 1963". pap

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