Medientage München

Wolfgang Link hält Öffentlich-Rechtliche für "unverzichtbar"

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ProSieben Sat 1-Vorstand Wolfgang Link hat den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland als wertvoll bezeichnet.
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ProSieben Sat 1-Vorstand Wolfgang Link hat den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland als wertvoll bezeichnet.
Inmitten der Turbulenzen bei mehreren ARD-Häusern hat ProSieben Sat 1-Vorstand Wolfgang Link beim Eröffnungsgipfel der Konferenz Medientage München den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland als "unverzichtbar" und "wertvoll" bezeichnet. Und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hat sich indirekt gegen zu viel Einfluss der TV-Gruppe "Media for Europe" (MFE) des italienischen Ex-Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi auf ProSieben Sat 1 ausgesprochen.
"Wenn es den öffentlich-rechtlichen Rundfunk heute nicht gäbe, müsste man ihn erfinden", sagte Wolfgang Link am Dienstag beim Eröffnungsgipfel der Konferenz Medientage München. Ob man ihn genau so aufbauen und so finanzieren würde wie heute, darüber werde man sicherlich auch auf dem Kongress diskutieren.

Link betonte: "Die Entwicklung unseres dualen Systems ist an einem entscheidenden Punkt angekommen: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk stand selten so in der Kritik." Hinzu komme, dass angesichts steigender Inflation und hoher Energiepreise der öffentlich-rechtliche Rundfunk unter Legitimationsdruck bei den Bürgerinnen und Bürgern gerate.

Vorwürfe gegen Führungskräfte beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) und beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) haben bei den ARD-Häusern Turbulenzen ausgelöst. Eine Folge ist auch, dass der Ruf nach mehr Reformen bei den öffentlich-rechtlichen Sendern wieder lauter wurde.

Derweil hat sich der bayerische Ministerpräsident Markus Söder indirekt gegen zuviel Einfluss der italienischen TV-Gruppe des Ex-Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi auf ProSieben Sat 1 ausgesprochen. Der CSU-Politiker sagte am Dienstag bei der Konferenz Medientage München: "Wir wollen ein selbstständiger starker Medienstandort bleiben - auch unabhängig an der Stelle." Man würde ungern nur eine "Abspielstation aus Italien" sein. Man möchte auch nicht, dass andere Regierungen quasi ProSieben dominieren, betonte der Politiker.

An ProSiebenSat.1 hält das italienische TV-Unternehmen Media for Europe (MFE) der Familie des italienischen Ex-Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi einen hohen Aktienanteil. Das Unternehmen sprach immer wieder von einem europäischen Senderverbund, den man anstrebe - konkret wurden Pläne allerdings bislang nicht. Das Verhältnis zwischen beiden Medienhäusern wurde von außen eher als kühl eingeschätzt. Unlängst teilte MFE mit, seine Präsenz in Deutschland mit einem eigenen Büro in München zu verstärken. Der Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), Thorsten Schmiege, sagte vor Tagen der Deutschen Presse-Agentur auf die Frage, wie sein Blick auf das Interesse eines Politikers an Medien sei: "Es wird in Deutschland sehr sensibel gesehen, dass sich mit Berlusconi ein Politiker mit auch einem Sitz im Europaparlament an einem Rundfunkanbieter beteiligt. Das ist das Thema Staatsferne - das behalten wir sehr genau im Blick."

Die hinsichtlich der Medienkonzentration entscheidende Grenze von 25 Prozent für eine maßgebliche Beteiligung sei bisher zwar nicht überschritten. "Wir verfolgen aber genau, wie der Einfluss auch unter dieser Schwelle tatsächlich ausgeübt wird", ergänzte Schmiege. dpa
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