Medienschau

Das sind die Reaktionen auf das erste TV-Triell bei RTL

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Pinar Atalay und Peter Kloeppel mit den drei Kanzlerkandidaten
© TVNOW / Jörg Carstensen
Pinar Atalay und Peter Kloeppel mit den drei Kanzlerkandidaten
Das erste TV-Triell kam bei den Zuschauern und den Kommentatoren größtenteils gut an: Die Zeit fand die Diskussion der Kanzlerkandidaten bei RTL und n-tv "kurzweilig und aufschlussreich", die Bild sah "klare Kante statt Trödel-Talk". An den Moderatoren entzündet sich aber auch Kritik: Sie hätten zwar wenig falsch, aber auch wenig richtig gemacht, befindet Der Spiegel und Gabor Steingart sieht das Moderatoren-Pärchen "der journalistischen Augenblicksgier verfallen". Das TV-Triell im Medien-Spiegel. 

Die Zeit

Die Zeit fand das erste Triell "kurzweilig und aufschlussreich". Die Dreierkonstellation habe das Format spürbar aufgelockert, schreibt die Wochenzeitung in ihrer Analyse der Diskussion. "In der Merkel-Ära waren die TV-Duelle bleischwere Veranstaltungen. ("Yes, we gähn", schrieb einst die Bild.) Diesmal ging es kontroverser zu, durchaus hart, aber sachlich und keineswegs nur oberflächlich." 

Lutz Jacobsen bezeichnet in seinem Kommentar über das Format die sachliche und niemals persönliche Diskussion der drei Kandidaten sogar als "kleinen demokratischen Erfolg". Nach dem Aufeinandertreffen von Baerbock, Laschet und Scholz könne niemand mehr behaupten, der Wahlkampf sei langweilig.

Der Spiegel

Christian Buß vom Spiegel lästert zum Einstieg ein wenig über die neue Politikbessenheit der großen Privatsender, stört sich aber vor allem an der konfrontativen Fragetechnik der beiden Moderaten Pinar Atalay und Peter Kloeppel, die bei den drei Kanzlerkandidaten nicht verfangen habe: "Pinar Atalay, die frisch von den ARD-'Tagesthemen' abgeworbene Moderatorin des Triells, und Peter Kloeppel, der seit fast 30 Jahren einwandfrei durchschnarrende Ankermann der RTL-Nachrichten, machen wenig falsch. Und wenig richtig." Diese strategische Schwäche offenbare sich gleich bei der Einstiegsfrage, auf die die Kandidaten allesamt ausweichend geantwortet haben. Im weiteren Verlauf blitze bei Atalay und Kloeppel "dann doch noch ein gewisser Biss auf". 

"Süddeutsche Zeitung"

Nico Fried von der Süddeutschen Zeitung wundert sich über CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet, der "überraschend krawallig" ins erste TV-Triell der Kanzlerkandidaten gegangen sei. Aber auch Baerbock und Scholz hätten einige Treffer landen können. Außerdem unterzieht die SZ die Aussagen der drei Kandidaten, die "tunlichst wenig Angriffsfläche bieten und vor allem Fehler vermeiden" wollten, einem umfangreichen Faktencheck

Bild

Die Bild hält sich nicht mit einer Kritik an dem Format oder den Moderatoren auf, lobt aber "klare Kante statt Trödel-Talk"Beim ersten Triell der drei Kanzlerkandidaten hätten sich CDU-Chef Armin Laschet, SPD-Spitzenkandidat Olaf Scholz und Grünen-Chefin Annalena Baerbock "nichts geschenkt". Dafür wird das Ergebnis der Forsa-Blitzumfrage in den Vordergrund gerückt: Das Ergebnis sei "eine Klatsche für die Union". Laut der Umfrage sehen 36 Prozent der Zuschauer Scholz als Gewinner, 30 Prozent Baerbock und lediglich 25 Prozent Laschet. 

taz

taz-Korrespondent Stefan Reinecke findet, das Triell "wurde von RTL wie ein Fußball-Match inszeniert", mit Günther Jauch als Oliver Kahn: "Gewiss, Politik als sportlichen Wettbewerb zu verkaufen mag ein Missverständnis sein. Doch zumindest weiß der politische Durchschnittskonsument jetzt mehr." Ein strittiges Schlüsselthema habe es in der knapp zweistündigen Debatte nicht gegeben. Immerhin: "
Man weiß jetzt, wie der Wahlkampf laufen wird: Die Union verkleidet sich als angriffslustige Opposition – ein Move, der leicht missverstanden werden kann. Insofern war dies ein Beitrag zur Aufklärung." 

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Steingarts Morning Briefing

Gabor Steingart vermisst in seinem Morning Briefing in der Diskussion vor allem den Blick nach vorn und bescheinigt den Moderatoren Pinar Atalay und Peter Kloeppel einen fehlenden Blick um die nächste Biegung: "Das Moderatoren-Pärchen war der journalistischen Augenblicksgier verfallen." So hätten unter anderem das drängende Thema der alternden Bevölkerung oder der Reformstau überhaupt nicht stattgefunden. "Nichts davon wurde adressiert – von den Moderatoren nicht, aber eben auch nicht von Laschet und Baerbock." 

Für den Auftritt der Kandidaten findet der ehemalige Spiegel-Redakteur  freundliche Worte: Baerbock sei "von ihrem Stolperstart genesen" und war "die Angriffsfreudigste in der Runde", Scholz sei der geblieben der er ist, und Laschet "war besser als sein Ruf. Er hat gekämpft, aber überrascht hat er nicht." dh
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