Mediaspendings für den Klimaschutz

Pro Sieben wird erster Medienpartner von Media4Planet

© Media4Planet
Dass es in Sachen Klimaschutz fünf vor Zwölf geschlagen hat, daran hat Peter Christmann keinen Zweifel. Der Medienmanager und Gründer der Meeresschutzorganisation Orange Ocean hat deshalb Media4Planet (M4P) ins Leben gerufen. Das neue Media-Modell kauft günstiges Inventar von Vermarktern und stellt es in den Dienst der UN-Nachhaltigkeitsziele. Pro Sieben ist erster Medienpartner.

Das Prinzip: Pro-Sieben-Sat-1-Vermarkter Seven-One Media gibt eine bestimmte Menge Inventar zu günstigeren Konditionen an Media4Planet, diese verkaufen die Werbezeiten mit einem Aufschlag weiter an Unternehmen, die mit ihren Spot-Inhalten nachweislich Klimaschutzziele, einen der wichtigsten Punkte der UN-Agenda, unterstützen. Die Gründer sind alte Bekannte, neben dem Medienmanager und ehemaligen Prosieben-Vorstand Christmann ist Matthias Neumann, Inhaber der Agentur Act Agency und Gründer der gemeinnützigen Organisation Blue Life, mit an Bord. Um die Auftaktkommunikation kümmert sich zudem Marcus Prosch, bis Ende 2018 Sprecher Sales & Digital der Pro Sieben Sat 1 Group.

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Media 4 Planet ist keine gemeinnützige Organisation, sondern will Profite erwirtschaften. Die sollen Nachhaltigkeitsprojekten zugutekommen. "Derzeit bereiten wir eine Partnerschaft mit der UNEP, dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen, vor", sagt Peter Christmann. 50 Prozent des Profits, den sein neues Unternehmen durch den Verkauf der Media erzielt, sollen in Aufklärungs- und Aktivierungskampagnen der UNEP fließen. Deren Ziel ist es, ein spürbares CO²-Reduktionsverhalten beim Konsumenten zu bewirken. Mit der anderen Hälfte des Profits wollen Christmann und seine Mitstreiter CO²-Kompensationsprojekte finanzieren, etwa erneuerbare Energien oder Wiederaufforstungsprojekte. Zudem will man eine Plattform mit förderungsfähigen NGOs aufbauen. Werbekunden könnten sich dann aussuchen, für welche Klimaschutzprojekte die Hälfte des Mediaaufschlags verwendet wird.


Bei der Auswahl des Vermarkters sind sie vorerst noch beschränkt. Pro Sieben Sat 1 ist die erste und vorerst exklusive Sendergruppe, die bei dem neuen Mediamodell mitwirkt. Weitere Mediengattungen sollen folgen, erst deutschlandweit, und möglichst bald auch international. Conrad Albert, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Prosieben.Sat1 Media ist stolz als "First Mover" mitzuwirken: "Als Medienunternehmen mit hoher Reichweite können wir insbesondere in den jüngeren Zielgruppen wichtige Themen setzen. Über unsere Formate der ,Green Seven Week‘ rücken wir regelmäßig Umweltthemen in den Fokus und sensibilisieren für eine nachhaltige Lebensweise." Diesen Hebel nutzt die Sendergruppe nun auch für das Werbeumfeld. Seit zehn Jahren hat Pro Sieben die "Green Seven"-Themenwoche im Programm. Ab dem 14. Oktober soll diese den Auftakt für die Werbeblöcke von Media 4 Planet bilden.

Exklusive M4P-Werbeblöcke mit speziellen Openern sollen höchste Aufmerksamkeit garantieren. Wer in diesen Werbeinseln wirbt, darf durch einen entsprechenden Abbinder kenntlich machen, dass er die Nachhaltigkeitsziele der UN unterstützt. M4P hat zudem ein Logo entworfen, mit dem Werbungtreibende nach Wunsch zusätzlich auf ihr Engagement aufmerksam machen können. Ein weiterer Vorteil, so Christmann: Die Unternehmen können ihr Engagement in ihrem Nachhaltigkeitsbericht dokumentieren. Seit 2017 sind Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern verpflichtet, ihre Nachhaltigkeitsbemühungen zu veröffentlichen. "Nachhaltigkeit wird immer mehr auch zu einem Faktor für Konsumenten und für Mitarbeiter, wenn es um den Kauf von Produkten oder die Wahl des künftigen Arbeitgebers geht", ist Christmann überzeugt. P7S1-Manager Albert kann das bestätigen: "Wir nehmen auch im werblichen Umfeld wahr, dass Nachhaltigkeit ein wachsendes Segment ist. Das passt natürlich gut zu unserer Nachhaltigkeitsstrategie." Mit dem Media-Modell von M4P setze man genau auf dieses Thema: "Indem wir Inventar zu attraktiven Konditionen zur Verfügung stellen, machen wir nachhaltige Marken bekannter und fördern mit den Erlösen gleichzeitig den guten Zweck."


Darüber hinaus hat das neue Mediaplanungs-Konstrukt auch direkte finanzielle Vorteile für die Sendergruppe. "Wir bieten das Inventar zwar zu speziellen Konditionen an, erschließen aber damit auch potenziell neue Marken, die bislang noch nicht bei uns geworben haben", sagt Seven-One-Media-Chef Thomas Wagner, der damit seine bestehenden Kundenbeziehungen nicht kannibalisieren möchte. "Bisher haben wir das Thema Umwelt nicht über einen bestimmten Kundenkreis definiert. Im Rahmen dieser Initiative werden wir insbesondere jüngere Unternehmen, Produkte oder Projekte ansprechen, die sich explizit für das Thema Nachhaltigkeit einsetzen und über das M4P-Modell von günstigeren Konditionen profitieren können." Allein im letzten Quartal 2019 will er einen zweistelligen Millionenbetrag dafür bereitstellen. Das Geld ist nicht nur gut investiert in den Klimaschutz und in die eigene Reputation. Schaltet die UNEP wie geplant ihre Kampagne, fließen die Mediagelder wieder zurück an Pro Sieben. Das ist in der Tat Win-win für alle. Aber vor allen Dingen eben auch für den Planeten. vg

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