Mathias Döpfner

Digitaler Journalismus? Verkauft sich!

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Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner
© BDZV / Ausserhofer
Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner
Ja, es gibt ein funktionierendes Geschäftsmodell für den digitalen Journalismus – sagt Mathias Döpfner, der Präsident des Verlegerverbandes BDZV. Das digitale Abonnement, symbolisiert durch das Plus-Zeichen auf vielen Medien-Websites, werde zusehends zur wichtigsten Säule des Geschäfts, meinte Döpfner in einem Interview mit dem neuen verbandseigenen Magazin relevant.
Der BDZV hatte HORIZONT-Chefredakteur Uwe Vorkötter eingeladen, das Interview mit seinem Präsidenten zu führen. Das Gespräch fand statt, kurz bevor die Corona-Krise das private und wirtschaftliche Leben zum Stillstand brachte – und bevor Medienhäuser wie Gruner + Jahr und andere ihre Inhalte als Zeichen der Solidarität mit den Menschen in häuslicher Isolation kostenlos zur Verfügung stellten. Diese Aktionen hat Döpfner inzwischen als „gefährliches Missverständnis, das viele Arbeitsplätze gefährdet", kritisiert. „Solange Medizin und Nahrung nicht kostenlos sind, darf Recherche und Information das auch nicht sein, sonst wird sie sehr bald keiner mehr betreiben“, erklärte er gegenüber HORIZONT.

Weltweiter Shift vom Werbe- zum Abomodell

In dem bereits vorher geführten Interview wird deutlich, was Döpfner zu dieser harschen Kritik motiviert hat: Der BDZV-Präsidnet, zugleich CEO von Axel Springer, setzt im Digitalgeschäft ganz wesentlich auf die Vertriebserlöse als Geschäftsmodell der Zukunft. Die Erwartung, Journalismus im Netz nur aus Werbeerlösen finanzieren zu können, sei „von Anfang an“ eine Fehleinschätzung gewesen, weil diese Erlöse von den großen Tech-Plattformen abgeschöpft würden. „Jetzt erleben wir den Shift vom Werbe- zum Abomodell, und zwar weltweit“, so Döpfner. Zum Beleg führt er die millionenschweren Abo-Zahlen der New York Times (3,8 Millionen) oder des Wall Street Journal (2 Millionen) an. Aber auch FAZ, Spiegel und Süddeutsche verfügten inzwischen über nennenswerte digitale Abonnentenzahlen, betonte Döpfner.


Der BDZV, der sich im vergangenen Jahr vom Bundesverband der deutschen Zeitungsverleger in den Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger umbenannt hat, will sich jetzt konsequent für neue Mitglieder aus der Digitalszene öffnen. Zwar publizieren die BDZV-Mitgliedsverlage auch heute bereits hunderte von digitaljournalistischen Angeboten, dabei handelt es sich allerdings ganz überwiegend über Online-Ableger der traditionellen Zeitungsmarken. Döpfner will künftig auch reine Digitalverlage, journalistische Start-ups und Blogs an den BDZV binden.

Politico, Vox Media, Business Insider und Huffington Post nennt er beispielhaft für diese Kategorie, auch Correctiv und Übermedien zählt er auf Nachfrage dazu. Zweifel meldet Döpfner an, ob etwa die Ströer-Tochter T-Online Mitglied im Verband werden könnte. Denn die Mitglieder des BDZV recherchierten originäre eigene Inhalte, sie seien unabhängig, sie trennten die kommerzielle von der journalistischen Sphäre. Döpfner bezweifelt offenkundig, dass T-Online diese Anforderungen an eine „verantwortliche Absenderschaft“ journalistischer Inhalte erfüllt.

40 Millionen lösen kein Problem

So bezieht Döpfner zu aktuellen medien- und branchenpolitischen Fragen Stellung:


Subventionen: Der BDZV lehnt eine direkte staatliche Förderung der Verlage nach wie vor ab. Auch von einer Innovationsförderung, wie sie die Politik gerade anbietet, halte er „definitiv nichts“. Aber der Verband fordert ausdrücklich eine öffentliche Förderung der Zeitungszustellung. Die hierfür im Bundeshaushalt vorgesehenen 40 Millionen Euro lösten das Problem nicht. Döpfner möchte über eine Größenordnung von 700 Millionen Euro reden.

E-Privacy-Verordnung: Im ersten Anlauf ist die Brüsseler Regelung, die das Ende des Cookie-Zeitalters einläuten könnte, gescheitert. Döpfner zeigt sich „verhalten optimistisch“, dass es im zweiten Anlauf gelingen könne, Verbraucher- und Datenschutz zu stärken, ohne die Verlage im Wettbewerb zu schwächen. Das Schweizer Modell einer gemeinsamen Login-Allianz der Medienhäuser findet Döpfner in diesem Zusammenhang vorbildlich.

Europäisches Urheberrecht: Nach dem Scheitern des deutschen Leistungsschutzrechts sieht Döpfner die europäische Rechtsgrundlage als großen Erfolg für Verleger, Literatur- und Musikverbände. Mit der Umsetzung der Richtlinie in nationales Recht sehe es in Deutschland aber „leider nicht gut“ aus. In den bisherigen Entwürfen stünden Ausnahmetatbestände, als hätten Google und Co dem Gesetzgeber die Feder geführt. Die Ankündigung von Google in Frankreich, dass Verlage, die sich auf dieses Recht berufen, Nachteile bei der Darstellung ihrer Inhalte in Kauf nehmen müssen, nennt Döpfner „Erpressung unter Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung“.

Das neue BDZV-Magazin relevant. erscheint künftig zwei Mal jährlich. Einen Link zum E-Paper der ersten Ausgabe gibt es hier. Darin finden Sie auch den Wortlaut des Interviews mit Mathias Döpfner.
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