MA Pressemedien

Überregionale Tageszeitungen gewinnen Leser gegen den Trend

Nach wie vor liest eine Mehrheit der Bevölkerung regelmäßig Zeitschriften und Zeitungen
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Nach wie vor liest eine Mehrheit der Bevölkerung regelmäßig Zeitschriften und Zeitungen
Die Zahl der regelmäßigen Zeitungs- und Zeitschriftenleser geht weiter zurück. Das geht aus der aktuellen Media-Analyse für Tageszeitungen und Zeitschriften (MA 2019 Pressemedien II) hervor. Bemerkenswert: Die überregionalen Abo-Zeitungen können ihre Reichweite ausbauen. 

Insgesamt greifen noch 38,1 Millionen Menschen oder knapp 54 Prozent der Bevölkerung täglich zu einer gedruckten Zeitung. Die Gesamtreichweite der gedruckten Tagespresse ist damit im Vergleich zum Vorjahr um rund eine Million Leser pro Tag gesunken (2018: 39,3 Mio.). Das zeigt die neue Media-Analyse (MA) 2019 Pressemedien II, die die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (Agma) am Mittwoch veröffentlichte. Danach tragen regionale Tageszeitungen mit 30,9 Millionen Lesern nach wie vor den Löwenanteil zu der Gesamtreichweite bei, verlieren allerdings überdurchschnittlich viele Leser: Im Vorjahr hatten die regionalen Blätter noch 31,7 Millionen Leser pro Tag. 



Die überregionalen Tageszeitungen können ihre Reichweite dagegen ausbauen: Die Süddeutsche Zeitung erreicht 1,28 Millionen Leser (+30.000), die Frankfurter Allgemeine Zeitung kommt auf 830.000 Leser (+70.000) und die Welt auf 700.000 (+40 000). Auch die taz liegt mit 240.000 Lesern (+20.000) im Plus. Die Bild bleibt mit 8,63 Millionen Lesern trotz Verlusten (-790.000) die meistgelesenen Tageszeitung. 

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Die Leserzuwächse der überregionalen Titel zeigen den Bedarf an hochwertigen und zuverlässigen Informationen in einem zunehmend fragmentierten Medienumfeld. Über alle Titel betrachtet ist die Tageszeitung weiterhin ein verlässlicher, stabiler Werbeträger, auch bei leicht rückläufigen Reichweiten der letzten Jahre", kommentiert Gerhard Müller, Vorstand Tageszeitungen der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse, die aktuellen Daten. 


Immerhin oder nur noch 57,5 Millionen Menschen über 14 Jahren in Deutschland lesen Publikumszeitschriften – das sind 2,5 Millionen pro Ausgabe weniger als vor einem halben Jahr. Laut MA sank die Reichweite der 156 erhobenen Magazine und Medien gegenüber der MA 2019 I damit von 85,1 auf 81,5 Prozent. 

Auf die größte Nettoreichweite kommen die Programmtitel – 56,4 Prozent aller Deutschen lesen sie je Erscheinungsintervall; bei der vorherigen MA-Welle waren es noch 60,2 Prozent. Es folgen aktuelle Magazine, deren Reichweite von 39,8 auf 37,4 Prozent sinkt, sowie die Motorpresse (konstant 24,2 Prozent) und die wöchentlichen Frauenzeitschriften (von 24,1 auf 21,5 Prozent).

Die 20 reichweitenstärksten Zeitschriften

TitelMA 2019 IMA 2019 IIIndex
ADAC Motorwelt12,9513,03101
BILD am SONNTAG7,537,1795
Prisma5,575,58100
TV Movie5,205,32102
DER SPIEGEL5,645,2994
Stern5,755,2992
tv145,255,0095
BILD der FRAU4,834,81100
SPORT BILD4,174,0898
BUNTE4,153,8893
FOCUS3,903,6393
HÖRZU4,063,6389
TV SPIELFILM3,913,6293
TV DIGITAL3,643,4394
Gala2,702,70100
tv Hören und Sehen2,712,4691
GEO2,492,4498
AUTO BILD2,442,4098
Brigitte2,442,3898
Tina2,562,3190
Quelle: Agma (Leser pro Ausgabe in Mio.)


Relativ am meisten Leser verliert Audio Video Foto Bild – hier bricht die Nettoreichweite um 38 Prozent ein. Harte Einbußen erleiden zudem etliche Frauenzeitschriften, allen voran Von Frau zu Frau (minus 34 Prozent), Frau von heute (minus 33 Prozent), Neue Welt (31), Alles für die Frau und Meins (beide minus 30 Prozent), Mach mal Pause (29) und Bildwoche (28). Absolut die meisten Leser verlieren TV Direkt (minus 510.000), die Kicker-Montagsausgabe (minus 480.000), der Stern (470.000) und Hörzu (420.000). Aber auch Titel wie Bild am Sonntag (minus 360.000), Spiegel (350.000), Focus (270.000) und Bunte (260.000) müssen auf hohem Niveau viel Federn lassen. 

Interessanter Nebeneffekt: Weil der Stern mehr verliert als der Spiegel, holt dieser den Stern erstmalig ein – beide erreichen laut neuer MA nun 5,29 Millionen Leser. Nach den Zahlen der Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse (AWA 2019) hat der Spiegel mit nun 5,4 Millionen Lesern den Stern (5,2 Millionen) jüngst sogar "überholt", also weniger verloren. 

Doch es gibt auch richtige Gewinner in der neuen MA: Das Chefkoch-Magazin und Donna können ihre Reichweiten um je 26 Prozent steigern, die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung um 21 Prozent, Living at Home um 18 Prozent, Vital und 11 Freunde um jeweils 16 Prozent. Einige dieser Titel tauchen auch bei den absoluten Siegern auf: Die meisten Leser, nämlich 170.000, konnte das Chefkoch-Magazin hinzugewinnen, gefolgt von Glamour (160.000), der FAS (140.000), 11 Freunde (120.000) und – entgegen den Auflagen – laut MA auch TV Movie und Welt (Print) mit jeweils 120.000 neuen Lesern. 

Dennoch: Mittlerweile zeigen sich die meist sinkenden (Papier-) Auflagen der Publikumszeitschriften recht deutlich auch in ihren Nettoreichweiten. Die Phase der Stagnation, bedingt etwa durch die zeitverzögerte Abfrage und weitere statistische Effekte, scheint Geschichte zu sein. Umgekehrt sind die teils stark steigenden E-Paper-Verkäufe, die die Auflagen oft stabilisieren, offenbar noch nicht ganz in den MA-Zahlen angekommen. rp/dh

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