MA-Blitzanalyse / IVW

So stark steigt die Nutzung von Verlagsmedien in den Corona-Wochen / PI-Flaute bei Erotik

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Nicht nur Frauentitel verzeichnen derzeit Reichweitenzuwächse, sondern auch alle anderen Magazine und Zeitungen
© Hebi B. auf Pixabay
Nicht nur Frauentitel verzeichnen derzeit Reichweitenzuwächse, sondern auch alle anderen Magazine und Zeitungen
Beeindruckende Beweise: Nicht nur die TV-Sender, sondern ebenso die Verlagsmedien melden in der Corona-Krise markante Rekordreichweiten – auch in Print. Dies ist der ehrwürdigen Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (Agma) jetzt sogar eine Blitzanalyse wert, jenseits aller sonst so langwierigen Studienvorläufe. Auch die Währungshüter von der IVW registrieren Höchststände, hier bei den Visits. Nur mit der Erotik geht es bergab.
Zeitschriften verzeichnen laut Agma derzeit ein durchschnittliches Reichweitenwachstum von 25 Prozent, vor allem 14-tägliche Frauenmagazine (plus 57 Prozent), wöchentliche (plus 39) und monatliche Frauenzeitschriften (plus 33), aber auch Wohn-, Garten- (plus 41) und Food-Titel (plus 30). Dies ergibt eine Zwischenauswertung der aktuellen MA-Erhebungswelle im Vergleich zur MA 2020 Pressemedien I, beruhend auf 1.815 persönlichen Interviews vom 8. bis 30. März. "Die Daten belegen eindeutig das gesteigerte Interesse an verlässlicher, qualitativ hochwertiger Berichterstattung und Unterhaltung, besonders in Krisenzeiten", so die Agma. "Angesichts der coronabedingten Ausnahmesituation im März" hätten sich die Mitgliedsverlage zu dieser Momentaufnahme entschlossen – eine statistische Premiere.


Wochenzeitungen (Zeit, BamS, WamS, FAS) legen demnach im Schnitt um 24 Prozent zu, Boulevardblätter (Bild und acht regionale Titel) um 13 Prozent, regionale Abozeitungen um 11 Prozent und die drei Nachrichtenmagazine (Spiegel, Stern, Focus) im Schnitt um 10 Prozent. Die sieben nationalen Abozeitungen (SZ, FAZ und Co) bleiben stabil. Diese im Verhältnis zu den Unterhaltungsmagazinen geringeren Zuwächse dürften sich damit erklären, dass der Nutzerzuwachs bei News-Titeln vor allem im Netz stattfindet. Tatsächlich meldet gerade hier die Arbeitsgemeinschaft Onlineforschung (Agof) für den März Rekordreichweiten.

Ebenso die IVW, die nicht Besucher, sondern Besuche misst. "Coronavirus löst Nachrichtenfieber im Internet aus", betiteln die Statistiker ihre Pressemitteilung. Mit insgesamt 11,4 Milliarden Visits verzeichnen die Zugriffszahlen auf Web-Werbeträger im März einen neuen Höchststand. Gegenüber dem letzten Rekordmonat Januar ist dies ein Plus von 29 Prozent, gegenüber dem Februar von 31 Prozent. Dabei profitierten laut IVW die Nachrichtenbereiche der Angebote stark (plus 45 Prozent gegenüber Februar, hier bei den Page Impressions) – aber auch Gesundheitsthemen (plus 130 Prozent, jedoch auf einem viel niedrigeren absoluten PI-Niveau) sowie Essen/Trinken (plus 19 Prozent bei den PIs).


Deutlich weniger gefragt als noch im Februar waren hingegen Inhalte zu Reisen (minus 26 Prozent), Sport (minus 33 Prozent) und vor allem Erotik (minus 37 Prozent): Gegenüber Februar mit 900 Millionen PIs klickten die Nutzer im März nur noch 600 Millionen Mal auf einschlägige Inhalte. rp
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