MA 2020 Audio II

Antenne Bayern verliert erneut viele Hörer, Radio Bob ist der große Gewinner

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Podcasts und Online-Audioangebote sind vor allem bei jungen Hörern beliebt
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Podcasts und Online-Audioangebote sind vor allem bei jungen Hörern beliebt
Die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse hat die zweite Welle der Media-Analyse Audio veröffentlicht. Da die Erhebung bis Ende März und damit in der Frühphase der Pandemie erfolgte, ist in den Reichweiten noch kein Corona-Effekt ablesbar. Mit der aktuellen MA wurde erstmals auch die Podcast-Nutzung abgefragt. 
Aber zunächst zu den Reichweiten der klassischen Radiosender: Der große Verlierer der aktuellen MA heißt erneut Antenne Bayern. Der langjährige Branchenprimus unter den deutschen Privatsendern muss erneut herbe Verluste einstecken. Pro Stunde hörten an einem Werktag im Schnitt 805.000 Hörer den Sender aus Ismaning - ein Verlust von 91.000 Hörern pro Stunde beziehungsweise 10 Prozent im Vergleich zur vorangegangenen MA Audio 2020 I.


Auffällig ist allerdings, dass alle großen Sender in Bayern und auch bundesweit zahlreiche Hörer verloren haben. Für Bayern 3 weist die MA 86.000 Hörer weniger aus, Bayern 1 verliert 37.000 Hörer. Auch die öffentlich-rechtlichen Dickschiffe SWR 3 (-28 Tsd.) , WDR 2 (-70 Tsd.) und 1Live (-38 Tsd. Hörer) liegen durchweg im Minus. Abgesehen von dem Mantelprogrammanbieter Radio NRW mit glatt 1,5 Millionen Hörern pro Stunde kommt lediglich Bayern 1 noch auf mehr als eine Million Hörer pro Stunde (1,1 Millionen). Auch SWR 3 und WDR 2 rutschen in den sechstelligen Bereich.

MA 2020 Audio II: Die 20 größten Sender

SenderHörer in Tsd.Veränd. abs.Veränd in %
radio NRW1.500+25+1,7
BAYERN 11.104-37-3,2
SWR3998-28-2,7
WDR 2950-70-6,9
ANTENNE BAYERN805-91-10,2
1LIVE746-38-4,8
NDR 2740-10-1,3
BAYERN 3728-86-10,6
HIT RADIO FFH45800,0
radio ffn418-44-9,5
SWR4 BW414-1-0,2
SWR1 BW411+3+0,7
MDR SACHSEN406+14+3,6
RADIO BOB!395+88+28,7
MDR JUMP328+20+6,5
hr3288-38-11,7
hr4285+26+10,0
R.SH Radio Schleswig-Holstein238-58-19,6
ROCK ANTENNE233+2+0,9
Klassik Radio22800,0
Quelle: Agma (Hörer pro Stunde in Tsd. / Deutschsprachige Bev. ab 14 Jahren)


Gewonnen haben vor allem kleinere und mittelgroße Sender - allen voran Radio Bob. Der Rocksender setzt sein rasantes Wachstum fort und kommt laut den aktuellen Zahlen jetzt auf knapp 400.000 Hörer pro Stunde (exakt 395 Tsd.) und schiebt sich damit an namhaften Sendern wie HR3 oder R.SH vorbei. Ebenfalls deutlich zulegen konnten Hitradio RTL Sachsen, HR4, die junge MDR-Welle Jump sowie der Ortsrivale Radio PSR. Da gleich mehrere Sender aus Sachsen deutliche Zugewinne verzeichnen konnten, liegt die Vermutung nahe, dass die Verluste der großen bayerischen Sender zumindest im Norden Bayerns zum Teil auf das Konto der ostdeutschen Sender gehen.

MA 2020 Audio II: Die Gewinner

SenderHörer in Tsd.Veränd. abs.Veränd. in %
RADIO BOB!395+88+28,7
HITRADIO RTL SACHSEN94+28+42,4
hr4285+26+10,0
radio NRW1.500+25+1,7
MDR JUMP328+20+6,5
RADIO PSR168+20+13,5
MDR SACHSEN406+14+3,6
Bayern 2156+14+9,9
ANTENNE THÜRINGEN140+13+10,2
RADIO BOB! rockt Schleswig-Holstein67+13+24,1
Quelle: Agma (Hörer pro Stunde in Tsd. / Deutschsprachige Bev. ab 14 Jahren)
 


Insgesamt bleibt die Radio-Nutzung auf hohem Niveau stabil: 93,4 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren schalten mindestens einmal im Monat das Radio ein, die Hördauer liegt mit 254 Minuten im Schnitt bei mehr als vier Stunden. Online-Radiosender sind vor allem bei jungen Höreren beliebt, hier liegt die Reichweite in einem 4-Wochen-Zeitraum bei 34,5 Prozent. Podcasts wurden von 22,3 Prozent der Befragten schon einmal genutzt, bei den 14- bis 49-Jährigen liegt der Anteil bei 33,5 Prozent.

MA 2020 Audio II: Die Verlierer

SenderHörer in Tsd.Veränd. abs.Veränd. in %
ANTENNE BAYERN805-91-10,2
BAYERN 3728-86-10,6
Antenne Niedersachsen208-73-26,0
WDR 2950-70-6,9
R.SH Radio Schleswig-Holstein238-58-19,6
radio ffn418-44-9,5
1LIVE746-38-4,8
hr3288-38-11,7
BAYERN 11.104-37-3,2
bigFM HOT MUSIC RADIO147-37-20,1
Quelle: Agma (Hörer pro Stunde in Tsd. / Deutschsprachige Bev. ab 14 Jahren)
 

"Die aktuelle MA Audio bescheinigt der Gattung Radio/Audio einmal mehr starke Nutzungswerte, die in Summe auf hohem Niveau konstant bleiben" betont Jan Isenbart, Vorstand Radio/Audio der Agma. "Da in die Frühjahrserhebung bis Ende März nur zwei Corona-Wochen fielen, gibt es erwartungsgemäß keinen Sondereffekt in den Daten aus insgesamt 28 Erhebungswochen. Hinzu kommt, dass sich eine steigende Nutzung im Streaming-Bereich, wie sie die MA IP Audio dokumentiert hat, und ein leichter Rückgang beim Hören im Autoradio durch Lockdown und Home Office aktuell die Waage gehalten haben könnten. Die MA Audio bietet damit auch in besonders herausfordernden Zeiten eine verlässliche Planungsgrundlage für 2021." dh
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