Lead Awards

So erfindet sich Deutschlands "Medien-Oscar" neu / Porsche wird Hauptsponsor

Markus Peichl, Präsident der Lead Academy
© Lead Academy
Markus Peichl, Präsident der Lead Academy
Neues Konzept, neue Sponsoren, neue Location: Am 11. Dezember verleiht die Lead Academy nach einer Pause wieder ihre renommierten Medienpreise Lead Awards. Nun stehen die Blattmacher und das Publizistische im Vordergrund, nicht mehr nur schicke Layouts. Und sogar Massen- und Mainstreamtitel werden berücksichtigt. Der begehrte „Medien-Oscar“ reagiert auf die Realitäten im Markt und in der Gesellschaft – aus guten Gründen.

Im vergangenen Jahr pausierte der Wettbewerb; man war auf der Suche nach neuen Leitideen und Geldgebern. Schon 2016 fand das Event fast unter Ausschluss der Medienöffentlichkeit im Rahmen eines Abendessens statt – ohne große Sause in den Hamburger Deichtorhallen wie in vielen Jahren zuvor (die indes auch früher hin und wieder mal auf der Kippe stand).



Grund für die Aussetzer 2016 und 2017 war die Zurückhaltung der Sponsoren. Dazu zählten neben der Stadt Hamburg etliche Medienhäuser sowie Google, Boss und Otto Group. Wegen ihrer Umsatzrückgänge hatten vor allem die Verlage ihre Unterstützung zurückgefahren. Hinzu kam Kritik am Konzept: Zwar hat die Lead Academy längst nicht mehr nur Print-Magazine ausgezeichnet – sondern auch Zeitungen, Digitalmedien und Werbung –, doch abgesahnt haben häufig immer die gleichen Titel: Elitäre Coffeetable-Magazine sowie Supplements wie das "Zeit Magazin", in denen sich Kreative austoben können, ohne dass sich die Hefte eigenständig im Verkauf behaupten müssen. Dies schürte Zweifel an der Marktrelevanz der Lead Awards.

Nun wird vieles anders: Erstmals stehen die Macher der Print- und Onlinetitel im Zentrum, in sieben Kategorien. Außerdem spielen neben dem Visuellen nun auch die (Text-) Inhalte eine größere Rolle. "Die tiefgreifenden Veränderungen im Rollenverständnis von Presse und Publizistik" erforderten nach 20 Jahren ein neues Jurierungssystem und Kategorien, sagt der Lead-Awards-Vorsitzende Markus Peichl. Beide Neuerungen versteht er vor dem Hintergrund der Fake-News- und Hassrede-Debatten als "notwendiges Signal zur Stärkung einer freien, unabhängigen, couragierten Presse". In Zeiten, in denen Journalisten angegriffen werden, wolle man die Blattmacher "als Personen in den Vordergrund rücken, sie persönlich auszeichnen und ihnen damit für ihre Leistung und Beharrlichkeit danken", so Peichl.


Die dritte Neuerung: Alle Print-Gattungen sollen nun berücksichtigt werden, also auch Massen- und Mainstreamtitel. Dadurch werde die Vielfalt der deutschen Magazin- und Zeitungslandschaft besser abgebildet und alle kreativen Leistungen gewürdigt, heißt es. "Einen erfolgreichen Bigseller oder ein breitenwirksames Lifestyle-Magazin zu machen, erfordert eine große blattmacherische Anstrengung", sagt Peichl. Das habe sich in der Vergangenheit nicht immer deutlich genug im Wettbewerb niedergeschlagen.

Und die Sponsoren? Erstmals engagiert sich Porsche: Neben dem Headsponsoring vergibt der Autohersteller bei dem Event auch einen eigenen Porsche Award für den besten Independent-Blattmacher. Daneben unterstützen der Spiegel, die Süddeutsche Zeitung, die FAZ, die Zeit und die DuMont Mediengruppe die Veranstaltung – neben der Stadt Hamburg.

Unverändert bleibt dagegen das Grundprinzip: Einreichungen sind nicht möglich, das Vorschlagsrecht liegt allein bei der Lead Academy. Deshalb können sich diese Awards nicht so wie andere Preis-Events über Einreichungsgebühren finanzieren. Eine zwölfköpfige Vorjury sichtet die kompletten Jahrgänge von rund 450 Magazinen, 70 Zeitungen und 200 Onlineangeboten. Aus einer Vorauswahl kürt eine 30-köpfige Expertenjury die Nominierten und Preisträger. Die Lead Awards werden seit 1993 verliehen – wegen zweier Ausfälle in der Vergangenheit nun zum 25. Mal. Und erstmals im Bühnenkomplex Kampnagel in Hamburg. rp

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