Lauter Frauen

Das ist die neue Führungsspitze der taz

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Die neue Chefredaktion der taz: Barbara Junge (l.) und Ulrike Winkelmann
© taz / Jörn Neumann
Die neue Chefredaktion der taz: Barbara Junge (l.) und Ulrike Winkelmann
Ulrike Winkelmann kehrt erneut zur taz zurück. Sie wird gemeinsam mit Barbara Junge die Chefredaktion der Berliner Tageszeitung bilden. Die beiden folgen auf Georg Löwisch, der im Sommer zur Zeit wechseln wird. Junge ist derzeit Löwischs Stellvertreterin. Katrin Gottschalk bleibt Vize und soll sich insbesondere um die digitale Produktentwicklung kümmern.
Als Georg Löwisch Chefredakteur der taz wurde, hieß es intern, er bringe alles mit, was es für diesen Posten brauche, nur eines nicht, denn er sei ein Mann. Um den taz-Ansprüchen zu genügen, war es insofern geradezu zwingend, dass sein Vize eine Frau wird, und Löwisch holte sich gleich zwei Frauen an die Seite: Barbara Junge, damals noch mit ihrem Mann, Holger Stark, als Korrespondentin des Tagesspiegels in den USA, und Katrin Gottschalk, zu jener Zeit Chefredakteurin der feministischen Zeitschrift Missy Magazine.


Vier Jahre arbeitete das Trio an der Spitze der taz. Ende Januar wurde bekannt, dass Löwisch gekündigt hat. Von Sommer an wird er Autor der Zeit und Leiter der Redaktion Christ und Welt. Damit stellte sich die Frage, wer die taz in die Zukunft führt? Immerhin verliert sie nach Gründungsgeschäftsführer Kalle Ruch mit Löwisch innerhalb kurzer Zeit zwei Führungsfiguren. Gleichzeitig laufen die Vorbereitungen, sich von der Papierzeitung werktags zu verabschieden und die taz von Montag bis Freitag ausschließlich digital erscheinen zu lassen.

Per Videokonferenz erfuhr die fast komplett im Home-Office produzierende Redaktion der taz am heutigen Vormittag: Der fünfköpfige Vorstand hat entschieden. Löwischs Nachfolge treten zwei Frauen an. Gesetzt war die 52-jährige Barbara Junge, die sich bisher insbesondere um das Redaktionsbudget gekümmert hat. Co-Chefredakteurin wird jedoch nicht Gottschalk, sondern Ulrike Winkelmann.


Die 48-Jährige kehrt damit zum zweiten Mal zur taz zurück. Sie war von 1999 an unter anderem Chefin vom Dienst und Korrespondentin im Parlamentsbüro, wechselte 2010 zur Wochenzeitung Der Freitag, um aber schon nach einem Jahr zur taz zurückzukehren und das Inlandsressort zu übernehmen. Nach einem Streit mit der damaligen Chefredakteurin Ines Pohl gab Winkelmann die Ressortleitung ab, arbeitete wieder als Redakteurin und wechselte 2014 schließlich als Feature-Redakteurin zum Deutschlandfunk nach Köln. Ihren neuen Posten in Berlin wird sie erst im August antreten können. Junge führt bis dahin allein.

Und die 1985 geborene und damit deutlich jüngere Katrin Gottschalk? Sie bleibt, anders als Barbara Junge, stellvertretende Chefredakteurin. Entscheidend wird also sein, wie sich die drei Frauen die Arbeit aufteilen werden.
Katrin Gottschalk ist stellvertretende Chefredakteurin der taz
© Stefanie Kulisch
Katrin Gottschalk ist stellvertretende Chefredakteurin der taz
Anzunehmen ist, dass Junge eher nach innen, die auch durch ihre Auftritte bei Phoenix fernseherfahrenere Winkelmann dagegen eher nach außen wirken wird. Auf Gottschalk wiederum kommen jene Aufgaben zu, die für die Zukunft der taz entscheidend sind. Schwerpunktmäßig soll sie sich um die digitale Produktentwicklung kümmern.

"Wir freuen uns sehr, dass es uns gelungen ist, mit Ulrike Winkelmann eine profilierte und erfahrene Kollegin zur taz zurückzuholen“, sagte Vorstandsmitglied Pascal Beucker auf der heutigen Redaktionskonferenz. Mit ihr und Barbara Junge werde "ein starkes Frauenduo die Geschicke der taz-Redaktion lenken". Wichtig sei dem Vorstand darüber hinaus gewesen, dass Katrin Gottschalk ihre erfolgreiche Arbeit an der digitalen Transformation der taz innerhalb der Chefredaktion fortsetzt. usi
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