"Keine Chance gegen Google"

Burda stellt unabhängigen Browser Cliqz ein

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Sieht für Cliqz keine Perspektive: Burda-Chef Paul-Bernhard Kallen
© Hubert Burda Media
Sieht für Cliqz keine Perspektive: Burda-Chef Paul-Bernhard Kallen
Hubert Burda Media zieht bei dem Suchmaschinen- und Browser-Start-up Cliqz den Stecker. Man sehe keine Chance, sich langfristig gegen einen übermächtigen Monopolisten wie Google durchzusetzen. Von der Schließung sind 45 Mitarbeiter betroffen. Die Anti-Tracking-Software Ghostery wird weitergeführt. 
Burda hatte das 2008 gegründete Unternehmen 2013 mehrheitlich übernommen. Das ambitionierte Ziel des Unternehmens war es, einen unabhängigen Konkurrenten zum Suchmaschinenmonopolisten Google aufzubauen. Dabei wollte Cliqz die Nutzer vor allem mit der Kontrolle über die eigenen Daten von einem Wechsel überzeugen. 


"Wir haben eine vollkommen unabhängige Suchmaschine entwickelt und betrieben, mit der wir uns klar von vielen anderen abgesetzt haben, deren Produkte nicht auf eigenen Technologien aufbauen", sagt Cliqz-Gründer Jean-Paul Schmetz. "Wir haben jedoch gegen einen übermächtigen Gegner wie Google, der den Markt in jeglicher Hinsicht dominiert und abschottet, langfristig keine Chance. Wir bedauern es sehr, uns von Kolleginnen und Kollegen verabschieden zu müssen, die uns mit viel Engagement und Herzblut bei unserer Vision unterstützt haben." Von der Schließung der Bereiche Browser- und Suchtechnologien sind 45 Mitarbeiter betroffen. 

„Wir haben jedoch gegen einen übermächtigen Gegner wie Google, der den Markt in jeglicher Hinsicht dominiert und abschottet, langfristig keine Chance. “
Jean-Paul Schmetz
Die 100-prozentige Cliqz-Tochter Ghostery, die Anti-Tracking-Lösungen abietet, wird fortgeführt. Zusätzlich wird aus den Mitarbeitern von Cliqz ein Expertenteam gebildet, das sich insbesondere um technische Fachfragen wie Künstliche Intelligenz, Suche und den Einfluss von Technologie auf Medien kümmert. Für die auf Perfomance Marketing spezialisierte Unit MyOffrz wird eine Eingliederung bei Burda geprüft. 


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Wir haben über Jahre in Cliqz investiert, weil wir der Überzeugung sind, dass Europa eine eigene digitale Infrastruktur braucht, um zukunftsfähig zu bleiben", erklärt Burda-CEO Paul-Bernhard Kallen. Ohne die notwendigen politischen Strukturen auf europäischer Ebene komme man gegen die Übermacht der Tech-Riesen aus den USA und China jedoch nicht an. Hinzu komme, dass durch die Corona-Pandemie ein weitreichendes Innovationsprogramm in Europa auf absehbare Zeit nicht zu erwarten sei, so dass Burda alleine diesen Weg nicht länger vorantreiben können. "Ich bedauere dies sehr, denn die grundsätzliche Idee, ein Gegengewicht zu USA und China im europäischen Suchsektor zu etablieren, ist nach wie vor die richtige." dh
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