Katarzyna Mol-Wolf

"Ich hatte als Gründerin mit Klischees zu kämpfen"

Katarzyna Mol-Wolf ist HORIZONT-Medienfrau des Jahres 2018
© Olaf Ballnus/ HORIZONT
Katarzyna Mol-Wolf ist HORIZONT-Medienfrau des Jahres 2018
50.000 Besucher sollen in der kommenden Woche die Online Marketing Rockstars besuchen - wie in den Vorjahren werden es größtenteils Männer sein. Denn auch in der Digitalbranche wie unter Gründern sind Frauen in Führungspositionen unterrepräsentiert. Katarzyna Mol-Wolf, Gründerin von Inspiring Network, hat sich in diesem jahr erstmals mit dem "Emotion Women's Day" an die OMR angedockt und lockt damit mehr als 1000 Frauen am Vortag des OMR Festivals nach Hamburg. Wie es ihr selbst als Gründerin ergangen ist, erzählt sie Interview mit HORIZONT Online.

Der Anteil von Frauen in der Start-up-Welt ist mit 15,1 Prozent noch immer auf einem niedrigen Niveau (Female Founders Monitor 2019). Sie haben selbst ein Unternehmen gegründet. Woran liegt es, dass nur relativ wenige Frauen diesen Weg gehen? Selbstständige Mütter sind nicht ausreichend abgesichert, das verunsichert viele. Wir müssen Lösungen finden, die Frauen nicht weiter von einem Schritt in das Unternehmertum abhalten. Dafür wichtig ist auch, dass sie Vorbilder haben, denen sie nacheifern können. Die fehlende Sichtbarkeit von erfolgreichen Unternehmerinnen in den Medien und in der Wirtschaft sind für mich entscheidend. Wir brauchen mehr Gründerinnen und “Macherinnen”, die Anderen zeigen, dass es geht und dass es Spaß macht, ein Unternehmen zu führen und dass es auch viel Freiheit mit sich bringt - auch wenn man Mutter ist oder Mutter werden möchte. Auch müssen wir die Solidarität unter den Gründerinnen stärken. Frauen müssen lernen, sich gegenseitig viel mehr zu fördern und auch zu unterstützen, wenn es gerade einmal nicht so gut läuft. Dafür brauchen wir starke Netzwerke, die den nötigen Rückhalt geben. Darum geht es uns auch beim Emotion Women´s Day 2019: Es geht darum, dass wir zusammen weiter kommen!



Mussten Sie mit antiquiertem Rollenverständnis und Klischees kämpfen, als Sie Ihr Unternehmen gegründet haben? Ja. Bei der Suche von Investitionsmitteln habe ich festgestellt, dass das Thema Finanzierung ein sehr männlich besetztes Feld ist. Über 90 Prozent der VC-Budgets sind in Männerhand, denn Männer investieren gern oder zumindest bevorzugt in Männer. Dieses Muster müssen wir durchbrechen und junge Unternehmerinnen bei ihren ersten Schritten gezielt fördern. Seit ich Mutter geworden bin, werde ich auch immer wieder gefragt, wie ich mein Unternehmertum mit meiner Rolle als Mutter vereinbaren kann. Beispielsweise also die Frage danach, wann ich wieder angefangen habe zu arbeiten. Einem männlichen Unternehmer wird diese Frage nie gestellt.

„Wer ein Unternehmen gründen will, der sollte vor allem machen und nicht zu lange überlegen. “
Katarzyna Mol-Wolf
Haben Frauen und Männer andere Bedürfnisse beim Gründen, beispielsweise bei der Zusammenarbeit mit Geldgebern, bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie der Zusammenstellung der Teams? Ich glaube, dass Frauen manchmal erst gründen, wenn sie alle Eventualitäten bedacht und sich abgesichert haben. Aus Angst vor dem Scheitern dauern Entscheidungen manchmal zu lange, schlimmstenfalls werden Geschäftsideen sogar verworfen. Viel besser wäre es, wenn sich Frauen trauen würden einfach mal zu machen und etwas auszuprobieren. Wir brauchen eine Kultur, die statt Angst Mut macht. Denn darauf kommt es an. Frauen haben dabei aber auch eine große Stärke: Sie denken für alle mit. Empathie, Disziplin, großes Engagement oder auch ein besonderes Bewusstsein für nachhaltige Industrien sind Eigenschaften, die man besonders bei Gründerinnen findet.


Emotion Women's Day

Unter dem Motto “Zusammen (weiter) kommen” findet am 6. Mai im Hamburger Curio-Haus der erste Emotion Women´s Day, ein Partner-Event der Online Marketing Rockstars, statt. Zu Gast und mit Keynotes am Programm beteiligt sind unter anderem Staatsministerin Dorothee Bär, Digitalexpertin Verena Pausder und der Co-Gründer von „Male Feminists Europe“ Robert Franken. Internationale Speakerinnen wie Philippa Snare, Director of Marketing EMEA von Facebook, und Lina Khalifeh, Gründerin SheFighter, sind ebenfalls dabei.

Welche Tipps geben Sie Frauen, die ein Unternehmen gründen wollen? Wer ein Unternehmen gründen will, der sollte vor allem machen und nicht zu lange überlegen. Dabei sollten Gründerinnen nicht an ein mögliches Scheitern denken, sondern darauf vertrauen, was sie können. Und dass sie alles erreichen können, wenn sie wissen, wohin sie wollen und an sich selbst glauben. Auch die Meinung Anderer sollte sie nur wenig daran hindern, selbstbewusst voran zu gehen. Zu viele Meinungen oder der Einfluss von Klischees verunsichern nur unnötig. Entweder ist die Gründung erfolgreich, oder die Gründerin hat zumindest viel gelernt. In jedem Fall geht sie als Gewinnerin aus der Situation hervor. Interview: ems

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