Jugendmagazin

Christian Kallenberg bringt Pop Rocky zurück

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Die Neuauflage kommt in zwei verschiedenen Cover-Versionen in den Handel
© Pop Rocky
Die Neuauflage kommt in zwei verschiedenen Cover-Versionen in den Handel
Dieses Video-Gespräch in Corona-Zeiten ist ungewöhnlich. Im Hintergrund ist nicht der Klassiker zu sehen - das Bücherregal, von dem wir gefühlt inzwischen Tausende sahen. An der Wand hinter Christian Kallenberg hängt ein Poster von Bud Spencer. Der 44-Jährige ist Fan, bis heute hat er alte VHS-Videokassetten mit Bud-Spencer-Filmen. Er bringt jetzt eine alte Marke zurück in den Zeitschriftenmarkt: Das Jugendmagazin Pop Rocky ist wieder da. Das Poster von Spencer ist in der Sonderausgabe mit dabei.

Auf dem Titel des Magazins ist die Popsängerin Kim Wilde zu sehen, bei einer zweiten Variante Dieter Hallervorden. Wie früher hat das Magazin viele Poster im Innenteil - von Indiana Jones über Madonna bis zum früheren Torhüter Toni Schumacher. 


Über-Vierzigjährige sollen wieder in ihre Kind- und Jugendzeit zurückversetzt werden, als sie durch Pop Rocky blätterten. Die 1980er und 1990er Jahre, das ist die Welt von Pac-Man, Frauen mit Pferdeschwanz-Frisur, Männern mit Goldkettchen-Look, Madonna und MTV. Revivals sind anscheinend gerade in: Die Band Abba kommt nach 40 Jahren zurück - das freut viele, manchen erschreckt es auch. 
Die Neuauflage kommt in zwei verschiedenen Cover-Versionen in den Handel
© Pop Rocky
Die Neuauflage kommt in zwei verschiedenen Cover-Versionen in den Handel
Die Jugendzeitschrift Bravo wurde gerade 65 Jahre alt - es gibt sie bis heute, die Auflagenhöhe kommt aber nicht mehr an frühere Jahrzehnte ran. In der DDR gab es die Musik- und Kulturzeitschrift Melodie & Rhythmus. Der Titel überlebte auch, das Konzept hat sich aber verändert. Mit Pop Rocky in Westdeutschland lief es anders. Ende der 1998er Jahre war Schluss nach rund 20 Jahren. Die Marke verschmolz dann mit dem Jugendmagazin Popcorn - dem Bravo-Konkurrenten. 

Pop Rocky ist ab Donnerstag in den Zeitschriftenregalen wieder zu finden. Die Auflage der Sonderedition ist überschaubar - 46 000 Exemplare. Pop Rocky erreichte früher sechsstellige Auflagen. Ein E-Paper wird es nicht geben. Chefredakteur und Herausgeber Christian Kallenberg sagte der Deutschen Presse-Agentur: Nur Print, kein E-Paper. "Die Poster funktionieren als E-Paper nicht." 

In dem Heft geht es um die 1980er Jahre. "Wir wollen uns in der Zeit 1980er und 1990er Jahre bewegen. Ich glaube, das spricht die Zielgruppe an, die das damals gekauft hat. Die jungen Leute können mit der Marke nichts mehr anfangen", sagte Kallenberg. "Zudem gibt es schon die Bravo – da müssen wir uns nicht hinstellen und versuchen, bei der jungen Zielgruppe zu punkten."
In dem Magazin geht es zum Beispiel um die Top-Filme in den 80ern, es gibt ein Quiz und der frühere Moderator der Musik-Kultsendung "Formel eins", Peter Illmann, schreibt über die Neue Deutsche Welle. 

Ob es weitere Ausgaben von Pop Rocky geben wird, ist noch unklar. Kallenberg, der über mehrere Jahre auch Chefredakteur der Neuauflage der Kinderzeitschrift Yps war, sagte: "Es hängt jetzt ein bisschen davon ab, wie gut diese erste Ausgabe läuft. Der Plan ist: Wenn das halbwegs funktioniert, dass wir dann ein- maximal zweimal im Jahr weitere Spezials machen." 

Den launigen Werbespot zum Kiosk-Comeback von Pop Rocky hat übrigens die Münchner Produktionsfirma Gary Glotz produziert - mit Mastermind Peter "Bulo" Böhling als schnauzertragendem Spießer in der Hauptrolle. dpa/dh

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