Jérôme Boateng zu Boa

"Ein Magazin ist nicht so flüchtig wie eine Timeline"

Jérôme Boateng
© TERRITORY
Jérôme Boateng
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Am Samstag gibt´s Jérôme Boateng auch am Kiosk. Dann erscheint die erste Ausgabe des zweimonatlichen Boa-Magazins. Das 132 Seiten dicke Heft, das für 4,90 Euro zu haben ist, soll vor allem Mode-, Musik- und Sportinteressierte ansprechen. HORIZONT hat Boateng zu dem mit G+J und Territory entwickelten Magazinprojekt befragt.
Welche Rolle spielt speziell das Magazin für die Planung Ihrer "Karriere nach der Sportkarriere" – als Teil eines Geschäftsmodells oder für Sie persönlich? Derzeit bestimmt der Fußball mein Leben, das bleibt auch ein paar weitere Jahre der Fall. Eine Profikarriere beansprucht viel Energie und Hingabe. Ich überlege zwar manchmal, was danach kommen könnte, aber ich kann noch nicht konkret sagen, was folgen wird. Boa ist für mich in erster Linie eine Herzensangelegenheit. Ich will darin Geschichten aus meiner Welt erzählen. Und eine Plattform bieten für Menschen und Dinge, über die es sich zu berichten lohnt. Das ist mir wichtig. Ich will mit dem Magazin etwas zurückgeben. An die Fans, an meine Freunde, an meine Familie.


Im Internetzeitalter gibt es mit eigenen Websites und Social Media für Prominente viele Möglichkeiten, sich selbst, ihre Botschaften und ihre Produkte zu verbreiten – sogar mit direkten Möglichkeiten für Feedback und Erfolgsmessung. Warum setzen Sie ausgerechnet auf ein Print-Magazin? Ich beschäftige mich viel mit Mode. In verschiedenen Projekten designe ich Brillen, demnächst auch eine Taschenkollektion. Es macht mir Spaß, mich an kreativen Projekten zu beteiligen und mit anderen Kreativen eng zusammenzuarbeiten. Bei diesen Themen geht es immer um die Materialien, darum, wie sich etwas anfühlt. Und genau das mag ich an Print: das Gefühl und die Wertigkeit. Ein Magazin ist nicht so flüchtig wie ein Feed oder eine Timeline. Es bleibt, das gefällt mir.
So sieht das erste Titelcover der "Boa" aus
© G+J
So sieht das erste Titelcover der "Boa" aus
Man hört, dass Sie mit Ihrem Magazin auch politisch-gesellschaftliche Botschaften vermitteln möchten. Doch je deutlicher sich Prominente hier positionieren, desto mehr kann das die Fans polarisieren – hier große Zustimmung, dort scharfe Ablehnung, siehe Mesut Özil. Wie gehen Sie mit diesem Risiko um? Wie deutlich wollen Sie werden? Als Profifußballer und Nationalspieler bin ich heftige Kritik gewohnt. Besonders in den sozialen Netzwerken wird das oft sehr persönlich. Damit muss ich umgehen, jeden Tag. In meinem Magazin werde ich jetzt gewiss nicht den Politiker spielen. Ich will aber für meine Idee von Deutschland werben: für ein vielfältiges, offenes Land, in dem Menschen mit den unterschiedlichsten Backgrounds gerne zusammenleben. Ich glaube nicht, dass diese Einstellung meine Fans polarisieren wird. Das verbindet sie eher.
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