Journalismus unter Trump

"Ich glaube heute mehr denn je an unseren Beruf"

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New-Yorker-Kolumnistin Susan Glasser
© Gabriel Cristóver Pérez/Knight Center/CC BY 2.0
New-Yorker-Kolumnistin Susan Glasser
Susan Glasser ist eine der profiliertesten politischen Journalisten der USA. Sie arbeitet seit beinahe 30 Jahren in verschiedenen Funktionen als Korrespondentin in Washington, zuerst als Reporterin der Washington Post, später als Gründerin und Korrespondentin des Online Magazins Politico. Anfang der 90er Jahre war sie mehrere Jahre als Korrespondentin der Post in Moskau. Seit Beginn der Präsidentschaft Donald Trumps verfasst sie für den New Yorker die Kolumne "Letter from Trumps Washington" – "Brief aus Trumps Washington". Die Kolumnen sind gerade auf Deutsch bei WELTKIOSK erschienen. HORIZONT-Redakteur Sebastian Moll hat mit Glasser über die Arbeit von Journalisten seit dem Amtsantritt von Donald Trump, Qualitätsjournalismus in den USA und die Demokratie in dem krisengeschüttelten Land gesprochen.
Sie arbeiten seit vielen Jahren als Korrespondentin in Washington. Wie hat sich seit dem Amtsantritt von Trump ihre Arbeit verändert. Als ich in Washington angefangen habe, war noch der ältere George Bush Präsident. Die vergangenen Jahre unter Trump waren mit nichts vergleichbar, was ich vorher hier erlebt habe. Zu hören, dass Trump die Presse die "Feinde des Volkes" nennt, hat es mir kalt den Rücken herunterlaufen lassen. Das sind die Worte, mit denen Josef Stalin Millionen von Menschen in die Gulags geschickt hat. Ich glaube fest daran, dass Washington DC mittlerweile das Epizentrum globaler politischer Instabilität ist.

Was hat sich konkret an ihrer Arbeit geändert? Die große Veränderung in Washington in den vergangenen Jahren war die dramatische Veränderung der republikanischen Partei. Es hat nach 2017 einige Zeit gedauert, bis wir verarbeitet hatten, wie verrückt diese Administration ist. Man konnte 2017 noch Interviews mit republikanischen Abgeordneten und Angehörigen der Regierung führen, die an vorangegangene Administrationen erinnerten. Jetzt halten es Republikaner nicht mehr nötig mit uns zu reden oder irgendwelche ihre Handlungen gegenüber der Öffentlichkeit zu rechtfertigen. Das erinnert mich stark an die ersten Jahre Putins im Kreml. Als ich 2001 nach Moskau kam, gab es noch ein wenig der Offenheit der Jelzin Ära. Da konnte ich noch mit dem Stabschef im Kreml reden. Ein paar Jahre später hat niemand mehr mit Journalisten aus dem Westen geredet. Und das gleiche passiert jetzt in Washington.

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