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John Strelecky will noch einen Song für die Top-10 schreiben
Paul Landerl
John P. Strelecky

Das können Führungskräfte vom "Big Five for Life"-Konzept lernen

John Strelecky will noch einen Song für die Top-10 schreiben
Warum bin ich hier? Was will ich vom Leben? Und wie bekomme ich es? John P. Strelecky stellt die ganz großen Fragen. Mit seinem Buch "Das Café am Rande der Welt" wurde er zum internationalen Bestseller-Autor. Und seine "Big Five for Life"-Philosophie inspiriert weltweit Menschen, ihre Lebensziele zu finden und zu verfolgen. Was hinter dem Konzept steckt und was Führungskräfte daraus lernen können, verrät der 49-Jährige beim Deutschen Medienkongress 2019 – und vorab im Gespräch mit HORIZONT.
von Klaus Janke Donnerstag, 13. Dezember 2018
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John, Du willst Menschen helfen, sinnvoll zu leben. Millionen haben Deine Bücher gelesen, Deine Seminare und Workshops sind immer gut ausgebucht. Wie erklärst Du Dir diesen Erfolg? Sind die Leute so orientierungslos? Es steckt einfach in uns, nach dem Sinn unserer Existenz zu fragen. Früher glaubte ich, einer der wenigen zu sein, die darüber nachdenken. Viele denken, das sei so. Meine Bücher sagen den Menschen aber, dass andere diese inneren Kämpfe ebenfalls austragen. Und dass sie sich mit anderen darüber austauschen können. Sie sind nicht allein.



Die "Big Five for Life" sind die fünf Lebensziele, die jeder für sich definieren soll. Warum ausgerechnet fünf? Ich habe mich von den afrikanischen "Big Five" inspirieren, also von den fünf Tieren, die man auf einer Safari sehen will: Nashorn, Elefant, Büffel, Löwe und Leopard. Fünf sind eine sinnvolle Anzahl, die überschaubar ist und auf die man sich konzentrieren kann. Wenn die Liste zu lang ist, neigt man dazu, sich erst einmal das vorzunehmen, was leicht ist – und kommt vielleicht nicht mehr zu den viel wichtigeren Zielen.

Ist es heute schwieriger, sich auf die "Big Five" zu besinnen, als in früheren Jahrzehnten? Schwer zu sagen. In den westlichen Ländern nimmt auf jeden Fall der äußere Druck zu, weil man über digitale Geräte 24 Stunden am Tag erreichbar ist. Man kann kaum noch abschalten und wieder in Verbindung mit dem kommen, was man eigentlich tun will. Wenn ich mich rausziehen will, mache ich gerne eine Radtour. Wenn man das früher tat, war man komplett abgeschnitten und konzentrierte sich voll auf diese Erfahrung. Heute ist man ständig im Multitasking-Modus.
DMK 2019
Der 11. Deutsche Medienkongress findet am 22. und 23. Januar 2019 in der Alten Oper Frankfurt statt. Das zweitägige Branchentreffen liefert News, Trends und Inspiration von Unternehmenslenkern, Querdenkern und kreativen Köpfen aus Unternehmen, Medien und Agenturen. Einer der Höhepunkte der Veranstaltung ist die Verleihung des HORIZONT Award an die Männer und Frauen des Jahres 2018. Alle Informationen gibt es auf der Website des Deutschen Medienkongresses. Der Normalpreis für die Teilnahme beträgt 1399 Euro. Frühbucher-Tickets sind bis zum 31. Dezember zum reduzierten Preis von 899 Euro erhältlich. Darüber hinaus gibt es bei einer Anmeldung ab dem dritten Teilnehmer eines Unternehmens 50 Prozent Rabatt. Die Anmeldung berechtigt gleichzeitig zum kostenfreien Besuch des HORIZONT Award. Veranstalter des Deutschen Medienkongresses 2019 sind HORIZONT und dfv Conference Group.
Ist es schwierig, die "Big Five" zu identifizieren? Wichtig ist es, die Ruhe zu finden, sich damit zu beschäftigen. Viele Menschen können das gar nicht mehr. Dabei reicht das schon. Denn eigentlich weiß jeder im Grunde bereits, wie die "Big Five" für sein Leben lauten. In unseren Workshops helfen wir eigentlich nur noch, all das Überflüssige zu entfernen, das den Blick darauf verstellt.


Aber ist das nicht ein sehr starres Konzept? Es kann ja sein, dass sich die Hoffnungen und Träume im Laufe des Lebens ändern. Nein, es ist eigentlich ein flexibles Konzept. Wenn man beispielsweise ein Ziel verwirklicht hat oder es in den Hintergrund tritt, kann man ein neues nachschieben, die Liste also wieder auffüllen.

Besteht nicht die Gefahr, dass sich viele Menschen Ziele setzen, die sie sowieso nicht erreichen können, und dann frustriert sind? In unserer Arbeit ist es sehr wichtig herauszufinden, warum sich jemand etwas Bestimmtes wünscht. Wenn er sagt, dass er ein berühmter Schauspieler werden will, frage ich ihn nach der Motivation dahinter. Vielleicht will er damit Menschen inspirieren. Und das ist dann das eigentliche Ziel, das man vielleicht auch anders erreichen kann. Allerdings gibt es ja tatsächlich Leute, die berühmte Schauspieler werden – warum nicht Du? Das ist übrigens die positive Seite der digitalen Technologie. Wenn Du zum Beispiel gerne Gitarre spielen würdest wie Carlos Santana, dann war es für Dich nie leichter, seinen Stil zu erlernen, weil es im Internet so viele Informationen und Material dazu gibt. Du kannst Carlos Santana sein, ich auch!
„Du kannst Carlos Santana sein, ich auch!“
John P. Strelecky
Sollte man sich jeden Tag mit den "Big Five" beschäftigen? Möglichst ja. Man kann sich jeden Abend fragen, was der Tag dazu beigetragen hat, die Lebensziele zu verwirklichen. Wenn es dauerhaft keine Verbindung zu den "Big Five" gibt, läuft etwas schief. Dann bekommt man das Gefühl, vom Sinn abgeschnitten zu sein und nicht mehr selbstbestimmt zu leben. Man sollte daher umsichtig mit seiner Zeit umgehen. Das wird umso wichtiger, wenn man älter wird und die verbleibende Lebenszeit überschaubarer wird.

Hast Du Deine eigenen "Big Five" schon abgehakt? Nein. Ich reise zum Beispiel sehr gern, und habe die Ausgangserfahrung für das Konzept gehabt, als ich ein Jahr als Backpacker rund um die Welt unterwegs war. Reisen geht immer weiter, es ist nie ausgeschöpft. Ich habe eine riesige Weltkarte bei mir zu Hause hängen, und sehe da noch sehr viele interessante Ziele. Außerdem gehört es zu meinen "Big Five", einen Top-10-Song zu schreiben. Dieses Projekt ruht aber zurzeit.

Du hast das Lebenshilfe-Konzept auch in die Business-Welt übertragen, es gibt Workshops für Manager. Was kommen da für Leute, und was lernen sie? Eins vorweg: Ich habe nie geplant, meine Philosophie irgendwann für Workshops einzusetzen. Aber über die Jahre kamen immer wieder E-Mails von Lesern meiner Bücher, die mich um Hilfe gebeten haben, ihren Weg zu finden. Daraus sind letztlich die Workshops entstanden, auch für Manager. Wir sprechen damit Führungskräfte an, die ihre persönlichen "Big Five" auch im Unternehmen einsetzen wollen. In einem zweiten Schritt geht es dann darum, die persönlichen Ziele mit denen des Unternehmens zu verbinden. Viele Unternehmen haben aber nur ein "Big One for Life", nämlich Profit. Natürlich muss jedes Unternehmen profitabel sein. Aber die Frage ist doch, welcher Weg dahin führt: Will ich ein tolles Produkt anbieten? Will ich mit meinem Service Kunden zufriedener machen? Will ich das Ganze irgendwann klimaneutral gestalten? Und es läuft am besten, wenn man möglichst viele Mitarbeiter an Bord hat, deren persönliche Ziele mit diesem Weg übereinstimmen. Erfolgreiche Unternehmen zeichnen sich genau dadurch aus.

Du empfiehlst, nur Jobs anzunehmen, die mit den persönlichen "Big Five" verbunden sind. Ist das nicht ein bisschen zu idealistisch? Es dürfte kaum Menschen geben, die aus ihren "Big Five" einen Job an der Supermarktkasse ableiten, trotzdem muss das jemand machen. Und vielleicht hat er gar keine andere Wahl. Ja, das kann sein. Es kommt aber immer auf den individuellen Fall an. Ich habe einen Freund, der sehr lebenslustig und humorvoll ist. Als ich ihn nach dem besten Job gefragt habe, den er jemals hatte, sagte er: in der städtischen Kanalisation! Im Team seien nur die großartigsten Kumpels gewesen, die man sich vorstellen kann. Sie hatten viel Spaß, während sie auf der Suche nach schadhaften Stellen mit dem Fahrrad durch die Kanäle düsten. Abgesehen vom Geruch war dort für ihn alles optimal, weil er die Leute liebte, mit denen er gearbeitet hat. Oft sind es die kleinen Aspekte eines Jobs, die so wichtig sind und auf die "Big Five" einzahlen.

Was ist das Wichtigste, das Führungskräfte im Rahmen Deines Konzepts können sollten? Sie sollten jeden Mitarbeiter als individuellen Menschen sehen und kennen. Wer das nicht tut, schneidet sich vom menschlichen Aspekt der Arbeit ab. Wer es aber beherrscht, wird als Arbeitgeber immer attraktiver. Vor allem auf große Unternehmen trifft das häufig zu. Sie haben die Möglichkeit, die Besten der Besten einzustellen. Wenn man die Firma so führt, dass die Atmosphäre stimmt, dass die Kunden gut bedient werden und die Produkte gut sind, dann will jeder dort arbeiten. Dann kann man sich die Leute aussuchen und ein unschlagbares All-Stars-Team zusammenstellen, wie im Sport. Und dadurch wird man noch erfolgreicher.
„Wenn man die Firma so führt, dass die Atmosphäre stimmt, dass die Kunden gut bedient werden und die Produkte gut sind, dann will jeder dort arbeiten.“
John P. Strelecky
Im Zuge der Digitalisierung könnten viele Jobs verloren gehen und viele Menschen auf der Strecke bleiben, die nicht die notwendigen Qualifikationen für die neue Arbeitswelt haben. Werden damit Sinnkonzepte wichtiger, die nicht mehr so stark auf den Job als Lebensinhalt konzentriert sind? Diese Sorge teile ich nicht. Digitalisierung stellt ja nicht nur eine Gefahr dar, sondern bietet auch viele Chancen. Ein Bekannter hat mir kürzlich erzählt, dass er sich von seinem dreijährigen Enkel Funktionen auf dem Tablet erklären lässt. Die Technologie ist so weit fortgeschritten, dass schon ein Dreijähriger sie bedienen kann! Selbst wenn man total unbegabt ist, wird man in Zukunft mit avancierter Technik umgehen können. Das „Technological Gap“ innerhalb der Gesellschaft schließt sich.

Wie geht’s jetzt weiter? Was steht bei Dir auf der Agenda? Neue Bücher. Im Januar erscheint eine Fortsetzung der "Aha-Momente"-Serie, mit jeweils ein- bis zweiseitigen Kurzgeschichten.

Willst Du nicht auch das "Café am Rande der Welt" verfilmen? Ja, aber ich suche noch den richtigen Partner. Der Film muss so cool sein, dass man ihn noch besser findet als das Buch. Das kann nicht jeder.

Da das Buch ja autobiographisch ist: Wirst Du Dich selbst spielen? Nein. Ich bin vielseitig, aber Schauspielern gehört nicht zu meinen "Big Five".

Interview: Klaus Janke

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