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Jan Böhmermann auf der Dmexco
Dmexco
Jan Böhmermann auf der Dmexco

Was Spotify besser kann als das klassische Radio

Jan Böhmermann auf der Dmexco
Jan Böhmermann hält noch immer viel von den klassischen Medien - schließlich läuft sein "Neo Magazin Royale" weiterhin auf ZDF Neo. Bei seinem Podcast "Fest und Flauschig", den er zusammen mit Olli Schulz hostet, hat er sich jedoch anders entschieden. Denn das Audioformat, das damals noch "Sanft und Sorgfältig" hieß, wanderte 2016 vom Radio zum Streaminganbieter Spotify. Auf der Dmexco erklärt der Satiriker, was der Streaminganbieter besser kann als RBB und Co.
von Katharina Brecht Donnerstag, 13. September 2018
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Dass Spotify die "Fest und Flauschig"-Macher Böhmermann und Schulz verpflichtete, hat sich für den Streaming-Anbieter gelohnt: Das Format ist mittlerweile das internationale Flaggschiff für das Unternehmen. Kein anderer Podcast wird weltweit so häufig gehört wie dieser. Und generell nimmt die Podcast-Nutzung auf der Plattform zu: Im Vorjahresvergleich in Deutschland um 150 Prozent, international sogar um 367 Prozent. 


"Fest und Flauschig" wird auch erfolgreich vermarktet: Als Sponsor ist zum Beispiel Ebay im Boot. Doch wie kam es überhaupt dazu, dass Böhmermann und Schulz sich für Spotify und gegen das klassische Radio entschieden haben – obwohl sie einst beide eng mit dem Medium verbandelt waren?

„Ich habe im Flurfunk gehört, dass man Spotify und Netflix bei bestimmten Sendern auf keinen Fall on air nennen darf.“
Jan Böhmermann
Details zu der Entscheidung will Böhmermann im prall gefüllten Saal mit vielen stehenden Gästen nicht zu Protokoll geben, aber: "Die Initiative ging von beiden Seiten aus". Also sowohl von Spotify als auch von den beiden Moderatoren. Es habe einfach nicht mehr gepasst mit dem Radio. Zu viel Musik, zu wenig Content. Bei dem Streaminganbieter hingegen gab es ein Problem, denn es fehlten Identifikationsfiguren. "Spotify ist eine ausgefeilte Tech-Plattform, doch der menschliche Zugang fehlte. Heute bilden wir den menschlichen Hafen für Leute zwischen all den Algorithmen", so Böhmermann.


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Außerdem haben Böhmermann und Schulz hier beim Inhalt völlig freie Hand: Eine Redaktion gab es zu Anfang gar nicht. Die wurde erst mit "Fest und Flauschig" aufgebaut. Das war in den öffentlich-rechtlichen Häusern natürlich anders: Die Redaktionen wollten und mussten inhaltlich eingreifen. "Aber das ist schwierig, denn die Sendung lebt von uns und wie wir persönlich uns den Themen nähern", so Böhmermann. "Unser Format ist eben keine klassisch vorbereitete Sendung". Darum sei man nun mit Spotify auch gut aufgestellt. Der Satiriker ist sich jedoch sicher, dass in Zukunft auch der Streaminganbieter redaktionell mehr Einfluss auf die Podcasts haben wird. "Mit ,Fest und Flauschig' leisten wir hier Pionierarbeit in Deutschland."

„Spotify f**** das Radio? Weiß nicht genau“
Jan Böhmermann
Dass viele Radiomacher die Entscheidung von Böhmermann und Schulz nicht befürworten, liegt auf der Hand. "Ich habe im Flurfunk gehört, dass man Spotify und Netflix bei bestimmten Sendern auf keinen Fall on air nennen darf", plaudert der Satiriker aus dem Nähkästchen. Die Radiosender sehen die Streaminganbieter seiner Erfahrung nach nicht als neuen Player – sondern eher als "Gewitter am Horizont".

Trotzdem findet Böhmermann zum Schluss ein optimistisches Fazit und richtet einen Appel an alle Medienmacher: "Ich glaube, dass sich beide Seiten irgendwann die Hand geben und sich nicht weiter anekeln. Der Prozess muss nur von beiden Seiten ausgehen." Seine selbst aufgestellte These "Spotify f**** den Radiomarkt" beantwortet er sich selber deswegen auch mit: "Weiß ich nicht genau" - und verabschiedet sich von den Dmexco-Besuchern mit den Worten: "Wir sehen uns im Internet". bre
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