Jahreszeiten Verlag

Warum Thomas Garms der Chef aller Chefredakteure wird

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Thomas Garms wird „Head of Editorial Teams“ beim Jalag
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Thomas Garms wird „Head of Editorial Teams“ beim Jalag
Der Jahreszeiten Verlag (Jalag) stellt die Arbeit der Redaktionen seiner sechs Magazine nun systematisch auch in den Dienst der Werbevermarktung. Festzumachen ist dies an einer Top-Personalie: Die Hamburger holen Thomas Garms ins Haus und machen ihn zum "Head of Editorial Teams" – er wird damit Chef der Chefredakteure. Dies bedeutet wohl zweierlei.
Garms, 61, übernimmt die "übergreifende Führung der Redaktionen" und soll "die Stimme der Kreativen in der Führung des Unternehmens erheblich stärken", teilt der Jalag mit. Und lobt beim Neuzugang nicht nur dessen "substanzielle Erfahrungen als Chefredakteur" (Prinz, Fit for Fun, Men‘s Health, Welt am Sonntag, Hörzu), sondern ebenso als Medienmanager (Axel Springer Schweiz) – auch im Corporate Publishing. Derzeit wirkt der promovierte Musik- und Literaturwissenschaftler als Medienberater und als Verleger des Magazins Materialist (im Verlag Ocean Global).


Was genau Garms beim Jalag machen soll – die "Positionierung" und die "Vielfalt" der Magazinmarken "weiterentwickeln", heißt es lediglich –, erschließt sich nur indirekt. Man wolle die "Leistungsbreite und -tiefe" der Jalag-Titel (Feinschmecker, Lafer, Merian, Foodie, Architektur und Wohnen AW, Robb Report und ab April auch Cornelia Poletto) zur "Basis für den Aufbau neuer Geschäftsfelder" machen, sagt der neue CEO Jörg Hausendorf. Dafür brauche es "agile Redaktionsteams". Dies dürften Mitarbeiter als Ankündigung verstehen, die verbliebenen Redaktionen zusammenzulegen, etwa nach Thementeams – zumal Hausendorf von Bauer kommt, wo man Pool-Redaktionen seit langem kennt. Es werde im Zuge der Neuausrichtung keine Stellenstreichungen geben, betont er auf Nachfrage. Auch ein Pooling von Redaktionen soll es nicht geben, heißt es im Haus - wohl aber eine "institutionalisierte Vernetzung" der Redaktionen mit titelübergreifendem Ideenaustausch, Projekten und Koordination aufwändiger Produktionen.

Die mit der Personalie Garms verbundenen Ankündigungen lassen sich aber noch auf eine weitere Weise deuten. Der Jalag will "anspruchsvolle Markenartikler aus dem Luxus- und Premiumsegment mit innovativen und einzigartigen Angeboten begeistern", so der Verlag. Man darf also vermuten, dass unter Garms‘ Ägide die Redaktionen im Sinne der angestrebten Positionierung des Jalag als Marken-, Medien- und eben auch "Angebotsmanufaktur" auch werbliche Formate entwickeln und befüllen sollen. Auch dieses Prinzip kennt man, ein paar Nummern größer, von Bauer und mittlerweile auch anderen Verlagen. Auch der Jalag würde somit ein Stück weit zu einer Agentur, neben seiner Corporate-Publishing-Schwester HoCa X.


Was die Berufung Garms‘ und die "Transformation" des Jalag für die Redaktionsarbeit und generell für die Zusammenarbeit mit der Vermarktung bedeuten, wolle man in den kommenden Wochen mit allen Mitarbeitern diskutieren und in Workshops erarbeiten, so Hausendorf. rp
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