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Die Farbe Rot dominiert beim Blick auf die Auflagenzahlen

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Die Kioskzahlen brechen weiter ein. Im Vergleich dazu erweist sich das Abo als stabiler.
© Igor Saveliev / Pixabay
Die Kioskzahlen brechen weiter ein. Im Vergleich dazu erweist sich das Abo als stabiler.
Die an diesem Freitag veröffentlichten Auflagenzahlen der IVW treiben einem Tränen in die Augen. Wieder einmal. Ein Lichtblick sind die steigenden E-Paper-Anteile. Während die Einzelverkäufe zum Teil dramatisch einbrechen, erweisen sich die Abo-Zahlen als deutlich stabiler. Und in Berlin erfreut sich erneut nur eine Zeitung stabiler Verkäufe.
Der Stern verkauft nur noch 440 000 Exemplare: ein Minus von 8,4 Prozent zum Vorjahr; die Auflage von Gala (204 000 Ex.) sinkt um 10,5 Prozent; die Welt (107 777 Ex.) verliert gar 30,7 Prozent; Bild (1,37 Millionen Exemplare) schrumpft knapp zweistellig. Wenn es so weitergeht, dürfte Europas größte Boulevardzeitung im nächsten Jahr unter die psychologisch wichtige Auflagenschwelle von weniger als einer Million fallen – wie schon zuvor ihr Schwestertitel Bild am Sonntag, die nur noch auf etwas mehr als 700 000 verkaufte Exemplare kommt.


Es gibt kein Segment, in dem die roten Zahlen nicht dominierten. So verlieren die Tageszeitungen inklusive Sonntagsausgaben vier Prozent und verkaufen addiert erstmals weniger als 15 Millionen Exemplare. Die Publikumszeitschriften rutschen unter 80 Millionen, die Fachtitel unter 9 Millionen Exemplare.

Nur wenige Marken stechen positiv hervor. Dazu zählt das Manager Magazin mit einem Zugewinn von 7 Prozent auf nun rund 109 000 verkaufte Exemplare. Glimpflich verlief das Jahr für den Spiegel, der bei einer Auflage von nun 691 000 im Vergleich zum vierten Quartal 2018 weniger als 3 Prozent einbüßt. Bei den überregionalen Zeitungen schneidet die taz am besten ab. Sie verliert nur 1,7 Prozent, bleibt aber unter der Auflagenmarke von 50 000 Exemplaren.


Ob Tageszeitungen, Wochenzeitungen oder Publikumszeitschriften: Über die Gattungen hinweg bestätigt sich, dass die Abo-Auflagen deutlich stabiler sind als der Einzelverkauf. Ebenfalls verstetigt sich der Trend zum E-Paper. Ihre Auflagen stiegen titelübergreifend bei den Zeitungen um 17 und bei den Zeitschriften um knapp 20 Prozent.

Insbesondere sind es wieder einmal die Holtzbrinck-Zeitungen, die sich das Phänomen zunutze machen, allen voran das Handelsblatt, das die Auflage binnen Jahresfrist um 4,7 Prozent auf 134 897 steigern konnte. Die Zeit bleibt stabil bei etwas mehr als einer halben Million. Bei den Wochenzeitungen ist die Welt am Sonntag der einzige Titel, der Wachstum verbucht: plus 8,5 Prozent auf 397 000 Exemplare. Das scheint jedoch Marketingmaßnahmen zu verdanken zu sein, denn die harte Auflage sinkt weiter, wenn auch nicht in dem Maß wie die der FAS mit inzwischen 233 000 verkauften Exemplaren.

Ein Blick nach Berlin

Lohnenswert ist der Blick auf den Zeitungsmarkt der Hauptstadt nach der Übernahme des Berliner Verlags durch Silke und Holger Friedrich. Die Berliner Zeitung hat im vierten Quartal 2019, dem ersten nach dem Verkauf, mehr als zwölf Prozent ihrer Abonnenten und mehr als zehn Prozent im Einzelverkauf verloren. 83 690 meldet sie als verkaufte Auflage, davon 54 000 Abos und 7420 Kioskexemplare.

Beim Schwestertitel Berliner Kurier wurden (wie auch bei der B.Z. mit ihren insgesamt 88 792 verkauften Exemplaren) die "sonstigen Verkäufe" kurzerhand verdoppelt. Der Kurier meldet dadurch einen (vermeintlichen) Zuwachs auf 70 771 verkaufte Exemplare. Tatsächlich brach der Einzelverkauf um 19,4 Prozent auf 28 321 Exemplare ein (Abos: 22 008 Exemplare).

Schließlich ein Blick auf die beiden anderen Abo-Titel: Erneut stabil, auch bei den harten Zahlen, ist die Tagesspiegel-Auflage mit 116 647 verkauften Exemplaren (91 158 Abos, 8668 am Kiosk). Die Berliner Morgenpost dagegen leidet im Einzelverkauf im Vergleich zum Vorjahresquartal unter einem Verlust von 18,25 Prozent auf 5845 Exemplare. Hinzu kommen 43 193 Abonnenten. An die IVW gemeldet hat Funke eine Gesamtauflage in Höhe von 72 140 Exemplaren. usi
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