"House of Digital Solutions"

Bauer stellt auch Digitalredaktionen in den Dienst der Vermarktung

Das Team vom "House of Digital Solutions" (v.l.n.r.): Sinja Belgard, Steffen Schmid (Bauer Xcel Media), Annika Quiskbrock, Dirk Wiedenmann, Vanessa Palten-Rossi (Bauer Advertising)
© Bauer Media Group
Das Team vom "House of Digital Solutions" (v.l.n.r.): Sinja Belgard, Steffen Schmid (Bauer Xcel Media), Annika Quiskbrock, Dirk Wiedenmann, Vanessa Palten-Rossi (Bauer Advertising)
Alles ohne Grenzen, alles im Team: Bauer stellt seine Inhaltsproduktion jetzt speziell auch im Digitalen offensichtlicher in den Dienst der Werbevermarktung. Und noch etwas steckt hinter dem PR-Getrommel um das neue „House of Digital Solutions“.

Die Bauer Media Group führt ihre Vermarktungstochter Bauer Advertising (Geschäftsleiter Dirk Wiedenmann) und ihre Digitalsparte Bauer Xcel Media (wird in Deutschland von einem Trio geführt) zusammen unter das Dach der neuen „ergänzenden Serviceeinheit“ namens „House of Digital Solutions“. Damit mache man die Content-, Reichweiten- und Social-Media-Expertise des Hauses für Werbekunden besser zugänglich, heißt es.



Zum Start sollen rund 20 Experten etwa aus Redaktion, Vermarktung, Kreation, Audience Development und IT den Kern der von Hamburg aus agierenden neuen Unit bilden. „Wir reißen Mauern zwischen Fachbereichen ein, stellen schlagkräftige, dynamische Teams interdisziplinär zusammen und erweitern so unser Geschäft“, erhofft sich Wiedenmann einen „enormen Wissenstransfer im Innern sowie nach außen für Kunden“.

Das Angebotspaket umfasst neben crossmedialen Kampagnen auch digitales Corporate Publishing, Video- und Audio-Produktion sowie Schulungen zu Digital- und Social Media-Themen, also die berühmten „integrierten Kommunikationslösungen“ mit integrierter Content-Produktion, also Redaktion. An der Schnittstelle zur Vermarktung „ergeben sich ganz neue Möglichkeiten“, so Wiedenmann. Da nicht davon auszugehen ist, dass Bauer seine Vermarktungssparte auflöst und der Verlag zugleich nicht für dauerhafte Doppelstrukturen bekannt ist, kann man über die Zukunft von Xcel Media als Teil der neuen Publishing-Geschäftssäule nur spekulieren. Möglich, dass davon am Ende nur eine Hülle übrigbleibt.


Mit dem neuen „House of Digital Solutions“ baut Bauer das vermarktungszentrierte Arbeitsprinzip („House of …“) aus anderen Bereichen des Verlages nach: Bereits im vergangenen Jahr hatte man etwa bei Food, Mode/Kosmetik und Pharma manche traditionellen Grenzen eingerissen. Mittlerweile arbeiten viele Bauer-Journalisten ganz offiziell auch für Werbekunden und deren Advertorials, Corporate Publishing, Events und Influencer-Kampagnen. Nach Bedarf werden auch Marktforschung und Vertrieb (Targeting mit Abo-Daten) eingeschaltet – und nun eben auch alles Digitale.

Damit geht Bauer einen anderen Weg als Großverlage wie Axel Springer (Corporate Solutions), Burda (C3) und G+J (Territory), die ihr Content Marketing organisatorisch getrennt vom Publikumspresse-Publishing führen. Für Werbekunden klingt das verheißungsvoll, für journalistische Sittenwächter dagegen eher befremdlich. Denn bedeutet das, dass sich Kunden Einfluss auf Redaktionsinhalte erkaufen können? Nein, hieß es dazu im vergangenen Jahr im Verlag: Man verändere lediglich die Organisation – und nicht die „Sorgfalt bei der Trennung“ zwischen Redaktion und Werbung. Hier beachte man weiterhin alle geltenden Regeln. Aber es sei ja nicht verboten, Themen- und Zielgruppenwissen mit Kunden zu teilen, sie als Dienstleister zu beraten und Content für sie zu produzieren. rp

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