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Was die Preisträgerinnen Lara Lobschat und Lisa Schöler heute machen

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Lara Lobschat forscht und lehrt im Marketing-Department der Universität Maastricht
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Lara Lobschat forscht und lehrt im Marketing-Department der Universität Maastricht
HORIZONT-Stiftungspreisträgerin Lara Lobschat hat sich als Marketing-Professorin auf den Weg gemacht, Lisa Schöler zur Strategie-Expertin im Finanzmarkt entwickelt.
Den Weg in die Wissenschaft hat Lara Lobschat bereits eingeschlagen, als sie 2015 den Förderpreis der HORIZONT-Stiftung erhält. Gewürdigt wird ihre an der Uni Köln abgeschlossene Dissertation "Essays on Online Marketing Communications", die die Wirkung digitaler Werbeformen und die Erfolgsfaktoren viraler Marketingkampagnen untersucht.

Vom Award-Abend in Frankfurt ist Lobschat neben dem "sehr beeindruckenden festlichen Rahmen" vor allem die Keynote von Rocket-Internet-Gründer Oliver Samwer gegenwärtig. "In seinem Vortrag sprach er sich, auch schon im Jahr 2015, für mehr Mut zur Digitalisierung aus, was gerade mit Blick auf die Herausforderungen der heutigen Zeit mehr denn je aktuell ist", sagt Lobschat, die damals als Juniorprofessorin im Fachbereich Marketing an der niederländischen Universität Groningen tätig ist und nach einer Zwischenstation an der Uni Münster seit Oktober 2020 als Assistant Professor of Marketing an der Universität Maastricht arbeitet.

Lara Lobschat: Begeistert für Wissenschaft

Preis und Prämie der Stiftung haben ihr in mehrerlei Hinsicht geholfen. Das Fördergeld verwendete Lobschat, um einen Auslandsaufenthalt an der University of Texas at Dallas zu finanzieren. "Dort konnte ich das Arbeiten als Wissenschaftlerin an einer amerikanischen Spitzenuniversität kennenlernen und mein Netzwerk um renommierte Marketing-Wissenschaftler erweitern", berichtet sie. Aus diesen neuen Kooperationen seien mehrere erfolgversprechende Projekte entstanden, die Lobschat auf internationalen Konferenzen und in Praxisvorträgen präsentiert hat und die nun kurz vor der Einreichung bei renommierten wissenschaftlichen Journals stehen. Eine ihrer jüngst veröffentlichten Arbeiten befasst sich mit der Frage, ob und wie digitales Marketing und traditionelle Direktwerbung harmonieren. Die Studie, die Lara Lobschat zusammen mit Marketing-Professor Peter Verhoef und Doktorandin Lisan Lesscher von der Universität Groningen erarbeitet hat, trägt den Titel "Do Offline and Online Go Hand in Hand? Cross-Channel- und Synergieeffekte von Direktmailing und Display-Werbung". Das Forschertrio weist darin nach, dass analoge Werbung die digitale Aktivität von Konsumenten steigert, was sich etwa durch vermehrte Suchanfragen zeigt, die Wirkung von Displaywerbung verstärkt und letztlich den Umsatz ankurbelt.

Knapp sieben Jahre nach der Preisverleihung zieht Lara Lobschat ein positives Resümee: "Ich darf mich täglich mit Dingen beschäftigen, die mich begeistern." Sie habe vieles von dem erreicht, was sie sich vorgenommen habe. "Ich bin ein fester Bestandteil der Wissenschaftsgemeinschaft, die sich mit digitalen Themen und im Speziellen mit digitalem Marketing beschäftigt." Zudem kooperiert sie in der Forschung eng mit Praxispartnern und beschäftigt sich mit Themen, "die eine klare Relevanz für Firmen darstellen und mich als Wissenschaftlerin begeistern", so Lobschat. Obendrein hat sie große Freude daran, "meine Begeisterung für digitales Marketing an motivierte Studierende weiterzugeben". Ihr selbst ist es wichtig, einen Bogen zwischen Wissenschaft und Praxis zu spannen. Lobschat: "Ich möchte immer am Puls der Zeit forschen und Unternehmen sowie der Gesellschaft damit einen wirklichen Mehrwert bieten."

Lisa Schöler: Eingetaucht in die Praxis

Als Lisa Schöler im Januar 2011 mit einem Stipendium der Horizont-Stiftung ausgezeichnet wird, ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin der Goethe-Universität Frankfurt und arbeitet gerade an ihrer Dissertation. Doktorvater Bernd Skiera lobt das Engagement der jungen Frau, ihr sei "kein Weg zu weit und keine Aufgabe zu schwer". Wie genau sie die Weichen ihrer beruflichen Zukunft stellen will, hat die damals 26-Jährige noch nicht entschieden. Sie kann sich eine akademische Laufbahn vorstellen, aber auch eine Karriere in der Wirtschaft.
Lisa Schöler ist Director bei Strategy& Deutschland und berät Unternehmen aus der Finanzwelt
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Lisa Schöler ist Director bei Strategy& Deutschland und berät Unternehmen aus der Finanzwelt
Aus dem Preisgeld der Stiftung zieht sie jedenfalls ihre ganz persönliche Rendite. Schöler finanziert damit einen Teil der Ausgaben, die für ein mehrmonatiges Doktorandenprogramm an der University of Southern California in Los Angeles anfallen. "Die Zeit und der Forschungsaufenthalt in den USA haben sich gelohnt", sagt die gebürtige Frankfurterin rückblickend. Im Sommer des folgenden Jahres legt sie dann ihre Doktorarbeit zum Thema "Marketing: Value Creation or Value Destruction" vor – und wählt kurz danach den Weg in die Praxis. "Es drängte mich in die Wirtschaft, speziell in die Unternehmensberatung", erzählt Lisa Schöler.

Ihr erster Job führt sie zu Strategy& Deutschland (früher: Booz & Company), Teil des PwC-Netzwerks, wo sie bis heute arbeitet; seit 2019 im Range einer Direktorin. "Ich wollte vorankommen, hatte aber keinen fixen Karriereplan. Die Beförderung zur Direktorin ist natürlich ein schöner Erfolg für mich", sagt Schöler. In der Beratung fühlt sie sich nach wie vor gut aufgehoben: "Meine Erwartungen haben sich voll erfüllt." Was ihr besonders behagt, sind der gute Teamgeist, die internationale Zusammenarbeit, die spannenden Aufgaben bei Strategy&.

An den festlichen Abend in der Alten Oper erinnert sich Lisa Schöler noch bestens. Auch an die "vielen spannenden Persönlichkeiten aus der Branche". Zu "Männern und Frauen des Jahres 2010" gekürt wurden Uli Mayer-Johanssen von Meta Design, Hans-Otto Schrader, Chef der Otto Group, und Karl-Heinz Bonny vom Landwirtschaftsverlag für den Sensationserfolg "Landlust".
Bewerbung für 2022 läuft
Die Stiftungspreise für 2021 werden am 13. Oktober dieses Jahres in Frankfurt vergeben. Derweil hat die Ausschreibung für 2022 bereits begonnen. Einsendeschluss für Bewerbungen ist der 30. September 2021. Es wird ein Preisgeld von mindestens 15000 Euro ausgezahlt. Wiederum sind zwei Kategorien geöffnet: Das Stipendium trägt zur Finanzierung eines branchenbezogenen Studiums oder entsprechender Aus-/Weiterbildung bei, Kandidaten dürfen nicht älter als 30 Jahre sein. Der Förderpreis zeichnet herausragende Forschungs- und Projektarbeiten aus der beruflichen Praxis sowie akademische Abschlussarbeiten aus (Kandidaten: maximal 32 Jahre).

Bewerbungen bitte an:

HORIZONT-Stiftung
Martina Vollmöller
Mainzer Landstraße 251
60326 Frankfurt am Main
Tel: 069-7595-1602
E-Mail: martina.vollmoeller@dfv.de

Weitere Infos unter:
www.horizont-stiftung.de/ausschreibung/
"Bei einem Bewerbungsgespräch war die Auszeichnung durch die Stiftung immer ein Thema. Ein solcher Preis sticht heraus, und Führungskräfte aus der Wirtschaft kennen Horizont", sagt Schöler. Bei Strategy& ist sie spezialisiert auf Strategie-Beratung für Finanzdienstleistungen in Europa. Ihre Marketing-Expertise, die sie während ihres MBA-Studiums an der Uni Mannheim und in der Dissertation erworben hat, kann sie dabei bestens nutzen. Das Geschäftsmodell der Banken verändert sich, Filial- und Direktbanken ticken immer ähnlicher. Erst jüngst hat Strategy& in der Studie "Retail Banking Monitor 2021" die Herausforderungen der Branche analysiert und festgestellt, dass ein radikaler Rückbau des Filialnetzes droht. Demnach könnten bis 2023 rund 40 Prozent der Geschäftsstellen europäischer Privatkundenbanken geschlossen werden. Sie müssen sich, so das Fazit, neu erfinden. "Traditionelle Banken sollten ihre Filialen als zentrale Anlaufstelle in ein digitalisiertes Vertriebsmodell einbetten, um nicht vom Wettbewerb der Direkt- und Neobanken abgehängt zu werden", rät Schöler.

Die Stiftungspreisträgerin von 2011 fühlt sich in ihrer Rolle und mit ihren beruflichen Entscheidungen wohl: "Ich würde alles wieder so machen." rol 
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