HORIZONT-Stiftung

"Hard und Soft Skills sind gleich wichtig"

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Sönke Reimers, Sprecher der Geschäftsführung der dfv Mediengruppe und Vorstand der HORIZONT-Stiftung
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Sönke Reimers, Sprecher der Geschäftsführung der dfv Mediengruppe und Vorstand der HORIZONT-Stiftung
Seit 2006 unterstützt die HORIZONT-Stiftung Absolventen und Nachwuchskräfte aus der Branche. Nun gibt es einen Wechsel an der Spitze des Stiftungsrats: Sönke Reimers, Sprecher der Geschäftsführung der dfv Mediengruppe, übernimmt die Leitung von Gründer Klaus Kottmeier. Im Interview schildert Reimers, was junge Talente mitbringen sollten, um zu reüssieren, und wie die Stiftung weiterentwickelt wird.
Wenn Sie an Ihre Karriere zurückdenken: Hätten Sie sich als Absolvent oder Young Professional gewünscht, so etwas wie der Horizont-Stiftung zu begegnen? Ja, aber leider gab es das Anfang der 90er noch nicht. Die HORIZONT-Stiftung bietet den Preisträgern große Chancen, nicht nur aufgrund der finanziellen Unterstützung, sondern vor allem wegen der eigenen Wahrnehmung als Preisträger, sei es in den Unternehmen, in denen die Bewerber tätig sind, oder in der Branche. Sehr oft berichten uns Preisträger, dass ihnen diese Auszeichnung und die Förderung der HORIZONT-Stiftung bei ihrer beruflichen Entwicklung sehr geholfen haben.

Was müssen junge Talente heute mitbringen? Schon einiges: Der Stiftungszweck der HORIZONT-Stiftung liegt in der Förderung von begabten Nachwuchskräften, die mit großem Engagement, Ehrgeiz und Zielstrebigkeit ihre berufliche Karriere in Marketing, Werbung oder/und Medien vorantreiben. Und dann kommt es immer auch auf den Menschen an. Denn die Bewerber müssen den Vorstand und die Mitglieder des Stiftungsrats auch mit ihren ganz persönlichen sozialen Attributen überzeugen.

Zählen bei einem Kandidaten eher die Hard Skills oder die Soft Skills? Es ist beides wichtig. Für die Mitglieder des Stiftungsrats ist bei der Beurteilung jeder Bewerbung das Zusammenspiel zwischen den fachlichen Qualifikationen, der Präsentation, dem Potenzial und natürlich auch den persönlichen, methodischen und sozialen Kompetenzen von Bedeutung.
Bewerbung läuft
Die Stiftungspreise werden im Frühsommer 2021 vergeben. Die Ausschreibung hat begonnen, Einsendeschluss für Bewerbungen ist der 15. Februar 2021. Es wird ein Preisgeld von mindestens 15000 Euro ausgezahlt, in zwei Kategorien: Das Stipendium trägt zur Finanzierung eines branchenbezogenen Studiums oder entsprechender Aus-/Weiterbildung bei, Kandidaten dürfen nicht älter als 30 Jahre sein. Der Förderpreis zeichnet herausragende Forschungs- und Projektarbeiten aus der beruflichen Praxis sowie akademische Abschlussarbeiten aus (Kandidaten: maximal 32 Jahre).
Bewerbungen bitte an:
HORIZONT-Stiftung, Martina Vollmöller, Mainzer Landstraße 251,
60326 Frankfurt am Main
Telefon: 069-7595-1602,
E-Mail: martina.vollmoeller@dfv.de
Weitere Infos unter:
www.horizont-stiftung.de/ausschreibung/
Die Generationen Y und Z stellen andere Ansprüche an ihren Job als frühere Generationen. Wie nehmen Sie das wahr? Zwiespältig. Generation Y und Z treten selbstbewusst auf, sie zeigen Mut zu Veränderungen und haben eine ganz klare Vorstellung zu ihrer beruflichen Weiterentwicklung. Außerdem streben sie nach mehr eigenverantwortlichem Arbeiten, möglichst geringeren Hierarchien und flexibleren Arbeitszeitgestaltungen, um nur einige zu nennen. Das ist auch gut so, schließlich müssen wir alle aktuell einen umfassenden Transformationsprozess stemmen. Andererseits: Corona hat unser Leben und unser Handeln in einer nicht vorstellbaren Form verändert. Die Art, wie wir arbeiten, denken, leben, reisen und vieles mehr, wird sich ändern. Nach der Corona-Rezession wird die Wirtschaft sicher wieder wachsen, aber tendenziell langsamer. Dafür werden wir sehr hart arbeiten und einiges aushalten müssen. Wir stehen vor einer riesigen Bewährungsprobe und haben es mit Herausforderungen zu tun, deren Bewältigung uns an den Rand unserer Kräfte führen könnte. Ich stelle gerade in dieser Krise aber auch fest, dass die jungen Leute bereit sind, sich dem Wandel und den Herausforderungen zu stellen.

Was bedeutet das für einen Arbeitgeber? Bezogen auf unser Haus: Mit unseren Medien und Aktivitäten verfügen wir über einzigartige Vertrauensbeziehungen zu unseren Kunden. Mit unseren Produkten sind wir wichtiger Teil der Branchenidentität. Dieses Vertrauen ist wichtig, das ist unsere Basis. Denn Vertrauen hilft Komplexität zu reduzieren – privat und in Freundschaften genauso wie bei der Arbeit und im Unternehmen. Ich möchte, dass dfv auch dafür steht, dass wir den Kundenerfolg in den Fokus nehmen. Das heißt, Qualität, Unabhängigkeit und der Kundenerfolg. Darauf müssen sich alle Bereiche ausrichten. Unsere Produkte können nur erfolgreich sein, wenn wir über alle Funktionen hinweg gut arbeiten.
„Die Bewerber müssen den Vorstand und die Mitglieder des Stiftungsrats auch mit ihren ganz persönlichen sozialen Attributen überzeugen“
Was für Führungskräfte? Leadership, Organisation und Employer Branding werden immer wichtiger. Sie sind das Herzstück jedes Unternehmens. Es gibt viele Gründe, sie neu zu denken: die strategische Ausrichtung, Effizienzsteigerung durch Digitalisierung, die Auswahl und Einführung von Software-Tools, die Entwicklung von Mitarbeitern und Schlüsselqualifikationen, die gezielte Verstärkung durch Digitalexperten. Wir gewinnen dann, wenn wir uns auf das Wesentliche konzentrieren können. Dazu müssen ein klares Gesamtbild, die wichtigen Details, die Mitarbeiter und die passenden Werkzeuge zusammenkommen.

Die Digitalisierung beschleunigt den Wandel in eigentlich allen Branchen. Was bedeutet das für die Unternehmen, die in ihr tätig sind? Seit Corona weht der Wind des Wandels. Transformation ist kein Spaziergang. Innovationsgeist und Mut zur Veränderung sind erforderlich, damit die Unternehmen erfolgreich durch die Krise kommen. Nur Restrukturieren geht nicht, das hat mit Unternehmertum nichts zu tun, wir müssen parallel Perspektiven schaffen, die das Geschäft nach vorne treiben.

Welche neuen Arbeitsgebiete sind heute besonders relevant? Für uns sind fünf Dinge wichtig: Innovation und Transformation, Transparenz in der Kommunikation, Stärkung unserer Unternehmenskultur, die Verantwortung für die wirtschaftlichen Ergebnisse und dass wir wieder auf Wachstum umschalten. Das ist unser Anspruch für die nächsten Jahre.

Die Stipendiaten und Förderpreisträger der Horizont-Stiftung haben sich mit ganz unterschiedlichen Arbeiten beworben, von Dissertationen zur Marketingtheorie über Praxisprojekte im Onlinebanking bis hin zu Regie-Projekten. Mit welchem Thema oder Projekt könnte man Sie begeistern? Da kann und möchte ich mich nicht festlegen. Ich bin ein vielfältig interessierter Mensch. Es ist immer wieder mehr als beeindruckend, welch hervorragende Bewerbungen bei der HORIZONT-Stiftung eingehen, und jede ist auf ihre eigene Weise einzigartig und bemerkenswert.

Die Vielfalt der Preisträgerinnen und Preisträger der Horizont-Stiftung zeigt, dass es viele Karrierewege geben kann. Wie geradlinig muss ein Karriereweg heute sein? Oder ist gerade der Quereinstieg gefragt? Die HORIZONT-Stiftung, die Ende 2006 ins Leben gerufen wurde, spricht den gesamten qualifizierten Nachwuchs innerhalb der Branche an, unabhängig davon, ob der Bewerber, die Bewerberin auf einen geradlinigen Karriereweg blicken kann oder ob es sich um Quereinsteiger handelt. Alles ist möglich, jeder ist wichtig und alle werden gleich behandelt. Ausschlaggebend ist der deutliche Bezug zu unserer Branche. Es geht aber nicht ausschließlich um Inhalte, sondern auch um die Motivation der Bewerber/-innen, deren Fleiß bei der umfangreichen Erstellung ihrer Bewerbungsunterlagen und um ihre Leistungsbereitschaft.
Nachwuchs fördern
Im Jahr 2006 rief der Deutsche Fachverlag anlässlich seines 60. Geburtstags die HORIZONT-Stiftung ins Leben. Sie vergibt jedes Jahr Stipendien und Förderpreise an begabte Nachwuchskräfte aus Marketing, Werbung und Medien. Das Preisgeld wird aus den Stiftungserträgen finanziert. Über die Vergabe entscheidet der Stiftungsrat, dem rund ein Dutzend namhafter Vertreter aus Unternehmen, Agenturen, Medien und Verbänden angehören. Mehr unter www.horizont-stiftung.de.
Denken wir noch mal zurück: Wenn Sie noch mal Absolvent wären, welchen Beruf würden Sie sich aussuchen? Den gleichen! Ich würde alles wieder so machen, denn eigentlich habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht. Jetzt kommt noch die Arbeit als Stiftungsvorstand. Das ist mir in vielerlei Hinsicht eine Herzensangelegenheit und Antrieb. Die Arbeit von Klaus Kottmeier, dem Gründer der Stiftung, fortzusetzen zu dürfen, ist eine große Ehre für mich, etwas ganz Besonderes. Wie Kottmeier sehe ich in der Förderung des Branchennachwuchses die dringend erforderliche Investition.

Sehen Sie Möglichkeiten, die Stiftungsarbeit noch zu erweitern? Neue Wege erfordern immer Mut und Entscheidungsfreudigkeit, sind aber wichtig. Bei allen Möglichkeiten der immer stärker werdenden und notwendigen Digitalisierung wird auch zukünftig der Wunsch nach persönlichem Austausch, dem Netzwerken groß bleiben. Vielleicht schaffen wir es, den Nachwuchskräften noch mehr Möglichkeiten für den Austausch mit Top-Entscheidern zu geben. Zunächst blicke ich aber mit Stolz, Demut und Dankbarkeit auf die Institution und die Arbeit der HORIZONT-Stiftung. Es mir ein großes Bedürfnis, mich bei den Förderern der Horizont-Stiftung sehr herzlich zu bedanken. Sie machen unsere Arbeit erst möglich und tragen mit ihren Spenden ausschließlich zur Erfüllung des Stiftungszweckes bei. Dieses Engagement sehe ich keinesfalls als selbstverständlich an. Jede einzelne Spende zählt. Gerade jetzt, in Zeiten von Corona und Lockdown, gilt es für uns als Stiftung ganz besonders, engagierte Nachwuchskräfte und Talente in ihrer Weiterbildung zu unterstützen. Deshalb die Bitte: Helfen Sie uns auch weiterhin dabei, es ist eine Investition in unsere Zukunft. Interview: ems
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