Holtzbrinck

Frank Dopheide verlässt die Handelsblatt Media Group – doch warum?

Frank Dopheide
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Frank Dopheide
Paukenschlag in Pempelfort: Frank Dopheide, Chef der Handelsblatt Media Group, verlässt den Düsseldorfer Verlag zum Jahresende. Dies will man den Mitarbeitern des Hauses (unter anderem Handelsblatt, Wirtschaftswoche, Absatzwirtschaft) wohl im Laufe des Montags verkünden. Hintergrund sind offenbar Reibereien mit Aufsichtsrat Michael Grabner. Dies erinnert an Gabor Steingarts Fall.

Die Fakten sind fix erzählt: Frank Dopheide, seit 2014 einer der Geschäftsführer der Handelsblatt Media Group (HMG) und nach dem spektakulären Abgang des damaligen starken Mannes Gabor Steingart seit April 2018 auch Sprecher der dreiköpfigen HMG-Geschäftsführung, verlässt das Haus zum Jahresende. Der Vertrag des 55-Jährigen wird nicht verlängert – nach Angaben aus Verlagskreisen auf seinen Wunsch. Dopheides Posten wird zunächst nicht nachbesetzt; seine beiden Co-Geschäftsführer Gerrit Schumann und Oliver Voigt teilen seine Aufgaben (Marken- und Produktthemen, Vermarktung, Redaktionen, Events, Kommunikation) unter sich auf.



Seinen 40-Prozent-Anteil an der von ihm 2011 gegründeten Beratung Deutsche Markenarbeit, an der sich der Verlag 2014 mit seinem Start als HMG-Geschäftsführer mehrheitlich beteiligt hatte, verkauft Dopheide an den Verlag – man muss sich um ihn also keine Sorgen machen.

Er habe sich entschieden, "meinen Vertrag nicht erneut zu verlängern", heißt es in einer E-Mail an Weggefährten und Kollegen, aus der zuerst die Rheinische Post zitierte. Er plane, "wieder selbständiger zu werden". Hintergrund sind offenbar Differenzen hinsichtlich der Ausrichtung des Unternehmens. Gegenüber Führungskollegen habe er sich kritisch geäußert: "Reibung erzeugt Energie. In der Reibung von Aufsichtsrat und mir ist daraus Bremsenergie geworden", so Dopheide angeblich. Dennoch habe der Verleger Dieter von Holtzbrinck versucht, ihn mit einem neuen Vertrag langfristig ans Haus zu binden.


Tatsächlich deutet die Tatsache, dass Dopheide nicht (wie einst Steingart) Knall auf Fall geht, sondern bis Jahresende an Bord bleiben - ab Juli allerdings nicht mehr als Geschäftsführer - und auch neuere Projekte wie Ada vorantreiben soll, nicht auf akuten Zoff hin. Auch die Wort-Lorbeerkränze, die ihm der Verleger in der Pressemitteilung flicht, sprechen für diese Deutung. Doch wer sich in den vergangenen Wochen an unterschiedlichen Stellen bei Holtzbrinck nach dem Umbau des Konzern-Print-Vermarkters IQ Media (HMG, Zeit, Tagesspiegel) erkundigte, bekam den Eindruck, dass es ziemlich knirscht: Auf der einen Seite Dopheide, auf der anderen Seite die übergeordnete Holding DvH Medien mit ihrem mächtigen Aufsichtsratschef Michael Grabner, 70, und am Ende auch Verleger Dieter von Holtzbrinck, 77.

Über ein Jahr hat es gedauert, bis man sich auf den Umbau der Vermarktung geeinigt hat. Wer sich am Ende womit genau durchgesetzt hat, ist von außen kaum zu beurteilen: Die künftige Struktur der Holtzbrinck- und HMG-Vermarktung, die intern schon länger bekannt ist, trage Dopheides Handschrift, sagen einige. Allerdings habe er sich beim Verlagern der Tätigkeiten an die Einzelverlage HMG, Zeit und Tagesspiegel und beim Ausbau ihrer Eigenvermarktung schnelle und konsequentere Schritte gewünscht. Grabner dagegen hätte das Geschäft gerne weiterhin stärker zentral und vermeintlich synergetischer bei IQ Media gehalten, heißt es. Unklar ist bisher die Rolle von Zeit-Geschäftsführer Rainer Esser, der nebenbei auch als Geschäftsführer von DvH Medien firmiert. Klar ist dagegen, dass IQ-Media-Geschäftsführer Stefan Knieß das Unternehmen nach dessen Umbau, der einer Dezimierung gleichkommt, im Herbst verlässt.

Laut Flurfunk der vergangenen Wochen haben sich Dopheide und Grabner auseinandergelebt, gar "aneinander aufgerieben", sagt ein Beobachter. Hier ist es wohl nicht mehr nur ums "Projekt Strandperle" gegangen, um den Umbau der Vermarktung, sondern um Grundsätzliches: um Marktszenarien, Erlösmodelle, Investitions- und Personalverteilung, um neue Produkte. Das, was man aus Düsseldorf hörte, klang ein wenig wie eine Neuauflage des Konflikts einst zwischen Steingart und Grabner/von Holtzbrinck – mutige oder übermütige Digitaldenke versus traditionelle oder tradierte Verlagswelt –, nur ohne Eskalation. Mag sein, dass Dopheide, eher Marketer als Finanzer, auf diese Art des Managements keine Lust mehr hat. Er habe eigene, verlagsferne Geschäftsideen und wolle unternehmerisch tätig werden, heißt es in seinem Umfeld. Andere wollen von Reibereien wissen bei der gemeinsamen Agenturtochter Deutsche Markenarbeit.

Oder ging es auch um das laufende Sparprogramm der HMG, das Esser, Grabner und von Holtzbrinck vielleicht nicht ausreichte? Darauf deutet wenig hin. Das Programm sei "on track", sagt einer, der es wissen sollte. Beim Räsonieren über die Gründe für Dopheides Abgang darf man indes auch über Oliver Voigt nachdenken. Ihn haben Grabner und Esser Anfang 2019 als Co-Geschäftsführer nach Düsseldorf geholt, als Nachfolger für Ingo Rieper, der mittlerweile zu Steingarts Startup gewechselt ist. Voigt gilt als überaus machtbewusst – er war zuletzt Chef der Mediengruppe Österreich und davor (2006 bis 2010) Boss der damaligen österreichischen G+J-Tochter Verlagsgruppe News. Hat er einen Machtkampf gegen Dopheide gewonnen? Auch diese Spekulation ist erlaubt – und sie widerspricht auch nicht den übrigen Deutungen. rp

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