Hitler-Tagebücher

Warum der Stern bald "Schtonk!" in Dauerschleife zeigt

Das Pressehaus von Gruner + Jahr
Das Pressehaus von Gruner + Jahr
Er ist wieder da (der Skandal): Im Herbst zeigt der Stern anlässlich seines 70. Geburtstags erstmals öffentlich die gefälschten Hitler-Tagebücher von 1983 – das größte journalistische Desaster von G+J. Der Verlag öffnet seinen „Giftschrank“ aus einem ganz bestimmten Grund.

Doch erst einmal wird’s feierlich: Am 23. August bittet Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher aus Anlass des Stern-Geburtstags zum Senatsempfang ins Rathaus. Gut drei Wochen später, am 15. September, lädt der Stern seine Leser und alle Interessierte zum Tag der offenen Tür ins Hamburger Pressehaus, mit Rundgängen durch die Ressorts, Vorträgen und Interviews. Einen „Tag zum Austauschen und Diskutieren, der informieren und unterhalten will“, erhofft sich Chefredakteur Christian Krug. Die Tickets kosten 8 Euro.

An diesem Tag präsentiert der Stern auch die gefälschten Hitler-Tagebücher – den größten journalistischen Gruner-GAU. Andererseits: Das ist 35 Jahre her, und der Stern zeigt so souveräne Selbstkritik und -ironie. Oder geht es darum, die Jubiläumsberichterstattung in den Feuilletons von der zugegebenermaßen einfallslosen Beschreibung der Auflagen abzulenken? „Wir müssen von gar nichts ablenken“, entgegnet Stern-Publisher Alexander Schwerin im HORIZONT-Interview; der Stern sei die meistgelesene frei verkäufliche Zeitschrift im Land.

Das Jubiläum drehe sich um die Frage: „Was wissen die Leser eigentlich über Journalismus?“ Daher wolle man die eigene „handwerkliche Exzellenz“ am „Tag des Journalismus“ zeigen – „um für seine Notwendigkeit, seine Arbeitsweisen und auch für seine Angreifbarkeit zu sensibilisieren“, so Schwerin. Dies erreiche der Stern nur, indem auch er sich öffne, ebenso wie den „Giftschrank“ mit dem größten Flop. „Bei aller Sorgfalt im Umgang mit diesem Erbe pflegen wir da heute einen gelasseneren Umgang“, sagt Schwerin. So gelassen, dass am 15. September bei G+J die einschlägige Filmkomödie „Schtonk!“ in Dauerschleife laufen soll.

Am darauf folgenden Donnerstag (20. September) kommt das Stern-Jubiläumsheft mit einer Erweiterung auf 200 Seiten. Bereits zur Verleihung der Nannen-Preise im April erschien die 184-seitige Sonderedition „Was uns bewegt“ über 70 Jahre Journalismus im Stern. Das Interview mit Alexander Schwerin über den (Werbe-) Wert des Journalismus, alte Fehler und neue Geschäfte lesen Abonnenten in der HORIZONT-Ausgabe 29/2018 vom 19. Juli. rp




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