Herr der Zahlen

Michael Rathje wechselt vom G+J-Vertrieb als Finanzchef in die Spiegel-Geschäftsleitung

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Michael Rathje steigt beim Spiegel direkt in die Geschäftsleitung auf
© G+J
Michael Rathje steigt beim Spiegel direkt in die Geschäftsleitung auf
Der Spiegel-Verlag rekrutiert seinen neuen Finanzchef beim Gesellschafter Gruner + Jahr. Michael Rathje, seit sechs Jahren Kaufmännischer Geschäftsführer bei der G+J-Vertriebstochter DPV, wechselt im Januar als neuer Leiter Finanzen zum Nachrichtenmagazin. Diesen Posten befördert der Verlag jetzt außerdem in die Geschäftsleitung.
Rathje folgt damit auf Wolfram Finck, der als Leiter Rechnungswesen und Controlling das Haus nach 13 Jahren nach Verlagsangaben „auf eigenen Wunsch“ verlässt, um sich neuen Herausforderungen zu widmen. Fink war allerdings kein Teil der Geschäftsleitung, in die Nachfolger Rathje als 4. Mitglied einzieht, neben Felix Blum (Organisationsentwicklung), Anja zum Hingst (Kommunikation, Marketing) und Stefan Ottlitz (Produktentwicklung). Alle berichten direkt an Spiegel-Geschäftsführer Thomas Hass. Dieser dankt Finck für dessen „hervorragende Arbeit“ und „großes Engagement“ besonders beim Transformationsprozess.


Nachfolge Rathje, 41, bringe „ausgewiesene kaufmännische Expertise“ mit, so Hass. Der promovierte Diplom-Kaufmann und frühere Steuerberater und Wirtschaftsprüfer kam 2005 von der Deutschen Bank als Prokurist zum Prüfungs- und Beratungsunternehmen Mazars nach Hamburg. 2013 wechselte er als Chief Operating Officer und Chief Financial Officer zu Gruner + Jahrs DPV.

Man darf davon ausgehen, dass Rathjes Wechsel zum Spiegel weniger über eine harte Abwerbung erfolgte, sondern eher in enger Abstimmung mit G+J – auch ohne dessen Veto-Recht als Spiegel-Gesellschafter (25,5 Prozent) ins Spiel zu bringen. Denn die G+J-Vertriebstochter DPV wird umgebaut, inklusive Stellenabbau auch durch das neue Joint-Venture mit Bauer. Verdiente Führungskräfte weiß man da gerne adäquat untergerbacht. Rathje habe „die strategische Neuaufstellung des DPV entscheidend vorangetrieben“, lobt und dankt Gruner-COO Oliver Radtke. Beim DPV wird seine Stelle nicht nachbesetzt; Co-Geschäftsführerin Christina Dohmann soll einen Großteil seiner Aufgaben übernehmen.


Manche Spiegel-Mitarbeiter (sie halten 50,5 Prozent am Verlag) dürften die Personalie indes traditionell auf ihre Weise deuten – als nach etwa dem Werbebündnis Ad Alliance weiteren Schritt der operativen Inbesitznahme des Nachrichtenmagazins durch G+J. Auch Co-Geschäftsleiter Felix Blum kam 2015 als Personalchef von G+J zum Spiegel, ebenso wie zahlreiche Führungskräfte in der Redaktion. rp
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