Handelsblatt-Geschäftsführer Frank Dopheide

"Wir wollen nicht mehr die USA oder China erobern"

Will den Kulturwandel angehen: Frank Dopheide
© Frank Schemmann
Will den Kulturwandel angehen: Frank Dopheide
"Klar fehlt er mir" – das sagt Frank Dopheide, Sprecher der Geschäftsführung der Handelsblatt Media Group, über Gabor Steingart. Sein Vorgänger und Mentor, von Verleger Dieter von Holtzbrinck nach einem Streit im Februar abgesetzt, habe eine große Lücke hinterlassen. Im HORIZONT-Interview erklärt Dopheide, wie er sie füllen will. Bei einem speziellen Projekt jedoch ändert er die Ausrichtung.

"Weil wir Gabor nicht nachbauen konnten, sind wir vom System Leitwolf auf Schwarmintelligenz gewechselt", sagt Dopheide: "Alle 1106 Mitarbeiter müssen etwas mehr strampeln. Hat aber funktioniert." Werbekunden und Leser hätten Handelsblatt und Wirtschaftswoche wegen dieses Falles nicht verloren. Steingarts einstiges Kernprodukt, der Morning-Briefing-Newsletter, habe mit Sven Afhüppe (Chefredakteur Handelsblatt) und Hans-Jürgen Jakobs (Senior Editor) sogar 30.000 neue Bezieher gewonnen. Und mit Steingarts eigenem Newsletter "kommen wir uns kaum ins Gehege".



Und generell? "Wir verfolgen unsere Strategie konsequent weiter, wir biegen nicht ab und treten nicht auf die Bremse", sagt Dopheide. Wobei der Kulturwandel eine noch größere Herausforderung sei als der Technologiewandel – "wir müssen unsere Phantasie aufrüsten". Bei den Produkten, bei der strategischen Ausrichtung: Zu lange hätten die Verlage unter den Verlockungen des großen Anzeigengeldes ihr Augenmerk auf die Werbeindustrie gelenkt.
„Weil wir Gabor nicht nachbauen konnten, sind wir vom System Leitwolf auf Schwarmintelligenz gewechselt.“
Frank Dopheide zu Gabor Steingart
Will sich wieder verstärkt direkt um Werbekunden kümmern: Frank Dopheide
© Frank Schemmann
Will sich wieder verstärkt direkt um Werbekunden kümmern: Frank Dopheide
"Wir haben die Leser zwar mitgenommen, aber eher im Gepäckraum." Und bei der Werbevermarktung habe man sich zu sehr den Mediaagenturen mit Programmatic Advertising und Reichweiteneffizienz zugewendet – und von den eigentlichen Werbekunden und ihren Themen Individualität, Wirkung und Innovation abgewendet.

Wie er das weiter ändern will, das sagt Dopheide im HORIZONT-Interview. Außerdem, warum der Grundkonflikt auch seines Hauses (Geschäfte mit den Unternehmen, über die man schreibt) eigentlich keiner mehr sei und warum er für E-Mobilität und Weiterbildung fürs digitale Leben die neuen Marken Edison und Ada erschafft, anstatt diese Zukunftsthemen Handelsblatt oder Wiwo zu gönnen.


Apropos Zukunft: "Die Höhenflüge der Zukunft werden durch die schweißtreibende Arbeit im Maschinenraum erst möglich", sagt Dopheide und verrät, was dies zum Beispiel im Vertrieb bedeutet: "Wir möchten in alle Co-Working-Spaces in Deutschland. Als Flatrate. Unsere Marken sollen immer mit dabei sein, als Teil des hinzubuchbaren Angebots." Damit könne man schon in frühen Phasen von Unternehmensgründungen mit künftigen Zielgruppen in Kontakt kommen.

Bei Steingarts Prestigeprojekt, der Handelsblatt Global Edition, nennt Dopheide eine bescheidenere Ausrichtung: "Mit ihr wollen wir die Sprachgrenze überwinden, aber nicht mehr die USA oder China erobern, sondern die Expats und die englischsprachige Business-Community in Deutschland." Vertriebswege seien Flughäfen, Handelskammern und Business Schools. Nur eine Vision gönnt er sich hier: "Wer weiß, vielleicht entsteht durch den Brexit, wenn die Financial Times in London bleibt, für uns eine strategische Lücke – als einzige englischsprachige Stimme aus EU-Europa." rp

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