Hamburger Mopo

Die komplette Führungsspitze soll vor dem Abgang stehen

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Noch ein Neu-Verleger. Arist von Harpe
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Noch ein Neu-Verleger. Arist von Harpe
Wenige Tage vor seiner offiziellen Übernahme der Hamburger Morgenpost (Mopo) in der ersten Märzwoche hat der künftige Verleger Arist von Harpe offenbar wichtige Personalentscheidungen getroffen. Angeblich tauscht er die Führungsspitze des Boulevardblattes komplett aus – und auch sich selbst ein.
Laut taz sollen Chefredakteur Frank Niggemeier (seit Februar 2008 auf diesem Posten) und sein Stellvertreter Alexander Krug (erst seit Herbst 2018) gehen. Neuer Chefredakteur soll der frühere Vize-Chef Maik Koltermann werden, der das Blatt im vergangenen Sommer im Streit mit Krug verlassen hatte. Auch Geschäftsführerin Susan Molzow (seit Februar 2010) soll bei der Mopo abtreten. Bald-Verleger von Harpe, der ihren Posten offenbar selbst übernehmen will, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.


Die Demission von Niggemeier, Krug und Molzow wäre alles andere als eine Überraschung, hatte von Harpe doch bereits mit dem Bekanntwerden seines Mopo-Deals im Interview mit HORIZONT kritische Töne angeschlagen gegenüber dem bisherigen Print- und Online-Kurs des kleinen Verlages – den letztlich auch der bisherige Eigentümer DuMont verantwortet. Niggemeier hatte die Print-Mopo Ende 2017 relauncht, mit dem Ziel, daraus ein Debattenblatt zu machen. "Wir müssen schauen, dass und wie wir das zentrale Print-Produkt noch besser machen", mit mehr Hamburger Inhalten, erklärte der In-spe-Verleger vor drei Wochen.

Krug wiederum steht für den Reichweitenausbau des Portals Mopo.de – ohne Paid Content und mit vielen Inhalten (und damit oft auf Kosten) des Blattes. Und zusätzlich bisweilen mit Clickbaiting durch die Übernahme bunter Meldungen anderer Medien und aus Social Media. "Die ausschließliche Orientierung an Reichweite und Klicks schadet nach meiner Beobachtung vielen Medienmarken mittelfristig. Und Medien, die bloß Inhalte kuratieren, berauben sich ihrer Stimme und Daseinsberechtigung", so von Harpe jüngst. Mehr zum Fall (der) Mopo siehe hier.


Dem möglichen Neu-Chefredakteur Maik Koltermann attestiert die taz rückblickend dagegen ein "Bekenntnis zum Qualitätsjournalismus". Und signalisiert ihren Lesern - oder eher dem Bald-Verleger - aus (Teilen) der Belegschaft, dass sich die anfängliche Freude über den Eigentümerwechsel in "verhaltenen Optimismus" abgeschwächt habe. Dass ein Digitalmanager nun bald Verleger werde, das "lässt Fragezeichen im Raum stehen", so die taz und lässt beklagen, dass es bisher keine konkreten Ansagen gebe von ihm. Schon bevor er den Verlag mit 70 Mitarbeitern offiziell übernimmt.

Molzow wiederum, die die Mopo per Management-Buy-out selber übernehmen wollte, hatte kurz nach Bekanntwerden des Verkaufs an von Harpe auf Anfrage gegenüber HORIZONT mitgeteilt, dass 2019 "der Turnaround hin zum agilen Digitalunternehmen gelungen" sei. "In einem ausgefeilten, internen Prozess haben wir das Digital-First-Konzept entwickelt und seit dem Sommer 2019 erfolgreich umgesetzt – jeden Monat können wir seither nennenswerte Reichweitenzuwächse verzeichnen", so Molzow und verwies zudem auf die Eröffnung des "Discovery Dock", einem Virtual-Reality-Erlebnishafen als Touristenattraktion. "Für mich persönlich war 2019 das erfolgreichste Jahr meiner Karriere", resümierte die bisherige Geschäftsführerin. rp
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