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Christian Krug gibt Stern-Chefredaktion ab

Christian Krug war seit 2014 Chefredakteur des Stern
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Christian Krug war seit 2014 Chefredakteur des Stern
Abschied nach vier Jahren: Christian Krug zieht sich aus der Chefredaktion des Stern zurück. Der 52-Jährige bleibt aber bei Gruner + Jahr und wird ab Januar "Chefredakteur Neue Geschäftsfelder". In dieser Funktion soll er "weitere inhaltliche Geschäfte entdecken, entwickeln und fördern", teilt der Verlag mit. Seine Nachfolge treten Florian Gless und Anna-Beeke Gretemeier an.
Krug hatte im Oktober 2014 den damaligen Chefredakteur Dominik Wichmann abgelöst. Der Stern konnte in den vergangenen Jahren publizistisch zwar einige Duftmarken setzen - in Erinnerung ist etwa das Exklusiv-Interview mit dem damaligen SPD-Chef Sigmar Gabriel geblieben - den anhaltenden Auflagenschwund des Wochenmagazins konnte aber auch der ehemalige Chefredakteur des People-Magazins Gala nicht stoppen. 


In seiner neuen Position soll sich Krug nun also um den Ausbau neuer inhaltlicher Geschäftsfelder kümmern. "Mit dieser neuen, markenübergreifenden publizistischen Position forciert Gruner + Jahr abermals die Transformation und unterstreicht seinen Anspruch als kreativster und innovativster Verlag", heißt es in der Mitteilung von Gruner + Jahr. Der Verlag hat in den vergangenen Monaten zahlreiche neue Titel auf den Markt geworfen, darunter Personality-Magazine wie Dr. v. Hirschhausens Stern Gesund Leben, JWD mit Joko Winterscheidt, Guido mit Guido Maria Kretschmer und BOA mit Jérôme Boateng. 

"Ich danke Christian Krug sehr herzlich für seine hervorragende Arbeit und sein großes Engagement für den Stern", sagt Gruner + Jahr-Chefin Julia Jäkel: "Mit seiner Freude am Journalismus und der großen Lust auf gute Geschichten hat er den Stern in den vergangenen Jahren geprägt und damit auch zum Erfolg der neuen Magazine entscheidend beigetragen. Wir freuen uns nun sehr auf die Zusammenarbeit mit Christian in der neuen Aufgabe." 


"Ich blicke mit großer Dankbarkeit auf die Zeit beim Stern", sagt der scheidende Chefredakteur: "Ich hatte noch keine beruflich schönere Station – und auch keine forderndere. Ich gehe in die neue Aufgabe bei G+J voller Vorfreude. Und zugleich freut es mich für die Stern-Redaktion sehr, dass dort nun großartige Kollegen antreten, die neue Impulse setzen werden. Ich wünsche ihnen und der Redaktion das Allerbeste." 
Das neue Stern-Führungsteam: Frank Thomsen, Florian Gless und Anna-Beeke Gretemeier
© Guido Rottmann
Das neue Stern-Führungsteam: Frank Thomsen, Florian Gless und Anna-Beeke Gretemeier
Nachfolger von Krug werden Florian Gless, bislang Publisher Wissen, und Stern.de-Chefredakteurin Anna-Beeke Gretemeier als gleichberechtigte Chefredakteure. Sie übernehmen die redaktionelle Verantwortung für die gesamte Stern-Markenfamilie inklusive der digitalen Angebote (Stern, Stern Digital, Crime, Dr. v. Hirschhausens Stern Gesund Leben, JWD, Neon.de, Nido und View). Gruner+Jahr-Kommunikationschef Frank Thomsen, 53, wird Publisher News. Zu der Gruppe gehört neben den Titeln der Stern-Familie auch das Kunstmagazin Art. Er wird darüber hinaus Publisher Wissen rund um die Geo-Markenfamilie und P.M. – gemeinsam mit Gerd Brüne, der im Laufe des kommenden Jahres altersbedingt ausscheiden wird. Thomsen bleibt zugleich Leiter Kommunikation und Marketing. 

"Der Stern mit allen seinen Angeboten war nie größer und hat nie mehr Menschen erreicht als heute", betont Gruner+Jahr-Chefin Julia Jäkel: "Wir setzen auf die einzigartige Kraft der Marke und glauben, dass hier noch viele Innovationen entstehen werden. Das neue Team an der Spitze hat die besten Voraussetzungen dafür. Sie vereinen journalistische Leidenschaft, digitales Wissen, Führungskraft und sind vor allem sehr kreativ und ideenreich." 

Klar ist: Der Job als Chefredakteur des Stern ist ebenso prestigeträchtig wie schwierig. Der Stern verliert seit Jahren rapide an Auflage. Im dritten Quartal war die verkaufte Auflage des Magazins um 12,8 Prozent auf 514.889 Exemplare gesunken. Ein Trend, der nach Meinung von Krugs Vorgänger Wichmann nicht aufzuhalten ist.

Im Interview mit HORIZONT sagte der ehemalige Stern-Chefredakteur erst kürzlich, die Annahme, dass die Auflage der großen Publikumszeitschriften in den nächsten Jahren mit den Wechsel zu neuen Chefredakteuren plötzlich wieder steigen könnten, sei "geradezu lächerlich falsch": "Das soll nicht heißen, dass es keine handwerklichen Unterschiede gibt, natürlich gibt es die. Es macht einen Unterschied, ob ich in der IVW bei minus 5 Prozent oder minus 15 Prozent im Jahr lande – und dieser Unterschied ist beeinflussbar. Nicht aber der generelle Abwärtstrend." dh
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