Google-Zentraleuropachef Philippp Justus

"Wir sind Anhänger eines freien Internets"

Google-Manager Philipp Justus im Gespräch
© Björn-Arne Eisermann
Google-Manager Philipp Justus im Gespräch
Als Zentraleuropachef von Google ist man automatisch auch Top-Mann eines bei Medienhäusern höchst umstrittenen Unternehmens. Doch wo die Kontrahenten den Technologie-Konzern scharf attackieren, betont Philipp Justus das partnerschaftliche Verhältnis. Selbst Amazon bleibt von dieser Umarmungstaktik nicht verschont: "Amazon nutzt auch unsere Plattformen, um die Produkte, die sie verkaufen, zu vermarkten", sagt Justus im Interview mit HORIZONT Online.

Herr Justus, Burda-Vorstand Philipp Welte macht Ihr Unternehmen für das schleichende "Siechtum journalistischer Medien und der hinter ihnen stehenden Unternehmen" mitverantwortlich. Ärgert den ehemaligen Medien-Manager Justus das? Ich nehme unsere Zusammenarbeit mit Verlagen und Publishern ganz anders wahr. Google hat in den vergangenen zwei Jahren mit vielen Medienhäusern enge Kooperationen aufgebaut. Dass es im Vermarktungsbereich ein Wettbewerbsverhältnis gibt, ist völlig klar. Die Herausforderungen für die Verlagsbranche durch die Digitalisierung sind Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Arbeiten, jeder Versuch, Technologieunternehmen zu den Hauptverantwortlichen zu erklären, geht fehl und wird dem Thema meiner Meinung nach nicht gerecht.

Das Verhältnis von Google zu Medien war schon Thema unseres letzten Gesprächs vor zwei Jahren. Weltes Kommentar ist ein Indiz dafür: Die Stimmung ist nicht besser geworden. Das sehe ich ganz anders, und das wird mir auch von vielen Verlagen zurückgespielt. Es hat sich sehr viel getan – angefangen mit unserer Digital-News-Initiative, dem Innovationsfonds, der schon 2015 aufgesetzt wurde, bis hin zu neuen Produkten wie den Accelerated Mobile Pages, die bei einem Brainstorming mit Verlagen entwickelt wurden und dafür sorgen, dass die mobilen Websites der Verlage viel schneller laden. Auch mit Produkten wie "Subscribe with Google" leisten wir einen wichtigen Beitrag, um digitale Abos, eine zentrale Erlösquelle für immer mehr Verlage, zu stärken.

Wenn das Verhältnis so gut ist, wie ist dann der harsche Aufruf von VDZ und BDZV an europäische Wettbewerbsbehörden zu interpretieren, den neuen Dienst Google for Jobs doch bitte genau zu beobachten. Tenor: Google arbeitet nicht fair. Das Bemerkenswerte ist doch, dass vom ersten Tag an Job-Plattformen von Verlagen wie der FAZ, Zeit oder der Südwestdeutschen Medienholding Partner unseres Angebots sind.

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