"Goldene Kartoffel"

Julian Reichelt erscheint zwar zur Preisverleihung, lehnt den Preis aber ab

Bild-Chef Julian Reichelt
© Getty Images / Maja Hitij
Bild-Chef Julian Reichelt
Am Samstag verlieh der Verein "Neue deutsche Medienmacher" im Rahmen seiner Jubiläumsfeier erstmals die "Goldene Kartoffel" für "unterirdische Berichterstattung" über die Einwanderungsgesellschaft. Erster Preisträger des Negativpreises ist Bild-Chefredakteuer Julian Reichelt. Der erschien zwar persönlich zur Preisverleihung, lehnte die Trophäe aber ab. Seine Begründung war zumindest originell. 
Zur Erinnerung: Der Verein Neue deutsche Medienmacher (NdM) hatte Ende Oktober bekannt gegeben, einen Preis für besonders einseitige oder missratene Berichterstattung über Aspekte der Einwanderungsgesellschaft zu vergeben. Der Verein, der unter anderem vom Auswärtigen Amt, dem Bundesfamilienministerium und diversen Stiftungen und Medienunternehmen unterstützt wird, kümmert sich um die Belange von Journalisten mit Migrationshintergrund kümmert. Bild-Chefredakteur Julian Reichelt habe sich nach Meinung der Jury als erster Preisträger qualifiziert, da die eigentlich fortschrittliche Bild unter seiner Führung wieder "eine Rolle rückwärts" gemacht habe. 


Bild stehe "für Unsachlichkeit, Vorurteile und Panikmache", wenn es um die Themen Integration, Migration und Asyl gehe, für doppelte Standards in der Berichterstattung über Menschen mit und ohne Migrationshintergrund und für einen "stark ethnozentrischen Blick auf unsere Einwanderungsgesellschaft und deren Herausforderungen". In seiner ironischen Laudatio auf Reichelt sagte NdM-Vorstand Sheila Mysorekar, in den Texten der Bild habe "jeder Ausländer ein Messer in der Hand, in der andern einen Asylantrag, und mit der dritten Hand geht er einer Blondine an die Wäsche". 


Vorwürfe, die Reichelt nicht auf sich und seiner Redaktion sitzen lassen wollte. Zur Preisverleihung am Samstag erschien er in Begleitung des Bild-Nachrichtenredakteurs Mohammad Rabie, der selbst 2015 aus Syrien nach Deutschland geflohen war und eigenen Angaben zufolge selbst für einige der beanstandeten Schlagzeilen etwa zu den Ereignissen in Chemnitz oder jüngst zu der Gruppenvergewaltigung einer jungen Frau in Freiburg verantwortlich war.


Er habe sich über den Negativpreis für die Bild geärgert, so der 28-Jährige, der bei der Bild volontiert hat. Er stellte die Frage in den Raum, ob der Verein nicht selbst Vorurteile gegenüber Bild pflege und doppelte Standards setze. "Ich g
laube, dass Ihr Bild von 'Bild' nicht richtig ist. Sonst würde ich auch nicht für 'Bild' arbeiten. Ich sehe es als meine Aufgabe als Reporter bei 'Bild', Dinge anzusprechen und beim Namen zu nennen, egal ob die Geschichte sie zum Lachen oder zum Weinen bringt!" 

Reichelt 
verteidigte sich in seiner Ansprache ebenfalls gegen die Auffassung des Vereins, die Bild berichte einseitig über Themen wie Flüchtlinge. Den Preis lehnte er unter anderem mit der Begründung ab, "Kartoffel" sei auf Schulhöfen mittlerweile eine "Beschimpfung geworden, die sich tatsächlich auf Rasse und Herkunft bezieht und das ist in keiner Weise liebevoll gemeint". dh
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