GfK-Studie

Warum Sprachassistenten als Fernbedienung noch keine Rolle spielen

Bei Amazons Fire-TV-Stick ist eine Alexa-Sprachfernbedienung inklusive
© Amazon
Bei Amazons Fire-TV-Stick ist eine Alexa-Sprachfernbedienung inklusive
"Alexa, starte The Walking Dead!" Mit digitalen Sprachassistenten wie dem von Amazon lassen sich inzwischen auch Fernseher und Streaming-Boxen steuern. Doch wenn es darum geht, Alexa, Siri und Co tatsächlich auch als Fernbedienung zu nutzen, sind die deutschen Verbraucher eher skeptisch. Eine aktuelle Studie zeigt vielmehr, dass die Vorbehalte deutlich überwiegen.

Gut 1000 Verbraucher ab 18 Jahren hat der Marktforscher GfK im Mai 2019 im Auftrag der Deutschen TV-Plattform per Computer Assisted Web Interview befragt. Das Ergebnis lässt die Schlussfolgerung zu, dass Alexa, Siri und der Google Assistant noch weit davon entfernt sind, die klassische Fernbedienung zu ersetzen.



Ganz im Gegenteil. Sprachassistenten spielen bislang keine große Rolle beim Videokonsum - und zwar über alle Altersgruppen hinweg. Lediglich 17 Prozent der Befragten nutzen gelegentlich Alexa, Siri & Co. für die Steuerung ihrer TV- und Streaming-Geräte. Wichtigster Grund für die Zurückhaltung: 69 Prozent der Befragten haben oder hätten Bedenken bezüglich des Schutzes ihrer Daten, 66 Prozent halten die Bedienung per Sprache noch für zu umständlich und ungenau, und für 56 Prozent der Befragten bietet "Voice Control" im Vergleich zur Fernbedienung zu wenig Funktionen. Vor diesem Hintergrund ist es auch nicht verwunderlich, dass die Mehrzahl der Befragten (57 Prozent) der Ansicht ist, dass Spracheingabe die Fernbedienung nicht ersetzen wird. Immerhin meinen 62 Prozent, dass sich Sprachsteuerung gut für Basisfunktionen wie "Start", "Stop" oder "Umschalten" von Sendern eignet.

Auch wenn die Zuschauer digitalen Assistenten noch mehrheitlich die kalte Schulter zeigen, stehen Tools, die die Nutzung von Bewegtbildinhalten erleichtern, hoch im Kurs. So nutzen bereits 44 Prozent der 18-39-Jährigen bei der Programmauswahl Vorschläge in Mediatheken und Streamingdiensten. Fast ebenso viele, nämlich 43 Prozent aus dieser Altersgruppe, wünschen sich individuelle Empfehlungen für Sendungen, Filme oder Serien, die beim Einschalten automatisch nach dem jeweils persönlichen Geschmack unterbreitet werden. Bei älteren Verbrauchern ist die Nachfrage deutlich geringer. In der Altersgruppe 50 Plus wünschen dies im Schnitt nur 15 Prozent der Befragten.


Dafür stehen bei den Älteren gedruckte Programminfos erwartungsgemäß hoch im Kurs. Immerhin 58 Prozent der Verbraucher ab 40 Jahren verschaffen sich in Programmzeitschriften oder Tageszeitungen einen Überblick über das Programm. Bei den 18- bis 39-Jährigen sind es lediglich 22 Prozent. Wohin diese abgewandert sind, ist keine Überraschung. So nutzen 43 Prozent der 18-39 Jährigen Online-Programminfos und Apps. Von den Über-40-Jährigen tun das lediglich 25 Prozent. 

Die Deutsche TV-Plattform

Die Deutsche TV-Plattform ist ein Zusammenschluss von über 50 privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern, Streaming-Anbietern, Geräteherstellern, Infrastrukturbetreibern, Service- und Technik-Providern, Forschungsinstituten und Universitäten, Bundes- und Landesbehörden sowie anderen, mit den digitalen Medien befassten Unternehmen, Verbänden und Institutionen. Ziel des eingetragenen Vereins ist seit seiner Gründung 1990 die Einführung digitaler Technologien auf Grundlage offener Standards. In den Arbeitsgruppen der Deutschen TV-Plattform engagieren sich Vertreter aus nahezu allen Bereichen der Medienbranche und der Unterhaltungselektronik, um Weichen für Schwerpunktthemen des digitalen Rundfunks zu stellen.

Aus Sicht von RTL-Manager Andre Prahl, der auch Vorstandsvorsitzender der Deutschen TV-Plattform ist, zeigen die Ergebnisse der Studie, dass personalisierbares Fernsehen und Empfehlungssysteme gerade für jüngere Zuschauer zunehmend wichtiger werden. "Das bietet unserer Branche die Chance, entsprechende Angebote zu machen, ist aber angesichts der großen Menge von Inhalten und Plattformen auch eine komplexe Aufgabe", weiß Prahl. mas

stats