Gebremste Konjunktur

Vaunet rechnet mit Rekordumsatz für audiovisuelle Medien, senkt aber die Prognose

Vaunet-Geschäftsleiter Frank Giersberg
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Vaunet-Geschäftsleiter Frank Giersberg
Der Rundfunkverband Vaunet (ehemals VPRT) schraubt seine Frühjahrsprognose für die audiovisuellen Medien herunter. Obwohl die Zahlen weiterhin im Plus liegen, wird die Wachstumserwartung sowohl bei der Entwicklung der TV-Umsätze als auch beim Radio gesenkt. Unklar ist, ob diese Entwicklung bloß ein Ausreißer ist – oder die Trendwende markiert und der Punkt erreicht ist, an dem es für die Gattungen nicht mehr so bergauf geht wie bislang.

So prognostiziert Vaunet für 2018 der Fernsehwerbung ein Netto-Wachstum von circa 0,5 Prozent auf einen Umsatz von 4,61 Milliarden Euro. In der Frühjahrsprognose ging der Verband noch von einem Anstieg um 1 bis 1,5 Prozent aus. Im Vorjahr betrug das Wachstum 0,7 Prozent. Trifft die neue Prognose zu, läge das TV-Plus unter Vorjahresniveau. Auch in Sachen Instream-Werbung rudert der Verband leicht zurück. Er rechnet nun mit einem Wachstum von 15 Prozent, nicht mehr von 15 bis 20 Prozent. Damit bestätigt sich das Bild vom Jahresbeginn, als die Vermarkter bereits über schwächere Instream-Umsätze klagten.



Insgesamt sollen die Umsätze aus Bewegtbildwerbung – linear und non-linear – um 1,9 Prozent auf 5,17 Milliarden Euro wachsen. In der Frühjahrsprognose ging man noch von einem Anstieg zwischen 2,3 und 3,3 Prozent auf maximal 5,2 Milliarden Euro aus. Im Vorjahr lag der Umsatz durch Bewegtbildwerbung bei circa 5,1 Milliarden Euro: Damit wurde erstmalig die 5-Milliarden-Euro-Umsatzgrenze geknackt. Trotz der reduzierten Prognose liegt der erwartete Umsatz in diesem Jahr darüber.

Auch bei den Zahlen für Radio tritt Vaunet auf die Bremse. Statt zwischen 2,5 und 3 Prozent sollen die Netto-Werbeumsätze nur noch um 2 Prozent steigen – auf rund 800 Millionen Euro. Dafür wurde Instream-Audiowerbung offenbar zuvor unterschätzt.
„Eine besondere Wachstumsdynamik sehen wir in den Segmenten der Streaming- und On-Demand-Angebote.“
Frank Giersberg
In diesem Bereich erhöht der Verband die Prognose auf einen Anstieg um 50 Prozent. Im Frühjahr rechnete man noch mit einem Plus von 30 bis 40 Prozent. Die Netto-Werbeumsätze sollen sich auf 44 Millionen Euro belaufen. 2017 lag der Umsatz noch bei 29 Millionen Euro. Insgesamt soll der Umsatz bei Radio- und Audiowerbung laut Vaunet um 3,7 Prozent wachsen und sich auf 843 Millionen Euro belaufen. In der Frühjahrsprognose ging man allerdings noch von 845 Millionen Euro aus.


Vaunet-Geschäftsleiter Frank Giersberg glaubt trotz der offenbar gebremsten Entwicklung an die audiovisuellen Medien. "Auch im laufenden Jahr steigt die Nachfrage nach audiovisuellen Medieninhalten und Werbeumfeldern über alle Segmente weiter an", kommentiert er die Ergebnisse. "Eine besondere Wachstumsdynamik sehen wir in den Segmenten der Streaming- und On-Demand-Angebote." Zuschauer, die Amazon Prime und Netflix nutzen, sind jedoch für die werbungtreibende Industrie verloren, weil die Dienste – noch – werbefrei sind.

Für alle audiovisuellen Medien in Deutschland errechnet Vaunet 2018 ein Umsatzplus von 725 Millionen Euro – ein Anstieg um 6,2 Prozent. Insgesamt soll der Umsatz damit 12,44 Milliarden Euro betragen. Das ist trotz der korrigierten Prognose ein neuer Rekordwert. Im Vorjahr waren die Umsätze bereits auf 11,71 Milliarden Euro gestiegen.

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