Fußball-Bundesliga

Die Details des Eurosport-Deals mit DAZN

Bei DAZN freut man sich auf die Bundesliga
© DAZN
Bei DAZN freut man sich auf die Bundesliga
Eurosport hat bestätigt, dass die eigenen Rechte an der Fußball-Bundesliga in den kommenden zwei Spielzeiten von DAZN verwertet werden. Der Sender vergibt eine Sublizenz an den Streaming-Dienst, der damit erstmals Live-Bilder von Deutschlands höchster Spielklasse zeigen kann. Die Bild hat allerdings nur die Hälfte der Geschichte erzählt - denn eine Einbahnstraße ist der Deal nicht.
So hat sich Eurosport von DAZN die Zusage eingeholt, dass der Streaming-Anbieter künftig die Sender Eurosport 1 und Eurosport 2 in sein Angebot integriert. Die Vereinbarung gilt für Deutschland, Österreich, Italien und Spanien. "Für Eurosport bedeutet die Kooperation mit DAZN einen weiteren Reichweitenausbau für seine Sportinhalte mit einem neuen Verbreitungspartner", heißt es dazu in einer Pressemitteilung von Discovery Deutschland.


Im hauseigenen Eurosport Player werden die Spiele der Fußball-Bundesliga dagegen nicht mehr zu sehen sein. Auf der Plattform hatte Eurosport bislang 40 Bundesligaspiele am Freitagabend, fünf Ausweichpartien sonntags um 13:30 Uhr bzw. montags um 20:30 Uhr sowie den DFL Supercup und die vier Relegationsspiele übertragen. Diese Partien werden künftig von DAZN selbst produziert und verbreitet.

Nutzer des Eurosport-Angebots bei Amazon Prime sowie HD+-Kunden müssen sich nur auf einen Wechsel des Logos und der redaktionellen Aufmachung einstellen, sonst bleibt für sie alles gleich. Auch für Eurosport-Kunden in der Schweiz ändert sich nicht: Die Vereinbarung mit DAZN bezieht sich nur auf Deutschland und Österreich. In der Schweiz werden die Bundesliga-Spiele auch weiterhin bei Eurosport 2 HD Xtra über Swisscom/Teleclub und im Eurosport Player-Angebot für Amazon Prime-Kunden ausgestrahlt.


Der Bundesliga-Rechtewechsel erfolgt mit Zustimmung der Deutschen Fußball Liga (DFL). Die teilt mit, dass die Berichterstattung vor Anpfiff, in der Halbzeitpause und nach Abpfiff in der redaktionellen Verantwortung von DAZN erstellt werde und ein entsprechendes Logo trage. Auch die vertriebliche Zuständigkeit gehe auf DAZN über, "was unter anderem öffentliche Vorführungen etwa in Gaststätten betrifft", heißt es in der DFL-Mitteilung. Beide Seiten arbeiten laut DFL an einem Angebot, das es den bisherigen Abonnenten des Eurosport Players möglich machen soll, auch weiterhin die Bundesliga-Inhalte sehen zu können. "Zusätzlich wird Eurosport den Bundesliga-Fans ein außerordentliches Kündigungsrecht gewähren und hierzu direkt den Kontakt mit seinen Abonnenten aufnehmen", teilt die Liga-Organisation weiter mit. Die Summe von rund 70 Millionen Euro, die DAZN laut Bild für die Bundesliga-Rechte an Eurosport zahlt, kommentieren weder Eurosport noch die DFL.

"Wir freuen uns über diese Partnerschaft, die einen wichtigen Beitrag zu unserer Wertschöpfungskette leisten wird. Sie zeigt eindrucksvoll, wie geschätzt und werthaltig unsere Marken im Sportbereich sind. Ich bin mir sicher, dass wir mit der Verbreitung unserer Sender bei DAZN noch mehr Sportfans für unsere Eurosport-Übertragungen begeistern werden", sagt Susanne Aigner-Drews, Geschäftsführerin Discovery Deutschland.

Eine offene Frage bei der Partnerschaft ist: Inwieweit kann man den Deal mit DAZN als Eingeständnis werten, dass man die Bundesliga im Eurosport Player nicht auf die Flughöhe bringen konnte, die für einen wirtschaftlich sinnvollen Betrieb des Angebots nötig gewesen wäre? Derzeit bezahlen die Abonnenten des Bundesliga-Angebots 6,99 Euro im Monat. Wie viele Menschen das Angebot nutzen, hat Eurosport bislang nicht mitgeteilt.
„Wir freuen uns über diese Partnerschaft, die einen wichtigen Beitrag zu unserer Wertschöpfungskette leisten wird.“
Susanne Aigner-Drews
Aigner-Drews geht auf die wirtschaftlichen Implikationen des Deals aber nicht ein sondern hebt vielmehr hervor, was man in den vergangenen zwei Jahren erreicht habe: "Bei der Bundesliga waren wir mit dem Eurosport Player ein 'first mover' im OTT-Bereich und haben mit unserer Berichterstattung viele Fans überzeugt", so die Discovery-Chefin. "Wir freuen uns, diese Rechte nun in die umfassende Partnerschaft mit DAZN einbringen zu können, von der wir marktübergreifend in hohem Maße profitieren werden."

Tatsächlich bekommt DAZN durch die Partnerschaft mit Eurosport Zugriff auf zahlreiche Inhalte, mit denen sich vor allem auch Nicht-Fußballfans ansprechen lassen. So gehören zum Eurosport-Angebot etwa die Tennis-Grand-Slams Australian Open, Roland-Garros und US Open, die Tour de France, alle Weltcups und Weltmeisterschaften im Wintersport sowie Motorsport-Events wie die Formel E und die 24 Stunden von Le Mans. Nicht zu vergessen die Olympischen Spiele, an denen Eurosport die Rechte für Tokio 2020, Peking 2022 und Paris 2024 besitzt.

DAZN hatte in Person von Deutschlandchef Thomas de Buhr stets eingeräumt, dass man auf Live-Rechte an der Bundesliga schiele. "Natürlich sind auch Live-Rechte für uns spannend. Klar, dass wir die Bundesliga gerne bei uns hätten", sagte de Buhr im Herbst 2018 im Interview mit DWDL.de. Nun kommt nicht nur die Bundesliga, sondern auch eine Reiher weiterer Premium-Rechte. Für den DAZN-Chef "ein ganz besonderer Moment": "Erstmals können wir den Fans die Bundesliga live auf DAZN präsentieren und unser Angebot mit zahlreichen internationalen Premium-Sportinhalten ergänzen", so de Buhr. Allerdings muss DAZN durch das verbreiterte Angebot einen Schritt gehen, den man bislang tunlichst vermieden hat: Ab dem 1. August wird der monatliche Preis des Abonnements von 9,99 Euro auf 11,99 Euro pro Monat angehoben. Gleichzeitig wird ein neues Jahresabonnement zum Preis von 119,99 Euro eingeführt, was weiterhin einem monatlichen Preis von rund 10 Euro gleichkommt. Dieses Angebot wird ebenfalls ab 1. August verfügbar sein.

Bleibt die Frage, ob Eurosport der Bundesliga damit ein für alle mal den Rücken kehrt. 
Kürzlich war bekannt geworden, dass das bisherige Eurosport-Paket in der nächsten Ausschreibung der Bundesliga-Rechte nicht mehr vorgesehen ist. Auch das könnte dafür gesorgt haben, dass man bei Discovery die Bundesliga neu bewertet hat.

HORIZONT Online hatte im Zuge einer Recherche zur kommenden Rechte-Ausschreibung bei Eurosport um eine Einschätzung gebeten und folgende Antwort erhalten: "Es ist ja bekannt, dass es im neuen Rechte-Zyklus keine Montagsspiele mehr geben wird. Insofern wird es das Paket, wie wir es derzeit haben, in dieser Form nicht mehr geben. Wenn es soweit ist, werden wir uns auf jeden Fall die offizielle DFL-Ausschreibung ansehen, die Optionen prüfen und dann sehen, was für uns Sinn macht." Diese Antwort, bestätigt man nun in München, sei nach wie vor gültig. ire
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