"Framing Manual"

Netzpolitik.org stellt ARD-Framing-Gutachten ins Web / ARD verteidigt Vorgehen

ARD-Generalsekretärin Suanne Pfab
© ARD/Thorsten Eichhorst
ARD-Generalsekretärin Suanne Pfab
Die Website Netzpolitik.org hat das in den vergangenen Tagen vieldiskutierte "Framing Manual" der ARD ins Internet gestellt. Damit wolle man zu einer Versachlichung der Debatte beitragen. ARD-Generalsekretärin Susanne Pfab verteidigt in einer neuen Stellungnahme die Entscheidung, das Papier nicht zu veröffentlichen. Das Papier sei als Diskussionsgrundlage "zur Weitergabe völlig ungeeignet". 
Die ARD hatte das Gutachten vor rund zwei Jahren beim Berkeley International Framing Institute in Auftrag gegeben. In dem rund 90-seitigen Papier mit dem Titel "Framing Manual - Unser gemeinsamer, freier Rundfunk ARD" geht es darum, wie Mitarbeiter und Repräsentanten der ARD die Vorteile des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf Grundlage der Framing-Theorie in der Öffentlichkeit kommunizieren können.


Die Autorin des Gutachtens, die Sprach- und Kognitionswissenschaftlerin Elisabeth Wehling, plädiert in dem Papier unter anderem dafür, dass Mitarbeiter der ARD bei Diskussionen vor allem moralisch argumentieren sollten: "Wieso ist die ARD gut – nicht schlecht, wie Ihre Gegner es halten; und wieso ist es wichtig und richtig, die ARD in ihrer Form zu erhalten – nicht überflüssig und falsch, wie Ihre Gegner es propagieren", heißt es in der Einführung. 

„Für eine öffentliche Debatte ist es aber wichtig, dass sich alle Interessierten aus der Diskussionsgrundlage informieren können.“
Markus Beckedahl
Das Papier war eigentlich nur zur internen Verwendung gedacht - allerdings fanden Teile des Gutachtens trotzdem den Weg in die Öffentlichkeit. Vor allem Gegner des öffentlich-rechtlichen Systems und des Rundfunkbeitrags und rechte Webseiten nutzten das Gutachten, um eine vermeintliche Kommunikationsstrategie der ARD mit dem Ziel, die Öffentlichkeit zu manipulieren, zu entlarven. Die Pressestelle der ARD begründete die Nicht-Veröffentlichung etwas fadenscheinig mit "urheberrechtlichen Gründen" - befeuerte damit im Netz aber die Diskussion über ihr intransparentes Vorgehen erst recht. 


Netzpolitik.org hat das gesamte Dokument am Sonntag nun als pdf ins Netz gestellt. "Für eine öffentliche Debatte ist es aber wichtig, dass sich alle Interessierten aus der Diskussionsgrundlage informieren können. Das Gutachten wurde aus öffentlichen Geldern finanziert und sollte selbstverständlich auch nach dem Grundsatz 'Öffentliches Geld, öffentliches Gut' ('Public money, public good') allen Beitragszahlerinnen und -zahlern verfügbar sein. Damit sich mehr Menschen aus der Originalquelle informieren und an der Diskussion teilnehmen können", schreibt Markus Beckedahl ist Gründer und Chefredakteur von Netzpolitik.org.

ARD-Generalsekretärin Susanne Pfab verteidigte das Vorgehen der ARD am Sonntag in Form einer "Klarstellung". Demnach sei der 2017 entstandenen "Arbeitsunterlage" aufgrund des missverständlichen Titels "Framing Manual" - Manual bedeutet so viel wie Anleitung - "allerhand Bedeutung" zu geschrieben worden. Es handele sich aber weder um eine neue Kommunikationsstrategie, noch um eine Sprach- oder gar Handlungsanweisung an Mitarbeiter, sondern um "Vorschläge aus wissenschaftlicher Sicht".

"Es ist eine Unterlage, die Teilnehmenden ARD-interner Workshops im Vorfeld als Diskussionsgrundlage und Denkanstoß zur Verfügung gestellt wird. Die Aufregung um dieses Papier funktioniert nur, wenn man diesen Kontext nicht kennt oder ignoriert. Auch deswegen ist die Unterlage von Frau Dr. Wehling zur Weitergabe völlig ungeeignet." 

Die Arbeitsunterlage mache unter anderem darauf aufmerksam, dass es sinnvoll sei, "über sprachliche Formulierungen auch die dahinterstehenden Werte offenzulegen". Bestimmte, in dem Gutachten vorgeschlagene Begriffe, wie "medienkapitalistische Heuschrecke", "Profitzensur" oder "ungezügelter Rundfunkkapitalismus" lehne sie aber klar ab. Es gehe darum, Mitarbeiter "für den verantwortungsvollen Umgang mit Sprache zu sensibilisieren". Dabei sollten aber "Fakten und inhaltliche Argumente immer im Vordergrund stehen", betont die Generalsekretärin. "Überzeugen müssen und wollen wir mit unserem Angebot für alle." dh
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