Forscher Christoph Neuberger zum Medienwandel

"Wir stehen vor einer fundamentalen Zäsur"

Christoph Neuberger lehrt an der Uni München am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung
© Chr. Neuberger
Christoph Neuberger lehrt an der Uni München am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung
Wie kann Presse in der Plattform-Ökonomie überleben? Und wie gefährlich sind Google und Facebook wirklich? Zeit, die Wissenschaft zu konsultieren. Christoph Neuberger, Professor an der Uni München, fordert in HORIZONT, mit den Rundfunkgebühren auch Start-ups im Web oder kleine Lokalzeitungen zu fördern. Und lässt aus der Phobie vor Algorithmus-Filterblasen etwas die Luft raus.

Die Wahrscheinlichkeit, zufällig mit neuen Themen und anderen Meinungen in Berührung zu kommen, sei im Internet oft sogar größer als anderswo, sagt Neuberger. Ein Gespräch über schrumpfende Werbeerlöse, neue Plattformen und die Meinungsbildung im digitalen Zeitalter.

Herr Neuberger, weil Verlage ihre Leser und Werbeflächen im Digitalen viel schlechter monetarisieren können als früher in der alten Medienwelt, befürchten viele ein Titelsterben – und eine Demokratie-gefährdende Ausnahmesituation. Befürchten Sie das auch? Die Entwicklung vollzieht sich schleichend, aber wir stehen dennoch vor einer fundamentalen Zäsur. Dabei geht es nicht in erster Linie um das Überleben von Verlagen, sondern um die demokratische Meinungsbildung. Wir erfreuen uns in Deutschland im internationalen Vergleich zwar noch einer relativ großen Pressevielfalt: Es gibt rund 120 Tageszeitungen mit Vollredaktionen. Aber Fusionen, Kooperationen und Einstellungen nehmen zu. Dass nur noch eine oder gar keine Zeitung mehr lokal berichtet, wird zum Normalfall werden. Auch Großstädte lassen sich davon nicht ausnehmen.

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