Forbes-Recherche

TikTok hat offenbar mehrere US-Journalisten ausspioniert

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 Laut Forbes-Recherchen soll TikTok die Aufenthaltsorte mehrerer US-Journalisten getrackt haben.
© IMAGO / NurPhoto
Laut Forbes-Recherchen soll TikTok die Aufenthaltsorte mehrerer US-Journalisten getrackt haben.
Bereits seit einigen Jahren kursieren immer wieder Gerüchte, dass das chinesiche Internet-Technologie­unternehmen Bytedance die User-Daten seiner TikTok-App dazu nutzt, um Menschen zu überwachen. Nun werden die Vorwürfe erstmalig konkreter: Laut einer internen E-Mail, die dem US-Magazin Forbes vorliegt, soll Bytedance-Chef Liang Rubo die Vorgänge bestätigt haben. Rubo sprach darin vom "Fehlverhalten einiger weniger Einzelpersonen." HORIZONT gegenüber hat TikTok nun Stellung bezogen.
Die Spionage-Vorwürfe gegen TikTok und seinen chinesichen Mutterkonzern Bytedance gehen in die nächste Runde: Das Unternehmen soll seine Video-App dazu missbraucht haben, die Aufenthaltsorte mehrerer US-Journalisten und deren Angehöriger zu tracken. Dies geht aus einem gestern veröffentlichten Bericht des US-amerikanischen Wirtschaftsmagazins Forbes hervor. Dafür nutzte Bytedance die Daten der User, die die App auf ihren Smartphones installiert hatten und verschaffte sich unrechtmäßigen Zugang zu deren IP-Adressen.

Das Geschehen sei laut Forbes aus einer internen Untersuchung von Bytedance hervorgegangen, über die das US-Magazin Kenntnis habe. Daraus ergab sich auch der Grund der Spionage-Aktion: Bytedance wollte herausfinden, ob sich die Journalisten zur selben Zeit am selben Ort wie bestimmte Bytedance-Mitarbeitende aufgehalten haben. Damit wollte man Informationslecks innerhalb des chinesichen Großkonzerns auf den Grund gehen.

Diese Vorgänge wurden nun offenbar seitens der TikTok-Mutter bestätigt. In einer internen E-Mail, die Forbes in seinem Artikel zitiert, schrieb Bytedance-CEO Liang Rubi: 
"Ich war zutiefst enttäuscht, als ich über die Situation informiert wurde. Das Vertrauen der Öffentlichkeit, das wir mit großem Aufwand aufgebaut haben, wird durch das Fehlverhalten einiger weniger Personen erheblich untergraben. Ich glaube, diese Situation wird uns allen eine Lehre sein." Konkret betroffen sind laut der internen Untersuchung die für Forbes tätigen Journalisten Emily Baker-White, Katharine Schwab und Richard Nieva. Darüber hinaus soll ein nicht namentlich genannter Redakteur der Financial Times sowie von Buzzfeed überwacht worden sein - inklusive der Angehörigen dieser Personen.

HORIZONT gegenüber hat ein Sprecher von Bytedance mitgeteilt: "Bytedance verurteilt diese fehlgeleitete Initiative, die einen schweren Verstoß gegen den Verhaltenskodex des Unternehmens darstellt. Wir haben disziplinarische Maßnahmen ergriffen, und keine der Personen, die nachweislich direkt an dem fehlgeleiteten Plan beteiligt waren oder ihn beaufsichtigt haben, ist weiterhin bei ByteDance beschäftigt."

Auch vonseiten TikToks gibt es eine Stellungnahme zu dem Fall: "Das Fehlverhalten bestimmter Personen, die nicht mehr bei ByteDance beschäftigt sind, war ein ungeheuerlicher Missbrauch ihrer Befugnisse, um Zugang zu Nutzerdaten zu erhalten. Dieses Fehlverhalten ist inakzeptabel und steht nicht im Einklang mit unseren Bemühungen bei TikTok, das Vertrauen unserer Nutzer*innen zu gewinnen. Wir nehmen die Datensicherheit unglaublich ernst und werden unsere Zugangsprotokolle, die seit diesem Vorfall bereits erheblich verbessert wurden, weiter verstärken", teilt eine TikTok-Sprecherin mit.

Welche konkreten Auswirkungen die Enthüllungen nun auf den wachsenden Bytedance-Konzern haben, bleibt abzuwarten. Klar ist aber, dass TikTok in den USA bereits kurz vor einem Verbot steht. Erst vor wenigen Tagen haben gleich drei US-Abgeordnete Gesetzentwürfe in den Kongress eingebracht, um die chinesische Video-App dort zu verbieten. Ex-Präsident Donald Trump hatte bereits 2020 erfolglos versucht, TikTok aus den USA zu verbannen. Der Vorwurf bleibt derselbe: Peking solle über die App sensible Daten amerikanischer Userinnen und User sammeln und zu Spionage-Zwecken nutzen. Die jetzigen Enthüllungen dürften wohl Wasser auf die Mühlen der TikTok-Kritiker sein. mad
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