Fake-Account aufgesessen

Bild entschuldigt sich für Interview mit falschem "Drachenlord"

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Der "Drachenlord" sorgt mal wieder für Aufsehen - diesmal allerdings ungewollt
© Screenshot / Youtube
Der "Drachenlord" sorgt mal wieder für Aufsehen - diesmal allerdings ungewollt
Anfang Januar veröffentlichte die Bild ein Interview mit dem umstrittenen Youtuber "Drachenlord". Mittlerweile ist klar: Die Bild hat nie mit dem "meistgehassten Mann des Internets" gesprochen, sondern ist einem falschen Twitter-Account aufgesessen. 
Am Donnerstag veröffentlichte die Bild eine Entschuldigung in ihrer Printausgabe. Man habe statt Rainer Winkler alias "Drachenlord" eine andere Person interviewt, "die sich mit Fälschungen amtlicher Ausweisdokumente und hoher krimineller Energie als dieser ausgab". Außerdem kündigte die Bild an, Strafanzeige zu stellen. "Wir bitten unsere Leser und Herrn Winkler um Entschuldigung," so Bild weiter. Winkler hatte in einem Video zuvor klargestellt, dass er nicht mit der Bild gesprochen habe.

Tatsächlich ist die Bild offensichtlich einem gefakten "Drachenlord"-Profil bei Twitter auf den Leim gegangen. Auf Youtube gibt es mittlerweile ein Video, in dem geschildert wird, wie das Interview zustandekam. Demnach hatte ein Bild-Reporter den Betreiber des Twitter-Accounts mit der Bitte um ein Interview angeschrieben. Die Betreiber des Accounts gingen auf die Anfrage ein, unter der Voraussetzung, das Interview schriftlich zu führen. Man habe sich dann "extrem tolle Antworten" ausgedacht, in der Annahme, dass die Bild ohne persönlichen Kontakt kein Interview veröffentlichen würde. Nachfragen nach einem persönlichen Telefonat wies der Betreiber des Accounts immer wieder zurück.

Gegenüber der Süddeutschen Zeitung bestätigte die Bild, dass die Interviewfragen nur schriftlich übermittelt worden seien. Man habe allerdings verschiedene Maßnahmen ergriffen, um die Identität des Gesprächspartners zu verifizieren. So habe der vermeintliche "Drachenlord" dem Bild-Reporter "Fotos amtlicher Ausweisdokumente mit erkennbaren Sicherheitsmerkmalen" schicken lassen. Diese waren allerdings gefälscht.  Der "Drachenlord" und seine Gegner beschäftigen seit Jahren die sozialen Medien und die Gerichte. Immer wieder tauchten in der Vergangenheit Hater vor seinem Haus im Dorf Altschauerberg auf, um ihn zu provozieren. Die Polizei musste über Jahre meist mehrmals täglich wegen Ruhestörung, Sachbeschädigung, Körperverletzung und anderer Anzeigen ausrücken. Das Haus hat der Youtuber inzwischen verkauft und ist weggezogen. 

Auch Winkler wurde nach gegenseitigen Beschimpfungen gewalttätig und musste sich wegen mehrerer Fälle bereits vor Gericht verantworten. In der Berufungsverhandlung verurteilte ihn das Landgericht in Nürnberg im März zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr. Das Urteil ist inzwischen rechtskräftig, nachdem die Staatsanwaltschaft die Revision gegen das Urteil zurückgenommen hat. hor/dpa
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