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Max Conze bei seiner Keynote auf der Dmexco
Dmexco
Erster Auftritt

Die vier Beobachtungen und sieben Gedanken von P7S1-Chef Max Conze

Max Conze bei seiner Keynote auf der Dmexco
Es war der erste mit Spannung erwartete Auftritt von Max Conze als CEO von Pro Sieben Sat 1: Auf der Dmexco hat der ehemalige Dyson-Chef  seine erste Keynote in der neuen Funktion gehalten. Der Eindruck: Der CEO ist furchtlos und auf Veränderung getrimmt.
von Juliane Paperlein Donnerstag, 13. September 2018
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Mit konkreten Einschätzungen zum TV-Geschäft und zu Pro Sieben Sat 1 hat sich Conze, der erst seit Juni im Amt ist, noch zurückgehalten. Vielmehr hat er seine Redezeit genutzt, um seine eigenen Erfahrungen in einer zunehmend vernetzten Welt darzulegen und daraus erste Ableitungen für die Zukunft des Konzerns zu treffen. Conze, der in unterschiedlichsten Branchen und bereits auf drei Kontinenten gearbeitet hat, hat dabei wenig Furcht vor Disruption.



In den ersten Monaten hat er vier wesentliche Beobachtungen gemacht, die in seine Strategie einfließen. Erstens: "Wenn man wissen will, wie sich die Welt verändert, muss man sich mit jungen Leuten umgeben." Seine Töchter im Teenager-Alter haben eine völlig andere Art Medien zu nutzen, als die älteren, mit Privatfernsehen sozialisierten Generationen. Auf deren Gewohnheiten müsse man sich einstellen, "sonst gibt es uns in ein paar Jahren nicht mehr". 

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Zweitens: Man darf nicht den Fehler machen, sich selbst als großen Player im Markt zu sehen. "Der eigene Markt ist der größte denkbare Sandkasten, um darin zu spielen, man selbst ist der kleinste potenzielle Player." Was Conze damit meint? Pro Sieben Sat 1 ist mittlerweile nicht nur im Bereich Entertainment tätig, sondern auch in den Feldern Digital und Commerce. Addiert man diese Märkte auf, kommt man auf über 90 Milliarden Euro Umsatz. Auf Pro Sieben Sat 1 entfallen davon gerade mal 3,5 Prozent. Erhöht der Konzern seinen Anteil in diesen Feldern auf 4,5 oder 6 Prozent - so würde sich der Umsatz um die Hälfte erhöhen. "Das ist ein wichtiges Konzept, um zu wachsen." 


Dritte Beobachtung: Werbungtreibende wollen konvergente Reichweiten. Die aktuellen Diskussionen um die AGF machen dies überdeutlich. "Wir sind auch auf dem Weg", sagt Conze und macht den Eindruck, dass er fest entschlossen ist, das elende Thema Konvergenzwährung voran zu bringen. 

Conzes vierte Beobachtung: Um Skaleneffekte zu erzielen müssen Unternehmen Allianzen eingehen. "Die einzige Antwort sind Partnerschaften", sagt er mit Blick auf Verbünde wie die Log-in-Allianz NetID und das Joint Venture 7TV mit Discovery. "Das erfordert aber ein anderes Mindset". Derzeit steckt der Konzern "in der finalen Phase des Strategie-Refresh". Aber Conze ist klar auf Veränderung eingestellt. "Wir müssen uns bewegen", sagt er. Wie das gehen kann? Dazu gibt er den Zuhörern sieben Gedanken mit auf den Weg: 

1. Konsumentenorientiert sein. Das klingt einfach, ist es aber in der Praxis oft nicht. "Wenn man überlegt, wie man Leute glücklich macht und nicht erst über das Geld nachdenkt, kommen interessante Ideen."

 2. Von der Zukunft her entwickeln: Man muss sich zuerst überlegen, wer man in Zukunft sein will und daraus rückwärts die Schritte ableiten zur Gegenwart - nicht andersherum.

 3. Strategien müssen richtig umgesetzt werden: Der Erfolg einer guten Idee hängt davon ab, dass sie richtig umgesetzt wird.

 4. Nicht beharren: Der größte Hemmschuh für Transformation ist aus seiner Sicht, aus Angst das bisherige Geschäft zu gefährden, neues nicht zu entwickeln.

 5. Geschäft einfach machen. Ideen sollten leicht erklärbar sein, sonst taugen sie vielleicht nicht.

 6. Risiken eingehen. Man braucht eine Fehlerkultur. Ohne die Möglichkeit auch Dinge in den Sand zu setzen, wird es nicht nach vorne gehen.

 7. Eine Vision haben und ein Team, mit dem man sie umsetzt. "Get stuff done. Don‘t be an asshole."

Der neue Chef von Pro Sieben Sat 1 gibt die Richtung damit klar vor. War Pro Sieben Sat 1 schon unter seinem Vorgänger Ebeling ein Konzern im Umbruch, in dem ständig neue Ideen vorangetrieben wurden - unter Conze wird es keine Umkehr auf diesem Weg geben, sondern eher noch eine Verschärfung der Gangart. Den Eindruck hinterlässt zumindest sein erster Auftritt. Sein Mantra: Vom Nutzer her denken. "Das klingt einfach", sagt er, räumt aber ein, dass es ein Umdenken erfordert. pap

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