Emarketer-Prognose

Facebook kommt mit einem blauen Auge davon

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Die "Stop Hate for Profit"-Kampagne schadet laut Emarketer in erster Linie Facebooks Ruf
© Stop Hate for Profit
Die "Stop Hate for Profit"-Kampagne schadet laut Emarketer in erster Linie Facebooks Ruf
Trotz Corona und Werbeboykott: Facebook wird 2020 beim Werbeumsatz schwarze Zahlen schreiben – das prognostiziert das US-Marktforschungsunternehmen Emarketer. Bei der Social-Media-Konkurrenz sieht es derweil durchwachsen aus.
"Stop Hate for Profit" schade eher der Reputation von Facebook, aber weniger dem Geschäft. Zwar wird die Reihe der Boykotteure immer länger – zuletzt kamen so illustre Kunden wie die britischen Imperial War Museums und die Labour Party hinzu. Aber der Schaden hält sich in Grenzen, weil Facebook vor allem von vielen kleinen Werbungtreibenden lebt, die nur wenige Alternativen haben.


Im aktuellen "Social Media Update" schätzt Emarketer den weltweiten Netto-Werbeumsatz von Facebook für 2020 auf 73,78 Milliarden US-Dollar, eine Steigerung von 5,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit wird allerdings das Wachstum früherer Jahre – 2019 lag das Plus bei über 21 Prozent – abgebremst. Doch schon für 2021 sieht Emarketer wieder eine Steigerung von 22,9 Prozent, für 2022 weitere 19,7 Prozent. Facebooks Marktanteil an den weltweiten Umsätzen mit digitaler Werbung würde dann bei knapp einem Viertel liegen.

Die Social-Media-Konkurrenz wird laut Emarketer unterschiedlich hart von der Coronakrise getroffen. Für Snapchat erwarten die Marktforscher steigende Werbeumsätze für 2020, bei Twitter sollen sie fallen. Snapchat profitiere insbesondere von der neuen "Minis"-Funktion, über die sich externe Apps in abgespeckten Formaten integrieren lassen. Auch das neue Videoformat "First Commercial" sei hilfreich.


Dass Facebook noch mit einschneidenden Veränderungen auf "Stop Hate for Profit" reagiert, ist unwahrscheinlich. Die Organisatoren zeigten sich in der vergangenen Wochen nach einem Treffen mit Mark Zuckerberg enttäuscht. Den Konzernchef dürfte nicht zuletzt in Sicherheit wiegen, dass sich die Aktionäre nach dem spektakulären 56-Milliarden-Dollar-Rutsch an der Börse am 26. Juni schnell wieder beruhigt haben. Der Aktienkurs stieg zügig und erreichte am Montag dieser Woche zwischenzeitlich ein neues Rekordhoch. Dass es seitdem wieder abwärts gegangen ist, liegt nicht am Werbeboykott, sondern vor allem an der dramatischen Ausbreitung der Pandemie in Kalifornien.
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