Eckhardt und Kemper gehen

So radikal baut Max Conze Pro Sieben Sat 1 um

Max Conze, Vorstandsvorsitzender von Pro Sieben Sat 1 Media
Pro Sieben Sat 1
Max Conze, Vorstandsvorsitzender von Pro Sieben Sat 1 Media
Bei Pro Sieben Sat 1 bleibt kein Stein auf dem anderen. CEO Max Conze baut den TV-Riesen kräftig um - das betrifft vor allem die Chefetage. Wie der Münchner Konzern ankündigt, sollen die 2018 im Zuge der 3-Säulenstrategie ins Leben gerufenen Unternehmenssegmente jeweils zwei Co-CEOs erhalten. Dafür holt sich der seit Juni 2018 amtierende Conze neue Führungskräfte ins Haus. Andere, zum Teil langjährige Vorstandsmitglieder müssen dagegen ihren Hut nehmen.

Für zwei aktuelle Vorstandsmitglieder geht es bei Pro Sieben Sat 1 nicht weiter. Eine davon ist Sabine Eckhardt. Die Managerin, die 2004 zu Pro Sieben Sat 1 kam und nach Führungspositionen unter anderem beim Vermarkter SevenOne Media Anfang 2017 zum Vorstand für Vertrieb und Marketing aufstieg, wird den Medienkonzern Ende April verlassen - laut Unternehmensangaben "in bestem Einvernehmen". Mit derselben Formulierung verkündet Pro Sieben Sat 1 die Trennung von Jan Kemper. Der frühere Senior Vice President Finance von Zalando hatte seit Juni 2017 als Finanzvorstand des Konzerns gewirkt. 



Sabine Eckhardt geht offenbar bei Pro Sieben Sat 1 von Bord
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Sabine Eckhardt geht offenbar bei Pro Sieben Sat 1 von Bord
Während sich Pro Sieben Sat 1 in seiner offiziellen Verlautbarung bemüht, das Stühlerücken in der Chefetage als normalen und vor allem konfliktfreien Vorgang darzustellen, kursieren in der Branche Gerüchte, die anderes besagen. Nach Informationen des Manager Magazins sollen die Abgänge im Top-Management durch Unstimmigkeiten zwischen Conze und seinen Vorstandskollegen ausgelöst worden sein. So habe Conze weite Teile des Top-Managements gegen sich aufgebracht, schreibt das Magazin. Vor allem Finanzchef Kemper soll sich mit Conze inzwischen völlig überworfen haben. Dieser habe sogar bei Aufsichtsräten interveniert, um eine Ablösung Conzes voranzutreiben, heißt es.

Hatz sich offenbar mit seinem Chef überworfen: Jan Kemper
© P7S1
Hatz sich offenbar mit seinem Chef überworfen: Jan Kemper
Bereits in den letzten Monaten gab es erste Anzeichen, dass es in der Führungsebene des Unterföhringer TV-Konzerns mächtig rumort. Kemper und Eckhardt sind jedenfalls nicht die ersten Top-Manager, die Pro Sieben Sat 1 in der noch jungen Ära Max Conze verlassen haben. Bereits Ende Juli 2018 - und damit nur wenige Wochen nachdem der ehemalige CEO des britischen Technologiekonzerns Dyson den Chef-Posten bei Pro Sieben Sat 1 von Thomas Ebeling übernahm, hatte Christof Wahl seinen Hut genommen. Bezeichnend: Dem Manager, der im Februar 2015 bei dem Konzern angeheuert hatte, dankte damals nicht Conze, sondern der stellvertretende Vorstandschef Conrad Albert. 


Mit Jan Frouman steht seit Ende 2018 ein weiterer hochkarätiger Abgang fest. Der CEO der Produktionstochter Red Arrow Studios, der auch Vorstandsmitglied des TV-Konzerns ist, hatte im Oktober 2018 angekündigt, seinen Ende Februar 2019 auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. Unter dem Strich hat der Konzern in der Ära Conze damit vier zum Teil langjährige Vorstände verloren. 

Die Nachfolgeregelungen dürften Branchenkenner überraschen. Vor allem die für Sabine Eckhardt. Deren Aufgabe wird ab April mit Michaela Tod eine Managerin übernehmen, die in den letzten 14 Jahren für Dyson tätig war - also für den Konzern, den Conze zuvor als CEO geführt hatte. Bei dem Technologiekonzern war Tod, die um die Jahrtausendwende auch bei großen Werbeagenturen wie Grey und FCB gewirkt hatte, unter anderem als President für die Region Greater-China zuständig. Erfahrung im Medien-,  geschweige denn im TV- oder Vermarktungsgeschäft sucht man in ihrer Vita vergeblich.

Für ihren neuen Job wird sie die perspektivisch brauchen. Die Managerin darf sich nicht nur um die Themen Vertrieb, AdTech und Marketing sowie die Risikokapitaltochter SevenVentures kümmern. Als Co-CEO Entertainment wird sie bei Pro Sieben Sat 1 auch die neu aufgestellte Entertainment-Säule leiten.

In die Fußstapfen von Kemper tritt Anfang Juli mit Rainer Beaujean ebenfalls ein Manager, der seine Brötchen zuletzt außerhalb der Medienbranche verdiente. Aktuell ist Beaujean als CFO des börsennotierten Verpackungsherstellers Gerresheimer tätig. Zuvor hatte er allerdings durchaus in die Branche hineingeschnuppert, als er zwischen 2004 und 2006 als CEO die damalige Telekom-Tochter T-Online führte. 

Die Berufung von Tod und Beaujean sind nicht die einzigen Personalien, die Pro Sieben Sat 1 verkündet. Grund ist das neue Executive Committee, das Conze zum 1. April auf Holding-Ebene etablieren will mit dem Ziel, den Konzern deutlich agiler und schlagkräftiger aufzustellen. Dem Executive Committee sollen CEO, Finanzchef, Deputy-CEO und der Group General Counsel angehören. Gleichzeitig werden die darunter angeordneten Säulen – Entertainment, Red Arrow Studios und NuCom Group – künftig jeweils von zwei Co-CEOs geführt. Conze ist überzeugt davon, dass sich der Umbau auszahlen wird. "Das wird unseren Transformationsprozess weiter beschleunigen", sagt der Konzernchef. 

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Von der Etablierung des Executive Committees profitiert unter anderem Wolfgang Link. Der Chief Content & Channel Officer Entertainment wird zum Co-CEO Entertainment berufen. Er verantwortet in dieser Funktion künftig die linearen und digitalen Inhalte sowie alle Entertainment-Plattformen der Gruppe. Die Entertainment-Säule wird er künftig zusammen mit Tod leiten. 

Keine (neuerlichen) Veränderungen gibt es bei der Säule Content Production & Global Sales. Diese wird künftig von James Baker und Reza Izad, CEO von Studio71, geleitet. Der Aufstieg von Baker zum CEO der Red Arrow Studios steht seit Oktober 2018 fest. Damals hatte der Konzern den Abgang von Jan Frouman verkündet. Das Commerce-Geschäft führen Claas van Delden und Florian Tappeiner als Co-CEOs der NuCom Group. Sie alle berichten direkt an Max Conze. mas

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