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Beim DMK ging es auch um das Thema New Work
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DMK 2020

New Work: „Viele Thesen sind schon widerlegt“

Beim DMK ging es auch um das Thema New Work
Wir erleben einen ziemlichen Hype um neue Formen der Arbeitsorganisation, findet Wiebke Köhler, Unternehmensberaterin und Autorin. Dabei seien viele Thesen rund um New Work schon widerlegt, erklärte sie gestern beim Deutschen Medienkongress. Zum Beispiel die vom Chef als Coach: „Das wollen die Mitarbeiter gar nicht, die meisten brauchen Führung. Hierarchie und New Work sind kein Widerspruch.“
von Klaus Janke Donnerstag, 30. Januar 2020
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Köhler hat gemeinsam mit Ingo Hamm, Professor für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Darmstadt, eine Studie zum Thema Mitarbeiterbegeisterung durchgeführt. Ergebnis: „Mitarbeiter werden am meisten durch eine erfüllende Tätigkeit motiviert“, so die Geschäftsführerin der Impact Wunder Strategieberatung. „Der zweite wichtige Faktor ist eine authentische Führung, die die Prinzipien des Unternehmens auch lebt.“ Themen wie Fehlerkultur seien dagegen bereits Hygienefaktoren, die selbstverständlich sind, aber niemanden noch besonders begeistern.


Köhler diskutierte in Frankfurt mit zwei Agenturchefinnen, die in ihren Häusern in den vergangenen Jahren die Arbeitsprozesse gehörig umgekrempelt haben: Kim Alexandra Notz, Managing Director und Gesellschafterin KNSKB+, und Ulrike Handel, CEO des Dentsu Aegis Network Deutschland.

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Handel hat ab 2017 als neue Chefin für mehr Flexibilität, mehr Selbstverantwortung und mehr Kreativität der Teams gesorgt. „Wir gehören zu denen, die es am konsequentesten umgesetzt haben“, betont sie. Insgesamt habe man rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter „umorganisiert“, also ihnen veränderte Aufgabenbereiche und Strukturen gegeben. Im Prinzip sei das Ganze aber nichts Besonderes, sagt sie, weil das Dentsu Aegis Network eigentlich immer im Wandel sei. „Das gehört zum Mindset, und das verlangt auch der Markt.“


„Unsere Mitarbeiter waren ziemlich erstaunt, dass sie nicht nur Ideen für den Change-Prozess einbringen, sondern diesen auch aktiv gestalten sollen“, berichtet Kim Alexandra Notz. Zur neuen Transparenzkultur gehört bei KNSKB+ unter anderem ein Tool namens „Honestly“. Darüber werden jede Woche fünf Fragen zu wechselnden Themen an das Team gestellt, die offen und ehrlich beantwortet werden sollen. „Es kann schon ziemlich anstrengend sein, ständig auch mit dem negativen Feedback umzugehen“, so das Resümee von Notz. Der notwendige Wandel erfordere auf jeden Fall einen langen Atem: „Fragt man mich, wo wir stehen, muss ich zugeben: Ganz am Anfang.“
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